Justizze.

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Justizze. Art. 400 CO

Tribunal fédéral

Mandant verlangt Rückzahlung verdeckter Versicherungs-Retrozessionen: Verjährungsfrist von zehn Jahren beginnt mit Erhalt jedes Betrags (Art. 400 al. 1 CO)

BGE / ATF / DTF
ATF 143 III 348 · BGE 143 III 348 · DTF 143 III 348
Date
16.06.2017
Numéro de dossier
BGE 143 III 348
Issue
Partiellement admis

Normes déterminantes

Art. 60 CO Art. 67 CO Art. 75 CO Art. 127 CO Art. 128 CO Art. 130 CO Art. 142 CO Art. 398 CO Art. 400 CO

Résumé

Eine Transportvereinigung (Z.) hatte seit 1994 einen Versicherungsmakler (A., später X.) als Mandatar beauftragt, ein Versicherungskonzept für TIR-Carnets zu entwickeln und zu verwalten. Der Mandatar erhielt von Versicherern (B. und D.) verdeckte Retrozessionen aus den Prämien – insgesamt über 16 Millionen Franken und rund 2 Millionen USD – ohne Wissen der Vereinigung. Erst im März 2005 erfuhr Z. davon und kündigte umgehend den Vertrag. Z. erhob 2007 Klage auf Rückzahlung sämtlicher Retrozessionen sowie Schadensersatz. Das erste Gericht gab ihr teilweise Recht; die Kantonsgerichtskammer bestätigte dies. Der Mandatar legte beim Bundesgericht Beschwerde ein und machte geltend, dass die Ansprüche auf Rückzahlung der älteren Retrozessionen verjährt seien.

Das Bundesgericht hat den Rekurs teilweise gutgeheissen, das kantonale Urteil aufgehoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Kantonsgerichtskammer zurückverwiesen. Es stellte klar, dass die Rückgabeansprüche des Mandanten aufgrund der verdeckten Retrozessionen nicht unter die fünfjährige Verjährungsfrist für periodische Leistungen (Art. 128 ch. 1 CO) fallen, sondern der zehnjährigen ordentlichen Verjährungsfrist (Art. 127 CO) unterliegen, weil die Retrozessionen nicht aus einem Dauerschuldverhältnis hervorgehen, sondern jeweils einzeln und unabhängig bei Empfang durch den Mandatar entstehen. Die Verjährungsfrist beginnt für jede einzelne Retrozession am Tag ihres Empfangs durch den Mandatar (Art. 130 al. 1 CO i.V.m. Art. 75 CO), nicht erst mit Vertragsende oder Abgabe der Rechnung. Damit sind alle Retrozessionen verjährt, die vor dem 26. Mai 1996 (von D.) bzw. vor dem 29. Juni 1996 (von B.) empfangen wurden, da die Verjährung durch die Mahnungen vom 26. Mai 2006 und 29. Juni 2006 nur rückwirkend zehn Jahre zurück unterbrochen wurde (Art. 142 CO). Ein Rechtsmissbrauch durch den Mandatar bei der Geltendmachung der Verjährung liegt nicht vor (Art. 2 al. 2 CC), weil kein Verhalten festgestellt wurde, das den Mandanten konkret daran gehindert hätte, früher zu handeln – insbesondere nachdem dieser im März 2005 Kenntnis erlangt hatte. Die Kantonsgerichtskammer muss nun die konkreten Forderungen neu prüfen und nur die noch nicht verjährten Beträge zusprechen. Diese Entscheidung präzisiert die Anwendbarkeit der Verjährungsregeln auf indirekte Vorteile im Mandatsverhältnis und stellt klar, dass die Verjährung bereits mit dem Empfang jeder einzelnen Retrozession beginnt.

Regeste

Art. 400 Abs. 1 OR; Art. 127, 130 Abs. 1 und 75 OR; Retrozessionen von Versicherungsprämienanteilen an den Beauftragten durch Dritte; Verjährungsfrist und dies a quo der Herausgabeansprüche des Auftraggebers. Zusammenfassung der Natur von Retrozessionen im Sinne der Rechtsprechung (E. 5.1). Retrozessionen fallen nicht in den Anwendungsbereich der periodischen Leistungen gemäss Art. 128 Ziff. 1 OR. Die Pflicht zur Herausgabe von Retrozessionen verjährt nach der ordentlichen Verjährungsfrist von zehn Jahren gemäss Art. 127 OR (E. 5.2). Die Verjährungsfrist beginnt für jeden Herausgabeanspruch an dem Tag zu laufen, an dem der Beauftragte den herauszugebenden Betrag erhalten hat (E. 5.3). Bestimmung der verjährten Herausgabeansprüche (E. 5.4). Vorliegend kein Rechtsmissbrauch der Beauftragten durch Berufung auf die Verjährung (E. 5.5). Regeste Art. 400 al. 1 CO; art. 127, 130 al. 1 et 75 CO; rétrocessions au mandataire par des tiers de parts de primes d'assurance; délai de prescription et dies a quo des créances en restitution du mandant. Rappel de la nature des rétrocessions au sens de la jurisprudence (consid. 5.1). Les rétrocessions n'entrent pas dans le champ d'application des redevances périodiques de l'art. 128 ch. 1 CO. L'obligation de restituer les rétrocessions se prescrit selon le délai ordinaire de prescription de dix ans de l'art. 127 CO (consid. 5.2). Le délai de prescription commence à courir pour chaque créance en restitution le jour où le mandataire a reçu le montant à rétrocéder (consid. 5.3). Détermination des créances en restitution prescrites (consid. 5.4). En l'espèce, pas d'abus de droit de la mandataire à invoquer la prescription (consid. 5.5). Regesto Art. 400 cpv. 1 CO; art. 127, 130 cpv. 1 e 75 CO; retrocessioni di parti di premi assicurativi al mandatario da parte di terzi; termine di prescrizione e dies a quo delle pretese di restituzione del mandante. Richiamo della natura delle retrocessioni nel senso della giurisprudenza (consid. 5.1). Le retrocessioni non entrano nel campo di applicazione delle prestazioni periodiche dell'art. 128 n. 1 CO. L'obbligo di restituire le retrocessioni si prescrive secondo il termine ordinario di prescrizione di 10 anni dell'art. 127 CO (consid. 5.2). Il termine di prescrizione inizia a decorrere per ogni pretesa di restituzione il giorno in cui il mandatario ha ricevuto il montante da retrocedere (consid. 5.3). Determinazione delle pretese di restituzione prescritte (consid. 5.4). In concreto la mandataria non commette un abuso di diritto invocando la prescrizione (consid. 5.5).

Décision originale auprès du tribunal ↗

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