Justizze.

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Justizze. Art. 351 StPO

Bundesgericht

Staatsanwaltschaft ficht Höhe der Entschädigung für amtliche Verteidigung an: Legitimation bejaht, Wegweisung zur Berufung (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 IV 199 · ATF 139 IV 199 · DTF 139 IV 199
Datum
19.04.2013
Geschäftsnummer
BGE 139 IV 199
Abteilung
CH_BGE_006
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 20 StPO Art. 80 StPO Art. 81 StPO Art. 104 StPO Art. 135 StPO Art. 138 StPO Art. 351 StPO Art. 381 StPO Art. 382 StPO Art. 393 StPO Art. 394 StPO Art. 398 StPO Art. 399 StPO Art. 406 StPO Art. 408 StPO Art. 422 StPO

Zusammenfassung

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen focht die Höhe der Entschädigung für die amtliche Verteidigerin eines wegen Sachbeschädigung und Landfriedensbruchs verurteilten Mannes an. Das Kreisgericht hatte die Entschädigung auf Fr. 13'090.- festgesetzt und den Verurteilten zur Rückzahlung von Fr. 6'090.- verpflichtet. Die Staatsanwaltschaft erhob sowohl Berufung beim Kantonsgericht als auch Beschwerde bei der Anklagekammer. Beide kantonalen Instanzen traten auf die Rechtsmittel nicht ein, woraufhin die Staatsanwaltschaft beim Bundesgericht Beschwerde in Strafsachen erhob, um eine materielle Beurteilung durch die Vorinstanzen zu erwirken.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist die Sache zur materiellen Beurteilung an die kantonalen Instanzen zurück. Es stellt fest, dass die Staatsanwaltschaft zur Anfechtung der Höhe der Entschädigung für die amtliche Verteidigung legitimiert ist. Gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG besitzt sie ein rechtlich geschütztes Interesse, da ihre Interessen bei der Festsetzung des Honorars denen des Verurteilten widersprechen: Der Verurteilte ist an einer tiefen Entschädigung interessiert, der Verteidiger an einem hohen Betrag. Da die Staatsanwaltschaft zur Beschwerde in Strafsachen legitimiert ist, muss ihr auch der kantonale Rechtsmittelweg offenstehen (Art. 80 Abs. 2 Satz 1 BGG).

In der Sache klärt das Gericht den korrekten Rechtsmittelweg. Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers ist zwingend im Sachurteil festzusetzen (Art. 135 Abs. 2 StPO), da sie Bestandteil der Verfahrenskosten ist (Art. 422 Abs. 1 und 2 lit. a StPO). Eine separate Verfügung nachträglich zum Urteil wird abgelehnt, da dies den Rechtsmittelweg spalten würde und der Gesetzgeber das urteilende Gericht ausdrücklich für zuständig erklärt hat.

Daraus folgt: Die Staatsanwaltschaft und andere kostenpflichtige Parteien müssen die Reduktion der Entschädigung im Berufungsverfahren verlangen (Art. 398 Abs. 1 i.V.m. Art. 381 f. StPO). Der amtliche Verteidiger hingegen, der keine Verfahrenspartei ist (Art. 104 Abs. 1 StPO), muss sich gegen die Höhe seiner Entschädigung mit der subsidiären Beschwerde wehren (Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO). Die Nichteintretensentscheide der Vorinstanzen sind daher falsch, wenn sie die Legitimation oder den Rechtsweg verneinen.

Regeste

Entschädigung für die amtliche Verteidigung; Rechtsmittellegitimation der Staatsanwaltschaft; Rechtsmittelweg; Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 3 BGG; Art. 81 Abs. 3 lit. a und Abs. 4 lit. b, Art. 135 Abs. 2 und 3, Art. 351 Abs. 1, Art. 381 f., Art. 394 lit. a, Art. 398 Abs. 1, Art. 422 Abs. 1 und 2 lit. a StPO. Die Staatsanwaltschaft kann die Höhe der Entschädigung für die amtliche Verteidigung mit Beschwerde in Strafsachen anfechten (E. 2). Entsprechend steht ihr auch der Rechtsmittelweg im Kanton offen (E. 4). Das Gericht hat über die Entschädigung des amtlichen Verteidigers im Sachurteil zu befinden. Die Staatsanwaltschaft und die anderen Parteien, die für die Kosten der amtlichen Verteidigung aufzukommen haben, müssen die Reduktion der Entschädigung im Berufungsverfahren verlangen, während sich der amtliche Verteidiger gegen die Höhe der Entschädigung mit Beschwerde zur Wehr setzen muss (E. 5). Regeste Indemnisation pour la défense d'office; légitimation à recourir du Ministère public; voie de recours; art. 81 al. 1 let. b ch. 3 LTF; art. 81 al. 3 let. a et al. 4 let. b, art. 135 al. 2 et 3, art. 351 al. 1, art. 381 s., art. 394 let. a, art. 398 al. 1, art. 422 al. 1 et 2 let. a CPP. Le Ministère public peut contester le montant de l'indemnité pour la défense d'office par la voie du recours en matière pénale (consid. 2). Partant, la voie de droit cantonale lui est également ouverte (consid. 4). Le tribunal doit se prononcer sur l'indemnisation du défenseur d'office dans le jugement au fond. Le Ministère public et les autres parties qui répondent des frais de défense d'office, doivent demander la réduction de l'indemnité en procédure d'appel, cependant que le défenseur d'office doit s'opposer par la voie du recours (consid. 5). Regesto Retribuzione del difensore d'ufficio; legittimazione ricorsuale del pubblico ministero; via di ricorso; art. 81 cpv. 1 lett. b n. 3 LTF; art. 81 cpv. 3 lett. a e cpv. 4 lett. b, art. 135 cpv. 2 e 3, art. 351 cpv. 1, art. 381 seg., art. 394 lett. a, art. 398 cpv. 1, art. 422 cpv. 1 e 2 lett. a CPP. Il pubblico ministero può interporre ricorso in materia penale per contestare l'entità della retribuzione del difensore d'ufficio (consid. 2). Anche la via di ricorso cantonale gli è parimenti aperta (consid. 4). Il tribunale deve pronunciarsi sulla retribuzione del difensore d'ufficio nella sentenza di merito. Il pubblico ministero e le altre parti, che assumono i costi della difesa d'ufficio, devono postulare la riduzione della retribuzione nella procedura d'appello, mentre il difensore d'ufficio deve contestare l'entità della retribuzione mediante reclamo (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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