Revisionsweise Aufhebung BVG-Rente: Zeitpunkt und Rückwirkung analog IV-Recht bei Meldepflichtverletzung (Art. 23, 26 Abs. 3 BVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 133 V 67 · ATF 133 V 67 · DTF 133 V 67
- Datum
- 28.11.2006
- Geschäftsnummer
- BGE 133 V 67
- Abteilung
- CH_BGE_007
Tragende Normen
Art. 17 ATSG Art. 23 BVG Art. 24 BVG Art. 26 BVG Art. 1 IVG Art. 41 IVG Art. 88a IVV Art. 88bis IVV
Zusammenfassung
Die Sammelstiftung BVG der Allianz Suisse Lebensversicherungs-Gesellschaft streitet mit K. über die Aufhebung einer Invaliditätsrente aus der obligatorischen beruflichen Vorsorge. Im Zentrum steht die Frage, ob und wann eine Vorsorgeeinrichtung eine zugesprochene Rente aufgrund veränderter Verhältnisse rückwirkend aufheben darf und ob sie dabei an Entscheide der Invalidenversicherung gebunden ist. Weiter wird geprüft, ob eine gesetzliche oder reglementarische Meldepflicht gegenüber der Vorsorgeeinrichtung besteht und welche Folgen deren Verletzung für den Zeitpunkt der Rentenaufhebung hat.
Das Bundesgericht legt fest, dass eine Rente nach BVG unter denselben materiellen Voraussetzungen wie eine IV-Rente revisionsweise angepasst oder aufgehoben werden kann. Gemäss Art. 26 Abs. 3 Satz 1 BVG erlischt der Rentenanspruch mit dem Wegfall der Invalidität, was inhaltlich Art. 17 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 IVG entspricht.
Für den Zeitpunkt der Aufhebung ist Art. 88bis IVV analog anwendbar. Die Vorsorgeeinrichtung kann zwar einen Revisionsentscheid der IV nachvollziehen, ist aber auch befugt, eigene Abklärungen vorzunehmen. Dabei gilt grundsätzlich der Grundsatz der Nichtrückwirkung zum Schutz des Vertrauens der versicherten Person. Eine Ausnahme bildet die Verletzung der Meldepflicht gegenüber der Vorsorgeeinrichtung gemäss Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV. Massgebend für eine rückwirkende Aufhebung ist somit allein die Pflichtverletzung gegenüber der Vorsorgeeinrichtung, nicht jene gegenüber der IV-Stelle. Ob diese Meldepflicht gesetzlich oder zwingend reglementarisch begründet sein muss, bleibt offen, da im vorliegenden Fall das Reglement der Beschwerdeführerin in Ziffer 37.1 eine ausdrückliche Meldungspflicht für anspruchsrelevante Änderungen vorsieht.
Die Bindungswirkung von IV-Entscheiden für Vorsorgeeinrichtungen ergibt sich aus Art. 23, 24 Abs. 1 und 26 Abs. 1 BVG, beschränkt sich jedoch auf sachbezügliche Voraussetzungen und entbindet nicht von der Möglichkeit eigener Abklärungen zur Feststellung des Wegfalls der Invalidität.
Regeste
Art. 23 und 26 Abs. 3 BVG: Revisionsweise Änderung einer BVG-Rente. Zeitpunkt der Rentenaufhebung. Eine Rente nach BVG ist unter denselben materiellen Voraussetzungen wie eine Rente der Invalidenversicherung revisionsweise anzupassen oder aufzuheben (E. 4.3.1). Die Vorsorgeeinrichtung kann bei einer Rentenaufhebung den Revisionsentscheid der Invalidenversicherung nachvollziehen, aber auch auf Grund eigener Abklärungen entscheiden. Diesfalls bestimmt sich der Zeitpunkt der Aufhebung analog zu Art. 88bis Abs. 2 IVV. Die Zulässigkeit einer rückwirkenden Aufhebung hängt jedoch ab von der Verletzung der Meldepflicht gegenüber der Vorsorgeeinrichtung, nicht gegenüber der IV-Stelle (E. 4.3.5). Offen gelassen, ob die Pflicht, der Vorsorgeeinrichtung relevante Änderungen zu melden, von Gesetzes wegen besteht oder eine reglementarische Grundlage voraussetzt (E. 4.3.5). Regeste Art. 23 et 26 al. 3 LPP: Modification d'une rente LPP par la voie de la révision. Moment de la suppression de la rente. La modification ou la suppression d'une rente selon la LPP est soumise aux mêmes conditions matérielles que la révision d'une rente de l'assurance-invalidité (consid. 4.3.1). L'institution de prévoyance peut, en cas de suppression de rente, se fonder sur la décision de révision de l'assurance-invalidité mais aussi décider en fonction de ses propres mesures d'instruction. Dans ce cas, le moment à partir duquel la suppression prend effet se détermine par analogie à l'art. 88bis al. 2 RAI. L'admissibilité d'une suppression avec effet rétroactif dépend néanmoins d'une violation de l'obligation de renseigner vis-à-vis de l'institution de prévoyance et non pas vis-à-vis de l'office AI (consid. 4.3.5). Question laissée ouverte de savoir si l'obligation d'aviser l'institution de prévoyance des changements pertinents existe de par la loi ou si elle suppose un fondement réglementaire (consid. 4.3.5). Regesto Art. 23 e 26 cpv. 3 LPP: Modifica di una rendita LPP in via di revisione. Momento della soppressione della rendita. Una rendita LPP dev'essere modificata o soppressa in via di revisione alle medesime condizioni materiali di una rendita dell'assicurazione per l'invalidità (consid. 4.3.1). L'istituto di previdenza può, in caso di soppressione della rendita, fondarsi sulla decisione di revisione dell'assicurazione per l'invalidità oppure decidere sulla base di propri accertamenti. In questo caso, il momento in cui la soppressione prende effetto si determina in analogia all' art. 88bis cpv. 2 OAI. L'ammissibilità di una soppressione retroattiva dipende tuttavia dalla violazione dell'obbligo di informare nei confronti dell'istituto di previdenza e non dell'ufficio AI (consid. 4.3.5). Lasciata aperta la questione di sapere se l'obbligo di notificare all'istituto di previdenza cambiamenti di rilievo sia dato per legge oppure richieda una base regolamentare (consid. 4.3.5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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