Justizze.

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Justizze. Art. 17 BV

Bundesgericht

Mitglied eines Vereins verbreitet Propagandavideos für Jabhat Al-Nusra und Al-Qaïda: Strafrechtliche Verurteilung wegen Unterstützung terroristischer Organisationen bestätigt (Art. 2 Abs. 1 Al-Qaïda/IS-Gesetz)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 IV 65 · ATF 150 IV 65 · DTF 150 IV 65
Datum
09.02.2024
Geschäftsnummer
7B_209/2022
Abteilung
I. Strafrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 71 BGG Art. 106 BGG Art. 16 BV Art. 17 BV Art. 29 BV Art. 36 BV Art. 6 EMRK Art. 7 EMRK Art. 10 EMRK Art. 1 StGB Art. 82 StPO

Zusammenfassung

Zwei Beschwerdeführer wurden vom Bundesstrafgericht wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über das Verbot der Gruppierungen "Al-Qaïda" und "Islamischer Staat" sowie verwandter Organisationen verurteilt. Sie hatten zwei Propagandavideos veröffentlicht und beworben, in denen D.________, ein Vertreter der dschihadistischen Gruppierung Jabhat Al-Nusra, positiv inszeniert wurde. Die Beschwerdeführer rügten vor dem Bundesgericht eine Verletzung der Begründungspflicht, des Bestimmtheitsgebots, des subjektiven Tatbestands und der Meinungs- und Medienfreiheit. Sie behaupteten, sie hätten den propagandistischen Charakter der Videos nicht erkannt und ihre Handlungen seien journalistisch motiviert gewesen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerden ab und bestätigte die Verurteilungen. Es stellte fest, dass die Beschwerdeführer durch die Genehmigung der Veröffentlichung der Propagandavideos "Exklusivinterview" und "Die wahrhaftige Morgendämmerung", die Veröffentlichung eines Interviews mit einem der Beschwerdeführer, die Mitorganisation und ihren Auftritt bei einer Veranstaltung am 5. Dezember 2015 sowie einen Tweet mit einem Link zur bosnischen Übersetzung des zweiten Videos die radikalisierende Propaganda von Jabhat Al-Nusra und Al-Qaïda gefördert haben. Die Vorinstanz hatte überzeugend begründet, dass es sich bei den Videos um verbotene Propaganda handelt, da darin D.________ als geistiger Führer der Jaysh Al-Fath und Befürworter der Ideologie von Al-Qaïda positiv dargestellt wird und zum bewaffneten Dschihad aufgerufen wird. Der Beschwerdeführer 1 war als Vorsteher des "Departements für Public Relations und Information" des Vereins C.________ für die Veröffentlichung zuständig; der Beschwerdeführer 2 gab ein Interview, das die Veröffentlichung des Propagandavideos ankündigte, und hielt einen Vortrag, der als zustimmendes Bekenntnis zu dessen Inhalten gewertet wurde. Beide Beschwerdeführer kannten den propagandistischen Charakter der Videos, wie aus ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem syrischen Bürgerkrieg und den dschihadistischen Gruppierungen hervorgeht; sie hatten zahlreiche öffentlich zugängliche Quellen zu D.________ und seiner ideologischen Nähe zu Al-Qaïda zur Verfügung. Ihre Handlungen waren nicht journalistisch motiviert, da sie keine kritische Auseinandersetzung mit den propagandistischen Inhalten zeigten, sondern diese kritiklos übernahmen und unterstützten. Die Einschränkung der Meinungs- und Medienfreiheit durch die strafrechtliche Verurteilung ist im Sinne von Art. 16 BV, Art. 17 BV und Art. 10 EMRK gerechtfertigt, da sie auf einer gesetzlichen Grundlage beruht, einen legitimen Zweck verfolgt und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist, um die öffentliche Sicherheit zu schützen und terroristische Aktivitäten zu verhindern. Die Gerichtskosten von je Fr. 3'000.-- werden den Beschwerdeführern auferlegt. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass die bloße Genehmigung der Veröffentlichung und die Bewerbung von Propagandamaterial bereits als tatbestandsmäßige Förderung terroristischer Organisationen im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Al-Qaïda/IS-Gesetz gilt, auch wenn die Organisation nicht namentlich genannt wird.

Regeste

a Art. 2 Abs. 1 des Al-Qaïda/IS-Gesetzes; Werbung für Propagandavideos; Organisation von Propagandaaktionen. Objektiver und subjektiver Tatbestand von Art. 2 Abs. 1 des Al-Qaïda/IS-Gesetzes (E. 5.2). Propagandistischer Charakter der fraglichen Videos (E. 5.5.1). Die Genehmigung der Veröffentlichung von Propagandavideos auf Social-Media-Kanälen und auf Internetplattformen ist als bewusste und objektiv erkennbare Weiterverbreitung verbotener Propaganda zu qualifizieren und fällt als solche unter die Generalklausel der "Förderung auf andere Weise" gemäss Art. 2 Abs. 1 des Al-Qaïda/IS-Gesetzes (E. 5.5.2). Das Gleiche gilt für die Publikation eines schriftlichen Interviews auf einer Internetseite, in welchem auf ein Propagandavideo hingewiesen und dafür geworben wird (E. 5.5.3), sowie für das Verfassen eines Tweets mit der Verlinkung zu einem in eine weitere Sprache übersetzten Propagandavideo (E. 5.5.5). Die Organisation und das Auftreten in einer moderierenden Rolle im Rahmen eines Anlasses, wo ein Propagandavideo vorgeführt wird, ist ebenfalls tatbestandsmässig im Sinne von Art. 2 Abs. 1 des Al-Qaïda/IS-Gesetzes (E. 5.5.4). Regeste b Art. 16 und 17 BV; Art. 10 EMRK; Meinungsäusserungsfreiheit; Medienfreiheit. Verletzung der Meinungsäusserungsfreiheit im beurteilten Fall - auch im Lichte der Rechtsprechung des EGMR - verneint (E. 7). Eine Berufung auf die Medienfreiheit ist mangels kritischer Relativierung und Kontextualisierung der Propagandavideos ausgeschlossen (E. 7.5.2). Regeste a Art. 2 al. 1 de la loi interdisant les groupes "Al-Qaïda" et "État islamique"; publicité pour des vidéos de propagande; organisation d'actions de propagande. Éléments objectifs et subjectifs de l'art. 2 al. 1 de la loi interdisant les groupes "Al-Qaïda" et "État islamique" (consid. 5.2). Caractère propagandiste des vidéos en question (consid. 5.5.1). L'autorisation de publier des vidéos de propagande sur des canaux de médias sociaux et sur des plateformes Internet doit être qualifiée de retransmission consciente et objectivement reconnaissable de propagande interdite et tombe en tant que telle sous la clause générale d'"encouragement de toute autre manière" selon l'art. 2 al. 1 de la loi interdisant les groupes "Al-Qaïda" et "État islamique" (consid. 5.5.2). Il en va de même de la publication d'une interview écrite sur un site Internet, dans laquelle il est fait référence à une vidéo de propagande et en fait la promotion (consid. 5.5.3), ainsi que de la rédaction d'un tweet contenant un lien vers une vidéo de propagande traduite dans une autre langue (consid. 5.5.5). L'organisation et l'apparition dans un rôle de modérateur dans le cadre d'une manifestation où une vidéo de propagande est projetée sont également constitutives d'une infraction au sens de l'art. 2 al. 1 de la loi interdisant les groupes "Al-Qaïda" et "État islamique" (consid. 5.5.4). Regeste b Art. 16 et 17 Cst.; art. 10 CEDH; liberté d'expression; liberté des médias. Violation de la liberté d'expression niée dans le cas d'espèce, également à la lumière de la jurisprudence de la CourEDH (consid. 7). Une invocation de la liberté des médias est exclue faute de relativisation critique et de contextualisation des vidéos de propagande (consid. 7.5.2). Regesto a Art. 2 cpv. 1 della legge federale che vieta i gruppi "Al-Qaïda" e "Stato islamico" (di seguito: legge Al-Qaïda/Stato islamico); pubblicizzazione di video di propaganda; organizzazione di azioni di propaganda. Fattispecie oggettiva e soggettiva dell'art. 2 cpv. 1 della legge Al-Quaïda/Stato islamico (consid. 5.2). Carattere propagandistico dei video in questione (consid. 5.5.1). L'approvazione della pubblicazione di video di propaganda sui canali social media e sulle piattaforme internet costituisce una diffusione consapevole e oggettivamente riconoscibile di propaganda vietata e ricade in quanto tale sotto la clausola generale della "promozione in altro modo" ai sensi dell'art. 2 cpv. 1 della legge Al-Quaïda/Stato islamico (consid. 5.5.2). Lo stesso vale per la pubblicazione di un'intervista scritta su un sito internet, nella quale si fa riferimento a un video di propaganda e lo si pubblicizza (consid. 5.5.3), così come per la redazione di un tweet contenente un link per un video di propaganda tradotto in un'altra lingua (consid. 5.5.5). Anche l'organizzazione di e la partecipazione in un ruolo di moderatore a un evento dove viene mostrato un video di propaganda adempie la fattispecie dell'art. 2 cpv. 1 della legge Al-Quaïda/Stato islamico (consid. 5.5.4). Regesto b Art. 16 e 17 Cost.; art. 10 CEDU; libertà di espressione; libertà dei media. Nel caso concreto non sussiste alcuna violazione della libertà di espressione, nemmeno alla luce della giurisprudenza della CorteEDU (consid. 7). In assenza di una relativizzazione critica e di una contestualizzazione dei video di propaganda un richiamo alla libertà dei media è escluso (consid. 7.5.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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