Fahrer verweigert Drugwipe-Test und Blutprobe bei Verdacht auf Drogenkonsum: Vereitelung nur durch Blutprobenverweigerung, Strafzumessung fehlerhaft (Art. 91a Abs. 1 SVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 146 IV 88 · ATF 146 IV 88 · DTF 146 IV 88
- Datum
- 03.12.2019
- Geschäftsnummer
- 6B_614/2019
- Abteilung
- Strafrechtliche Abteilung
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 107 BGG Art. 9 BV Art. 10 SKV Art. 13 SKV Art. 16c SVG Art. 55 SVG Art. 91 SVG Art. 91a SVG Art. 47 StGB Art. 49 StGB Art. 197 StPO Art. 198 StPO Art. 391 StPO Art. 408 StPO
Zusammenfassung
Ein Fahrer wurde bei einer allgemeinen Verkehrskontrolle angehalten und verweigerte sowohl einen Drugwipe-Schnelltest als auch die anschliessend angeordnete Blutprobe. Er wurde wegen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit gemäss Art. 91a Abs. 1 SVG verurteilt. Die kantonale Berufungsinstanz bestätigte den Schuldspruch, erhöhte aber die Strafe und setzte eine längere Probezeit fest. Der Beschwerdeführer rügte die Unrechtmässigkeit der Drogentest-Anordnung, die Willkür der Beweiswürdigung sowie die zu hohe Strafzumessung.
Das Bundesgericht bestätigt den Schuldspruch wegen Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit, stellt aber klar, dass allein die Verweigerung des Drugwipe-Tests den Tatbestand von Art. 91a Abs. 1 SVG nicht erfüllt, da dieser lediglich eine Indikatorfunktion besitzt und keine zuverlässige Feststellung der Fahrunfähigkeit ermöglicht. Die tatbestandsmässige Vereitelung erfolgte erst durch die fortgesetzte Verweigerung der Blutprobe, die aufgrund konkreter Anzeichen – auffallend langsames Fahren, Nervosität, zunehmendes Aufbrausen, wässrige Augen und zitternde Augenlider – rechtmässig angeordnet worden war. Diese Anzeichen genügten bereits für die Anordnung des Drugwipe-Tests nach Art. 10 Abs. 2 SKV und begründeten zudem einen hinreichenden Tatverdacht im Sinne von Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO, der die Anordnung der Blutprobe durch die Staatsanwaltschaft rechtfertigte. Der Beschwerdeführer verhinderte damit endgültig die zuverlässige Ermittlung seiner Fahrfähigkeit. Der subjektive Tatbestand war ebenfalls erfüllt, da er sich wissentlich und willentlich widersetzte. Die Vorinstanz verletzte jedoch das Bundesrecht bei der Strafzumessung, indem sie trotz eigener Annahme unechter Konkurrenz strafschärfend zwei Tathandlungen berücksichtigte; dies stellt einen Ermessensfehler dar, der eine Neubewertung der Strafe erfordert. Das Bundesgericht hebt daher das Urteil auf und verweist die Sache zur neuen Entscheidung über die Strafzumessung an das Obergericht zurück. Die Kostenfolgen sind gemäss Art. 66 Abs. 1 BGG und die Parteientschädigung gemäss Art. 68 Abs. 1 BGG geregelt. Damit klärt das Urteil entscheidend, dass Art. 91a Abs. 1 SVG ein Erfolgsdelikt ist und die Vereitelung nur dann vollendet ist, wenn die zuverlässige Feststellung der Fahrunfähigkeit definitiv verunmöglicht wird – was bei der Blutprobe, nicht aber beim Vortest, der Fall ist.
Regeste
Art. 91a Abs. 1 i.V.m. Art. 55 Abs. 1 und 2 SVG und Art. 10 Abs. 2 SKV; Verweigerung von Massnahmen zur Feststellung der Fahrunfähigkeit; Betäubungsmittelvortests; hinreichende Verdachtsmomente zur Durchführung; Beweiswert. Für die Durchführung von Vortests nach Art. 10 Abs. 2 SKV genügen geringe Anzeichen einer durch Betäubungs- oder Arzneimittel beeinträchtigten Fahrfähigkeit; eines hinreichenden Tatverdachts, wie er zur Anordnung strafprozessualer Zwangsmassnahmen nach Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO erforderlich ist, bedarf es nicht (E. 1.4.2). Art. 91a SVG ist ein Erfolgsdelikt. Der Tatbestand ist erfüllt, wenn die zuverlässige Ermittlung der Fahrunfähigkeit mittels der im Gesetz vorgesehenen Untersuchungsmethoden durch aktiven oder passiven Widerstand verunmöglicht wird, d.h. definitiv nicht mehr möglich ist. Die Verweigerung von Betäubungsmittelvortests genügt hierzu nicht, da diesen lediglich eine Indikatorfunktion zukommt und sie nicht geeignet sind, den relevanten medizinischen Zustand der betroffenen Person zum Abnahme- bzw. Fahrzeitpunkt exakt festzustellen (E. 1.6.2 und 1.6.3). Regeste Art. 91a al. 1 en lien avec art. 55 al. 1 et 2 LCR et art. 10 al. 2 OCCR; refus de mesures de constatation de l'incapacité de conduire; tests préliminaires de stupéfiants; motifs de suspicion suffisants pour la mise en oeuvre; valeur probante. Pour ordonner des tests préliminaires conformément à l'art. 10 al. 2 OCCR, il suffit que le conducteur présente de faibles signes indiquant que la capacité de conduire est altérée par la consommation de stupéfiants ou de médicaments; la condition de l'existence de soupçons suffisants, nécessaire à la mise en oeuvre de mesures de contrainte au sens de l'art. 197 al. 1 let. b CPP, n'est pas exigée (consid. 1.4.2). L'art. 91a LCR constitue un délit de résultat. L'infraction est réalisée lorsqu'une opposition active ou passive rend impossible l'établissement fiable de l'incapacité de conduire au moyen des mesures d'investigation prévues par la loi, en ce sens que cela n'est définitivement plus possible. A cet égard, le refus de se soumettre aux tests préliminaires de stupéfiants ne suffit pas, dès lors que ceux-ci n'ont qu'une valeur indicative et ne sont pas propres à déterminer exactement l'état médical de la personne concernée au moment du contrôle, respectivement de la conduite (consid. 1.6.2 et 1.6.3). Regesto Art. 91a cpv. 1 unitamente all'art. 55 cpv. 1 e 2 LCStr e art. 10 cpv. 2 OCCS; rifiuto di sottoporsi a provvedimenti per accertare l'inattitudine alla guida; test preliminari per rilevare la presenza di stupefacenti; sufficienti motivi di sospetto per la loro esecuzione; valore probatorio. Per effettuare i test preliminari giusta l'art. 10 cpv. 2 OCCS bastano indizi minimi di alterazione dell'abilità alla guida dovuta a stupefacenti o medicamenti; non occorrono sufficienti indizi di reato, come è invece il caso per ordinare dei provvedimenti coercitivi del diritto processuale penale giusta l'art. 197 cpv. 1 lett. b CPP (consid. 1.4.2). L'art. 91a LCStr è un reato di evento. La fattispecie è realizzata in presenza di una resistenza attiva o passiva che impedisce, ossia rende definitivamente impossibile, l'accertamento affidabile dell'inabilità alla guida mediante i metodi di indagine previsti dalla legge. Non è al riguardo sufficiente il rifiuto di sottoporsi a test preliminari per il rilevamento di stupefacenti, poiché essi hanno unicamente un valore indicativo e non sono idonei a determinare con precisione la condizione medica dell'interessato al momento del controllo rispettivamente della guida (consid. 1.6.2 e 1.6.3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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