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Justizze. Art. 28 MWSTG

Bundesgericht

Holdinggesellschaft erwirbt Kunstwerke für Konzernausstellungen und Imagepflege: Vorsteuerabzug zulässig, da Nutzung im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit (Art. 28 Abs. 1 MWSTG)

BGE / ATF / DTF
BGE 142 II 488 · ATF 142 II 488 · DTF 142 II 488
Datum
29.08.2016
Geschäftsnummer
BGE 142 II 488
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 105 BGG Art. 130 BV Art. 58 DBG Art. 59 DBG Art. 1 MWSTG Art. 3 MWSTG Art. 7 MWSTG Art. 10 MWSTG Art. 11 MWSTG Art. 14 MWSTG Art. 18 MWSTG Art. 21 MWSTG Art. 22 MWSTG Art. 24 MWSTG Art. 28 MWSTG Art. 29 MWSTG Art. 30 MWSTG Art. 31 MWSTG Art. 32 MWSTG Art. 33 MWSTG Art. 38 MWSTG Art. 59 MWSTG Art. 113 MWSTG

Zusammenfassung

Eine Holdinggesellschaft mit Sitz in Graubünden erwarb zwischen 2007 und 2009 sieben Kunstwerke mit Mehrwertsteuerbelastung. Sie beantragte den Vorsteuerabzug sowie die Einlageentsteuerung für das Steuerjahr 2010, weil die Werke im Konzern zur Gebrauchsüberlassung an Tochtergesellschaften und zur Ausstellung am Hauptsitz dienten. Die Eidgenössische Steuerverwaltung lehnte dies ab und stellte Nachbelastungen fest. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte diese Entscheidung. Die Holdinggesellschaft erhob daraufhin Beschwerde beim Bundesgericht.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die Eidgenössische Steuerverwaltung zurück. Es entschied, dass die streitbetroffenen sieben Kunstwerke im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit der Holdinggesellschaft verwendet werden und daher der Vorsteuerabzug sowie die Einlageentsteuerung zulässig sind.

Die Kunstwerke werden zur Gebrauchsüberlassung an Tochtergesellschaften eingesetzt, um deren Gebäude aufzuwerten und für Personal, Kunden und kunstinteressierte Besucher ansprechend zu gestalten. Obwohl die Überlassung unentgeltlich erfolgte, stellt sie nach Art. 24 Abs. 2 MWSTG eine steuerbare Lieferung dar, da ein wirtschaftlicher Wert besteht, der unter unabhängigen Dritten vereinbart würde. Die Verleihgabung erfolgt im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit, da sie einen wirtschaftlichen Zweck verfolgt: Sie trägt zur vorteilhaften Wahrnehmung der Tochtergesellschaften in der Öffentlichkeit bei und verbessert das Image, was unmittelbar den Tochtergesellschaften und mittelbar auch der Muttergesellschaft zugutekommt. Zudem dient die Ausstellung der Kunstwerke am Hauptsitz der Imagepflege und Repräsentation – ein Zweck, der dem Sponsoring im Sportbereich vergleichbar ist und ebenfalls der allgemeinen unternehmerischen Tätigkeit zuzuordnen ist. Die Holdinggesellschaft betätigt sich als gemischte Holdinggesellschaft mit umfangreichen Geschäftsbereichen (Beteiligungen und Zentraleinkauf), weshalb sämtliche Aktivitäten grundsätzlich dem unternehmerischen Bereich zuzuordnen sind. Da die Eidgenössische Steuerverwaltung die Abzugsunfähigkeit der Vorsteuern nicht nachweisen konnte und keine vorinstanzlichen Feststellungen darüber vorliegen, ob die Anschaffung qualitativ oder quantitativ unangemessen sei, bleibt es bei der Einheit des Unternehmens nach Art. 10 Abs. 1 MWSTG.

Die Entscheidung beruht auf Art. 28 Abs. 1 MWSTG (Vorsteuerabzug), Art. 32 Abs. 1 MWSTG (Einlageentsteuerung), Art. 3 lit. h MWSTG (nahestehende Personen), Art. 24 Abs. 2 MWSTG (Entgeltbegriff), Art. 21 Abs. 2 Ziff. 16 MWSTG (steuerbare Lieferung), Art. 7 Abs. 1 lit. a MWSTG (Ort der Lieferung), Art. 130 Abs. 1 BV (Mehrwertsteuergrundlage) sowie zahlreichen weiteren MWSTG-Normen, die die Voraussetzungen der unternehmerischen Tätigkeit und des Vorsteuerabzugs regeln.

Das Bundesgericht stellte klar, dass die ESTV die Beweislast für die Abzugsunfähigkeit trägt und eine qualitative wie quantitative Prüfung unter Würdigung der Gesamtumstände vornehmen muss. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie die Einheit des Unternehmens stärkt und klare Kriterien für die Zuordnung von Kunstsammlungen zur unternehmerischen Tätigkeit aufstellt – insbesondere bei Holdinggesellschaften mit aktiver Imagepolitik.

Regeste

Art. 130 Abs. 1 BV; Art. 1 Abs. 1 und 2, Art. 10, Art. 28 ff. MWSTG; Art. 58 Abs. 1 lit. b, Art. 59 Abs. 1 DBG; Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs (hier: Erwerb von Kunstgegenständen). Der Vorsteuerabzug bedingt neben den formellen Voraussetzungen, dass die steuerpflichtige Person wirtschaftlich mit Vorsteuern belastet ist und diese "im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit" anfallen (E. 2.3). Die Kriterien der "unternehmerischen Tätigkeit" (MWSTG) und der "geschäftsmässigen Begründetheit" (DBG) sind betriebswirtschaftlich geprägt und weitgehend deckungsgleich (E. 3.6). Auch eine Kunstsammlung bildet grundsätzlich einen Bestandteil des Unternehmens im Sinne des Mehrwertsteuerrechts. Bestreitet die Eidgenössische Steuerverwaltung die Abzugsfähigkeit der Vorsteuern, hat sie dies nachzuweisen, wobei unter Würdigung der Gesamtumstände eine qualitative und quantitative Prüfung anzustellen ist (E. 3.7 und 3.8). Regeste Art. 130 al. 1 Cst.; art. 1 al. 1 et 2, art. 10, art. 28 ss LTVA; art. 58 al. 1 let. b, art. 59 al. 1 LIFD; conditions de déduction de l'impôt préalable (en l'occurrence sur l'acquisition d'objets d'art). Outre les conditions formelles, la déduction de l'impôt préalable nécessite que l'assujetti soit économiquement soumis à des impôts préalables et que ceux- ci échouent "dans le cadre de l'activité entrepreneuriale" (consid. 2.3). Les critères de "l'activité entrepreneuriale" (LTVA) et de "la justification par l'usage commercial" (LIFD) sont définis par leur caractère de gestion et se recoupent dans une large mesure (consid. 3.6). Une collection d'objets d'art constitue en principe également un élément de l'entreprise au sens de la taxe sur la valeur ajoutée. Dans la mesure où l'Administration fédérale des contributions conteste la déductibilité des impôts préalables, elle doit le démontrer en procédant à un examen qualitatif et quantitatif prenant en compte l'ensemble des circonstances (consid. 3.7 et 3.8). Regesto Art. 130 cpv. 1 Cost.; art. 1 cpv. 1 e 2, art. 10, art. 28 segg. LIVA; art. 58 cpv. 1 lett. b, art. 59 cpv. 1 LIFD; condizioni alle quali si può dedurre l'imposta precedente (nel caso concreto sull'acquisto di opere d'arte). Oltre alle esigenze formali, la deduzione dell'imposta precedente presuppone che il contribuente sia economicamente gravato d'imposte precedenti e che queste lo toccano "nell'ambito della sua attività imprenditoriale" (consid. 2.3). I criteri "dell'attività imprenditoriale" (LIVA) e degli "oneri giustificati dall'uso commerciale" (LIFD) rientrano nella sfera dell'economia aziendale e coincidono in larga misura (consid. 3.6). Anche una collezione di opere d'arte può, in linea di principio, far parte integrante di un'impresa ai sensi dell'imposta sul valore aggiunto. Nella misura in cui l'Amministrazione federale delle contribuzioni contesta la deducibilità delle imposte precedenti, essa deve dimostrarlo, procedendo ad un esame quantitativo e qualitativo che tiene conto dell'insieme delle circostanze (consid. 3.7 e 3.8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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