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Justizze. Art. 32e USG

Bundesgericht

Export von Filterasche in deutsche Untertagedeponie: Höherer Abgabesatz als für Reststoffdeponie zulässig, Sache wegen ungenügender Kostenermittlung zurückgewiesen (Art. 32e USG)

BGE / ATF / DTF
BGE 131 II 271 · ATF 131 II 271 · DTF 131 II 271
Datum
08.03.2005
Geschäftsnummer
BGE 131 II 271
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 27 BV Art. 127 BV Art. 191 BV Art. 18 FHA Art. 104 OG Art. 32e USG

Zusammenfassung

Die Sonderabfallverwertungs-AG (SOVAG) exportierte im Jahr 2001 insgesamt 24'407,805 Tonnen Filterasche aus Kehrichtverbrennungsrückständen zur Endlagerung in eine Untertagedeponie in Heilbronn, Deutschland. Das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) erhob gestützt auf Art. 3 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Abgabe zur Sanierung von Altlasten (VASA) eine Abgabe von Fr. 50.- pro Tonne. Die SOVAG beantragte die Reduktion auf den Satz für inländische Reststoffdeponien von Fr. 15.- pro Tonne und rügte eine Verletzung von Bundesrecht, der Wirtschaftsfreiheit sowie des Freihandelsabkommens mit der Europäischen Gemeinschaft. Nach Ablehnung der Verwaltungsbeschwerde durch das UVEK gelangte die SOVAG mit einer Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht hiess die Beschwerde gut und wies die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Vorinstanz zurück. Zwar bestätigte das Gericht, dass Art. 32e Abs. 2 USG die Einführung eines eigenen Abgabesatzes für Untertagedeponien mit genügender Bestimmtheit vorschreibt und eine Differenzierung gegenüber Reststoffdeponien aufgrund höherer Ablagerungskosten grundsätzlich zulässig ist. Auch eine Verletzung des Freihandelsabkommens oder der Wirtschaftsfreiheit wurde verneint, da die höhere Belastung sachlich durch die tatsächlichen Kostenunterschiede gerechtfertigt ist.

Entscheidend für die Aufhebung war jedoch die Verletzung des rechtlichen Gehörs gemäss Art. 9 BV. Die Vorinstanz hatte angenommen, das BUWAL habe die durchschnittlichen Ablagerungskosten von Fr. 500.- pro Tonne für Untertagedeponien korrekt ermittelt, ohne dies hinreichend zu prüfen. Das Bundesgericht stellte fest, dass der Wert von Fr. 500.- nicht nachvollziehbar begründet war, da Tarife der Deponie Herfa-Neurode nur für 1995 und 2000 vorlagen und für den massgeblichen Zeitraum 1998 unklar blieben. Zudem wurde auf die Ermittlung der Kosten bei der Deponie Heilbronn verzichtet, obwohl die Beschwerdeführerin dort durchschnittlich Fr. 200.- pro Tonne zahlte und Rechnungen aus den Jahren 1997 bis 1999 vorlegte. Der Beweisantrag der Beschwerdeführerin auf Edition weiterer Umfragedokumente des BUWAL wurde zu Unrecht abgewiesen.

Da das Bundesgericht diese Sachverhaltsfeststellungen nicht selbst vornehmen kann, musste die Sache zur neuen Beurteilung zurückgewiesen werden. Die Vorinstanz muss nun klären, ob die angenommenen Durchschnittskosten haltbar sind und ob allfällige Preisverzerrungen ausgeglichen wurden. Dabei bleibt die Beschwerdeführerin an ihr Anerkenntnis gebunden, mindestens den Satz für Reststoffdeponien von Fr. 15.- pro Tonne zu entrichten.

Regeste

Art. 3 Abs. 2 lit. a der Verordnung über die Abgabe zur Sanierung von Altlasten (VASA), Art. 30-32e USG; Abgabesatz für Abfallausfuhr in Untertagedeponie; akzessorische Normenkontrolle. Auslegung von Art. 32e Abs.1 und 2 USG: Rechtsnatur der Abgabe (E. 5.3); Untertagedeponie als Deponieart (E. 6); Begriff der durchschnittlichen Ablagerungskosten (E. 7); Gestaltungsspielraum des Verordnungsgebers bei der Festsetzung der Abgabehöhe (E. 7.3). Art. 32e Abs. 2 USG ermächtigt den Verordnungsgeber, die Abgabesätze für die Deponiearten gemäss den unterschiedlichen Ablagerungskosten abzustufen (E. 8.4). Zulässigkeit eines Abgabetarifs, der für Untertagedeponien einen höheren Abgabesatz als für Reststoffdeponien vorsieht (E. 8-10). Vereinbarkeit des Tarifs mit dem Freihandelsabkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft (E. 10.1-10.5). Frage der Anwendbarkeit des GATT/WTO- Übereinkommens offen gelassen (E. 10.6). Prüfung, ob die durchschnittlichen Ablagerungskosten bei der Untertagedeponie und der Reststoffdeponie vom Verordnungsgeber als Grundlage des Abgabetarifs genügend abgeklärt worden sind (E. 11); Verletzung des rechtlichen Gehörs durch Kognitionsbeschränkung der Vorinstanz (E. 11.7). Regeste Art. 3 al. 2 let. a de l'Ordonnance relative à la taxe pour l'assainissement des sites contaminés (OTAS), art. 30-32e LPE; taux de la taxe pour l'exportation de déchets en vue du stockage définitif en décharge souterraine; contrôle accessoire des normes. Interprétation de l'art. 32e al. 1 et 2 LPE: nature juridique de la taxe (consid. 5.3); décharge souterraine, considérée comme un type de décharge (consid. 6); notion du coût moyen du stockage définitif (consid. 7); marge laissée au Conseil fédéral, auteur de l'ordonnance, pour déterminer le montant de la taxe (consid. 7.3). L'art. 32e al. 2 LPE permet au Conseil fédéral de fixer les taux de taxation, pour les divers types de décharges, en fonction des différents coûts de stockage (consid. 8.4). Admissibilité d'un tarif pour les taxes qui prévoit, pour les décharges souterraines, un taux supérieur à celui appliqué aux décharges contrôlées pour résidus stabilisés (consid. 8-10). Compatibilité du tarif avec l'Accord de libre-échange entre la Confédération suisse et la Communauté économique européenne (consid. 10.1-10.5). Question de l'application de l'accord GATT/OMC laissée indécise (consid. 10.6). Contrôle de l'analyse, faite par le Conseil fédéral, des coûts moyens du stockage définitif en décharge souterraine et en décharge contrôlée pour résidus stabilisés, éléments qui sont à la base du tarif des taxes (consid. 11); violation du droit d'être entendu par l'autorité inférieure, à cause d'une limitation de son pouvoir d'examen (consid. 11.7). Regesto Art. 3 cpv. 2 lett. a dell'ordinanza sulla tassa per il risanamento dei siti contaminati (OTaRSi), art. 30-32e LPAmb; aliquota della tassa per l'esportazione di rifiuti in vista del loro deposito definitivo in una discarica sotterranea; controllo accessorio delle norme. Interpretazione dell'art. 32e cpv. 1 e 2 LPAmb: natura giuridica della tassa (consid. 5.3); discarica sotterranea come tipo di discarica (consid. 6); nozione di costo medio del deposito definitivo (consid. 7); margine d'apprezzamento lasciato al Consiglio federale, autore dell'ordinanza, nella fissazione dell'ammontare della tassa (consid. 7.3). L'art. 32e cpv. 2 LPAmb consente al Consiglio federale di fissare le aliquote della tassa per i diversi tipi di discarica a dipendenza dei differenti costi di deposito (consid. 8.4). Ammissibilità di una tariffa delle tasse che prevede per le discariche sotterranee un'aliquota maggiore rispetto alle discariche per sostanze residue (consid. 8-10). Compatibilità della tariffa con l'Accordo di libero scambio tra la Confederazione Svizzera e la Comunità economica europea (consid. 10.1-10.5). Questione dell'applicabilità dell'Accordo GATT/OMC lasciata indecisa (consid. 10.6). Esame del quesito di sapere se i costi medi del deposito definitivo per la discarica sotterranea e per la discarica per sostanze residue, quali basi della tariffa, siano stati sufficientemente accertati dal Consiglio federale (consid. 11); violazione del diritto di essere sentito dipendente dalla limitazione della cognizione dell'istanza inferiore (consid. 11.7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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