Genehmigung Gemeinsamer Tarif 4d: Festplatten sind vergütungspflichtige Leerträger, Abzug für legale Downloads, Inkrafttreten neu bestimmt (Art. 20, 46, 60 URG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 133 II 263 · ATF 133 II 263 · DTF 133 II 263
- Datum
- 19.06.2007
- Geschäftsnummer
- BGE 133 II 263
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Teilweise gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 97 OG Art. 98 OG Art. 99 OG Art. 104 OG Art. 105 OG Art. 19 URG Art. 20 URG Art. 38 URG Art. 46 URG Art. 47 URG Art. 55 URG Art. 60 URG Art. 74 URG Art. 5 VwVG
Zusammenfassung
Verwertungsgesellschaften reichten bei der Eidgenössischen Schiedskommission für die Verwertung von Urheberrechten einen Gemeinsamen Tarif 4d zur Genehmigung ein, der eine Vergütung auf digitalen Speichermedien wie Microchips oder Harddiscs in Audio- und audiovisuellen Aufnahmegeräten vorsieht. Gegen den Genehmigungsentscheid erhoben SWICO, DUN, vier Konsumentenschutzorganisationen sowie die Verwertungsgesellschaften selbst Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht. Die Nutzerorganisationen bestritten die gesetzliche Grundlage für fest eingebaute Speicher und die Angemessenheit der Berechnungsmethode, während die Verwertungsgesellschaften einen Abzug für legale Downloads beanstandeten. Die Konsumentenschutzorganisationen machten geltend, als massgebende Nutzerverbände am Verfahren beteiligt werden zu müssen.
Das Bundesgericht wies die Beschwerden der Konsumentenschutzorganisationen ab, da diese ihre Repräsentativität im Sinne von Art. 46 Abs. 2 URG vor der Vorinstanz nicht belegt hatten und neue Beweismittel unzulässig waren. In der Sache bestätigte das Gericht hingegen weitgehend den angefochtenen Entscheid. Es hielt fest, dass fest eingebaute Speichermedien (Harddiscs) gemäss Art. 20 Abs. 3 URG als Leerträger gelten, sofern sie primär zum Kopieren geschützter Werke dienen und nicht bloss nebenbei genutzt werden. Dabei stützte es sich auf eine teleologische Auslegung unter Berücksichtigung völkerrechtlicher Verpflichtungen.
Hinsichtlich der Tarifangemessenheit prüfte das Bundesgericht die Anwendung von Art. 60 URG mit Zurückhaltung. Es anerkannte den weiten Beurteilungsspielraum der Schiedskommission und befand, dass die gewählte Berechnungsmethode sowie die Quervergleiche mit anderen Tarifen sachgerecht waren. Bezüglich der von den Verwertungsgesellschaften gerügten Kürzung für legale Downloads stellte das Gericht klar, dass bei Downloads über DRM-Systeme eine doppelte Vergütung unzulässig ist, da die Rechteinhaber bereits über die individuelle Verwertungskette vollständig entschädigt werden. Dies entspricht dem Zweck der kollektiven Vergütung für privaten Gebrauch.
Da der Tarif während des Verfahrens aufgrund aufschiebender Wirkung nicht angewendet wurde, bestimmte das Bundesgericht gestützt auf Art. 114 Abs. 2 OG das Inkrafttreten und die Geltungsdauer selbst neu, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. Der Tarif tritt mit Beginn des zweiten Monats nach Rechtskraft des Urteils in Kraft und gilt für maximal 22 Monate, was einem Ausgleich für die verfahrensbedingten Ausfälle dient, ohne gegen das Verschlechterungsverbot zu verstossen.
Regeste
Art. 19, 20, 46, 60 und 74 URG; Genehmigung des Gemeinsamen Tarifs 4d (Vergütung auf digitalen Speichermedien wie Microchips oder Harddiscs in Audio- und audiovisuellen Aufnahmegeräten). Zulässigkeit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde an das Bundesgericht gegen den Genehmigungsentscheid der Schiedskommission (E. 2). Kognition des Bundesgerichts (E. 4 und 8.2-8.4). Handelt es sich bei den Konsumentenschutzorganisationen um massgebende Nutzerverbände, die in die Tarifverhandlungen einzubeziehen sind (E. 5)? Gesetzliche Grundlage für eine urheberrechtliche Vergütung durch einen Gemeinsamen Tarif für dauerhaft in einem Aufnahmegerät eingebaute Speicher sowie austauschbare Speicher- oder Chipkarten (E. 7). Grundsatz der Angemessenheit eines Tarifs (E. 8.1). Überprüfung der Angemessenheit des Gemeinsamen Tarifs 4d (E. 9 und 10). Inkraftsetzung und Geltungsdauer des Gemeinsamen Tarifs 4d (E. 11). Regeste Art. 19, 20, 46, 60 et 74 LDA; approbation du tarif commun 4d (redevance sur les supports de mémoire numériques type micropuces ou disques durs pour appareils enregistreurs audio et vidéo). Recevabilité du recours de droit administratif au Tribunal fédéral à l'encontre de la décision d'approbation de la Commission arbitrale (consid. 2). Pouvoir d'examen du Tribunal fédéral (consid. 4 et 8.2-8.4). Les organismes de défense des consommateurs sont-ils des associations représentatives des utilisateurs, qui ont le droit de participer à la négociation des tarifs (consid. 5)? Base légale pour percevoir une redevance au titre du droit d'auteur par le biais d'un tarif commun applicable tant aux supports de données intégrés de manière permanente dans un appareil enregistreur qu'aux supports amovibles tels que les cartes mémoire et les cartes à puce (consid. 7). Principe de l'équité d'un tarif (consid. 8.1). Examen du tarif commun 4d sous l'angle de l'équité (consid. 9 et 10). Mise en vigueur et durée de validité du tarif commun 4d (consid. 11). Regesto Art. 19, 20, 46, 60 e 74 LDA; approvazione della tariffa comune 4d (tassa sui supporti di memorizzazione digitale come microchip oppure hard disk per apparecchi registratori audio e audiovisivi). Ammissibilità del ricorso di diritto amministrativo al Tribunale federale contro la decisione d'approvazione della Commissione arbitrale (consid. 2). Potere d'esame del Tribunale federale (consid. 4 e 8.2-8.4). Le organizzazioni di difesa dei consumatori sono associazioni di rappresentanza degli utenti che devono essere coinvolte nella negoziazione delle tariffe (consid. 5)? Base legale per riscuotere una tassa per i diritti d'autore mediante una tariffa comune applicabile sia ai supporti di dati integrati in modo permanente in un apparecchio registratore sia a quelli amovibili quali le carte memoria e le microchip (consid. 7). Principio dell'adeguatezza di una tariffa (consid. 8.1). Esame dell'adeguatezza della tariffa comune 4d (consid. 9 e 10). Messa in vigore e durata di validità della tariffa comune 4d (consid. 11).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.