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Justizze. Art. 12 AHVG

Bundesgericht

Uber-Fahrer in der Schweiz gelten als unselbstständig erwerbstätig: Weisungsabhängigkeit und fehlendes Unternehmerrisiko führen zur Beitragspflicht der Uber B.V. (Art. 12 Abs. 1 AHVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 149 V 57 · ATF 149 V 57 · DTF 149 V 57
Datum
16.02.2023
Geschäftsnummer
9C_70/2022
Abteilung
III. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 1a AHVG Art. 3 AHVG Art. 5 AHVG Art. 6 AHVG Art. 8 AHVG Art. 9 AHVG Art. 12 AHVG Art. 13 AHVG Art. 14 AHVG Art. 41bis AHVV Art. 143 AHVV Art. 11 ATSG Art. 28 ATSG Art. 49 ATSG Art. 93 BGG Art. 8 BV Art. 27 BV

Zusammenfassung

Die Ausgleichskasse des Kantons Zürich und die Uber B.V. streiten über die sozialversicherungsrechtliche Qualifikation der UberX-, UberBlack-, UberVan- und UberGreen-Fahrer im Jahr 2014. Die Kasse vertritt die Auffassung, die Fahrer seien unselbstständig erwerbstätig und die Uber B.V. daher beitragspflichtiger Arbeitgeber. Die Uber B.V. bestreitet dies und behauptet, die Fahrer seien selbstständig erwerbstätig. Streitig ist ferner, ob die Uber B.V. in der Schweiz eine Betriebsstätte hat und ob die Kasse die Beiträge schätzungsweise festsetzen durfte.

Das Bundesgericht entschied, dass die UberX-, UberBlack-, UberVan- und UberGreen-Fahrer im Jahr 2014 unselbstständig erwerbstätig waren und die Uber B.V. daher als ihr Arbeitgeber im Sinne von Art. 12 Abs. 1 AHVG anzusehen ist. Dies ergibt sich aus der umfangreichen Weisungsabhängigkeit der Fahrer gegenüber der Uber B.V., die über die App ausgeübt wird: Die Uber B.V. gibt mittels Bewertungssystem, vorgegebener Wegstrecke, Empfehlungen zur Wartezeit und Kontrolle über GPS konkrete Anweisungen vor, deren Nichteinhaltung mit Deaktivierung der App sanktioniert wird. Zudem trägt der Fahrer kein Unternehmerrisiko, da er keine erheblichen Investitionen tätigen muss und seine Aufträge ausschließlich über die Uber-App vermittelt erhält. Die Uber B.V. richtet zudem die Löhne direkt an die Fahrer aus. Ferner stellte das Bundesgericht fest, dass die Uber B.V. seit 2014 eine Betriebsstätte in der Schweiz hat, nämlich die Räumlichkeiten der Uber Switzerland GmbH an der Badenerstrasse 565a in Zürich, weil sie dort über Verfügungsmacht verfügt und sich ihre Geschäftstätigkeit – insbesondere die Registrierung, Schulung und Betreuung der Fahrer – mindestens teilweise abspielt. Damit ist die Uber B.V. gemäß Art. 12 Abs. 2 AHVG beitragspflichtig. Die Ausgleichskasse durfte die Beiträge für das Jahr 2014 schätzungsweise festsetzen, weil die Uber B.V. trotz Mahnung keine Angaben zu den Fahrern und ihren Löhnen machte; die Schätzung war sachgerecht und beruhte auf öffentlich zugänglichen Daten und Interviews. Der Vorwurf der Uber B.V., die Kasse verletze den Gleichbehandlungsgrundsatz, wurde zurückgewiesen, weil die vorliegenden Verhältnisse sich wesentlich von denjenigen in früheren Urteilen unterscheiden, in denen selbstständige Erwerbstätigkeit bejaht wurde. Die Gerichtskosten von Fr. 32'000.- werden der Uber B.V. auferlegt, da sie mit sämtlichen Anträgen unterliegt. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es die Plattformarbeit systematisch an den etablierten Kriterien für unselbstständige Erwerbstätigkeit misst und dabei die strukturelle Abhängigkeit der Fahrer von der Plattform als entscheidend ansieht.

Regeste

Art. 5 und 8 f., Art. 12 Abs. 2 AHVG; Abgrenzung selbstständige und unselbstständige Erwerbstätigkeit; Beitragspflicht der Arbeitgeberin mit Sitz im Ausland und Betriebsstätte in der Schweiz. UberX-, UberBlack-, UberVan- und UberGreen-Fahrer üben eine unselbstständige Erwerbstätigkeit für die Uber B.V. aus (E. 7 und 9.2). Als Betriebsstätte im sozialversicherungsrechtlichen Sinne gelten ständige Anlagen und Einrichtungen, in denen Arbeitskräfte tätig sind bzw. die Geschäftstätigkeit ganz oder teilweise ausgeübt wird (E. 10.4). Im Unterschied zum Steuerrecht muss es sich nicht um einen qualitativ oder quantitativ wesentlichen Teil der Geschäftstätigkeit handeln, sondern reicht eine Geschäftstätigkeit von nebensächlichem wirtschaftlichem Wert (E. 10.5). Für die Frage, wann Anlagen und Einrichtungen einem Arbeitgebenden zuzurechnen sind, ist analog zum Steuerrecht die Verfügungsmacht entscheidend, wobei eine solche faktischer Natur genügt (E. 10.6). Die Uber B.V. ist gestützt auf Art. 12 Abs. 2 AHVG beitragspflichtig, weil die von ihr vorgesehene Anlaufstelle für die Fahrer in den Räumlichkeiten der Uber Switzerland GmbH als Betriebsstätte zu qualifizieren ist (E. 10.8 und 10.9). Regeste Art. 5 et 8 s., art. 12 al. 2 LAVS; délimitation entre activité lucrative indépendante et activité lucrative dépendante; obligation de cotiser de l'employeur ayant son siège à l'étranger et un établissement stable en Suisse. Les chauffeurs UberX, UberBlack, UberVan et UberGreen exercent une activité lucrative dépendante pour Uber B.V. (consid. 7 et 9.2). Sont considérés comme établissements stables au sens du droit des assurances sociales les installations et équipements permanents dans lesquels la main-d'oeuvre est active, respectivement où l'activité commerciale est exercée en tout ou en partie (consid. 10.4). A la différence du droit fiscal, il ne doit pas s'agir d'une partie qualitativement ou quantitativement importante de l'activité commerciale; il suffit que l'activité commerciale ait une valeur économique accessoire (consid. 10.5). Par analogie avec le droit fiscal, c'est le pouvoir de disposition qui est déterminant pour savoir quand des installations et des équipements doivent être attribués à un employeur, un tel pouvoir de nature factuelle étant suffisant (consid. 10.6). Uber B.V. est soumise à l'obligation de cotiser en vertu de l'art. 12 al. 2 LAVS, parce que le point de contact qu'elle prévoit pour les chauffeurs dans les locaux d'Uber Switzerland GmbH doit être qualifié d'établissement stable (consid. 10.8 et 10.9). Regesto Art. 5 e 8 seg., art. 12 cpv. 2 LAVS; delimitazione dell'attività lucrativa indipendente e di quella dipendente; obbligo di versamento dei contributi da parte del datore di lavoro con sede all'estero e stabilimento d'impresa in Svizzera. Gli autisti di UberX, UberBlack, UberVan e UberGreen esercitano un'attività lucrativa dipendente per Uber B.V. (consid. 7 e 9.2). Sono considerati stabilimenti d'impresa nel senso del diritto delle assicurazioni sociali le installazioni e le strutture permanenti in cui la manodopera è attiva, rispettivamente in cui l'attività d'impresa è esercitata in tutto o in parte (consid. 10.4). Diversamente da quanto previsto dal diritto fiscale, non è necessario che sia una parte qualitativamente o quantitativamente significativa dell'attività commerciale; è sufficiente che l'attività commerciale abbia un valore economico accessorio (consid. 10.5). Per analogia con il diritto fiscale, per stabilire quando le installazioni e le strutture devono essere attribuite a un datore di lavoro è decisivo il potere di disposizione, dove è sufficiente un potere di natura fattuale (consid. 10.6). Uber B.V. è tenuta a pagare i contributi conformemente all'art. 12 cpv. 2 LAVS, perché il punto di contatto che mette a disposizione degli autisti nei locali di Uber Switzerland GmbH deve essere qualificato come stabilimento d'impresa (consid. 10.8 e 10.9).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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