Steuerabzug für Säule 3a verweigert: Kein Abzug ohne AHV-Pflicht trotz Wohnsitz in der Schweiz (Art. 33 Abs. 1 lit. e DBG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 140 II 364 · ATF 140 II 364 · DTF 140 II 364
- Datum
- 23.06.2014
- Geschäftsnummer
- BGE 140 II 364
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 1a AHVG Art. 6 AHVG Art. 5 BVG Art. 82 BVG Art. 1 BVV Art. 1j BVV Art. 7 BVV Art. 25 DBG Art. 33 DBG Art. 2 FZA Art. 9 StHG
Zusammenfassung
Ein Ehepaar mit Wohnsitz in der Schweiz, dessen Ehemann als deutscher Staatsangehöriger in Frankreich für einen deutschen Arbeitgeber tätig war, beantragte den steuerlichen Abzug seiner Beiträge zur gebundenen Vorsorge Säule 3a. Die kantonalen Steuerbehörden und das Verwaltungsgericht verweigerten den Abzug für die Jahre 2005 und 2006, da der Ehemann in der Schweiz nicht der AHV-Pflicht unterstand. Das Ehepaar focht diese Entscheide vor dem Bundesgericht an und machte geltend, die Verweigerung verstosse gegen das Freizügigkeitsabkommen (FZA) sowie gegen das Gleichbehandlungsgebot.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte, dass der steuerliche Abzug von Beiträgen zur Säule 3a nur Personen zusteht, die der schweizerischen AHV-Pflicht unterstehen.
Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. e DBG i.V.m. Art. 82 und Art. 5 Abs. 1 BVG ist die Berechtigung zur Einzahlung in die Säule 3a an die Versicherungspflicht in der AHV geknüpft. Da der Beschwerdeführer seinen Arbeitsort in Frankreich hatte, unterlag er gemäss dem Erwerbsortprinzip (Art. 1a AHVG) nicht der AHV-Pflicht in der Schweiz, obwohl er dort Wohnsitz hatte. Folglich fehlte ihm die Grundlage für eine anerkannte Vorsorgeform nach Art. 1 Abs. 1 BVV 3 und er konnte keinen Abzug nach Art. 7 BVV 3 geltend machen. Dasselbe Ergebnis ergab sich aus dem StHG (Art. 9 Abs. 2 lit. e StHG).
Die Rügen betreffend das Freizügigkeitsabkommen wurden verworfen. Die Säule 3a fällt nicht unter das System der sozialen Sicherheit nach Art. 8 und Anhang II FZA, da es sich um Individualvorsorge und nicht um gesetzliche oder ergänzende kollektive Systeme handelt. Zudem greift das Diskriminierungsverbot von Art. 9 Anhang I FZA nur zugunsten von Arbeitnehmern, die im Aufenthaltsstaat (hier Schweiz) erwerbstätig sind. Der Beschwerdeführer war in der Schweiz jedoch nicht erwerbstätig, sondern besass lediglich eine Aufenthaltsbewilligung nach Art. 24 Anhang I FZA.
Schliesslich stellte die Regelung auch keine mittelbare Diskriminierung nach Art. 2 FZA dar. Das Kriterium der AHV-Pflicht knüpft an den Ort der Erwerbstätigkeit an, was ein neutrales Merkmal ist. Sowohl Schweizer als auch Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz und Arbeitsort im Ausland sind gleichermassen vom Abzug ausgeschlossen. Es lag daher weder eine unmittelbare noch eine mittelbare Ungleichbehandlung aufgrund der Staatsangehörigkeit vor.
Regeste
Art. 111 BV; Art. 25, 33 Abs. 1 lit. e DBG; Art. 1a, 6 AHVG; Art. 5 Abs. 1, Art. 82, 89a, 89b BVG; Art. 1j Abs. 1 lit. a BVV 2; Art. 1, 7 BVV 3; Art. 9 Abs. 2 lit. e StHG; Art. 2, 8, 16 Abs. 1 und 2 FZA, Art. 9 Abs. 1 und 2, Art. 24 Anh. I FZA; Anh. II FZA; Art. 18, 45 AEUV; Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni 1971; Art. 7 Verordnung (EWG) Nr. 1612/68 des Rates vom 15. Oktober 1968 über die Freizügigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der Gemeinschaft; Zulässigkeit steuerlicher Abzüge der jährlichen Beiträge der Säule 3a von in der Schweiz Wohnenden und im Ausland Arbeitenden. Den jährlichen Beitrag für die Säule 3a kann nach DBG nur steuerlich abziehen, wer der AHV-Pflicht unterstellt ist (E. 2); dasselbe gilt nach dem StHG (E. 3). Die Säule 3a unterliegt nicht dem System der sozialen Sicherheit nach Art. 8 und Anh. II FZA (E. 4). Das Diskriminierungsverbot von Art. 9 Anh. I FZA bezieht sich nur auf Arbeitnehmer und nicht auf solche Personen, die im Aufnahmestaat (d.h. in casu in der Schweiz) nur Wohnsitz nehmen (E. 5). Die Regelung, wonach der jährliche Beitrag für die Säule 3a nur für denjenigen steuerlich abziehbar ist, der der AHV-Pflicht unterstellt ist, stellt weder eine unmittelbare noch eine mittelbare Diskriminierung i.S. von Art. 2 FZA dar (E. 6). Regeste Art. 111 Cst.; art 25, 33 al. 1 let. e LIFD; art. 1a, 6 LAVS; art. 5 al. 1, art. 82, 89a, 89b LPP; art. 1j al. 1 let. a OPP 2; art. 1, 7 OPP 3; art. 9 al. 2 let. e LHID; art. 2, 8, 16 al. 1 et 2 ALCP, art. 9 al. 1 et 2, art. 24 annexe I ALCP; annexe II ALCP; art. 18, 45 TFUE; règlement (CEE) n° 1408/71 du Conseil du 14 juin 1971; art. 7 règlement (CEE) n° 1612/68 du Conseil du 15 octobre 1968 sur la liberté de circulation des travailleurs dans la Communauté; admissibilité des déductions fiscales des montants annuels versés au 3 e pilier a par des personnes domiciliées en Suisse et travaillant à l'étranger. Selon la LIFD, seul celui qui est assuré obligatoirement à l'AVS peut déduire fiscalement le montant annuel versé au 3 e pilier a (consid. 2); il en est de même selon la LHID (consid. 3). Le 3 e pilier a ne fait pas partie du système de sécurité sociale selon l'art. 8 et l'annexe II ALCP (consid. 4). L'interdiction de discrimination de l'art. 9 annexe I ALCP se rapporte seulement aux travailleurs et non aux personnes qui ont seulement leur domicile dans l'Etat d'accueil (ici la Suisse; consid. 5). La réglementation selon laquelle le montant annuel versé au 3 e pilier a n'est déductible fiscalement que par celui qui est assuré obligatoirement à l'AVS ne constitue ni une discrimination indirecte, ni directe, au sens de l'art. 2 ALCP (consid. 6). Regesto Art. 111 Cost.; art. 25, 33 cpv. 1 lett. e LIFD; art. 1a, 6 LAVS; art. 5 cpv. 1, art. 82, 89a, 89b LPP; art. 1j cpv. 1 lett. a OPP 2; art. 1, 7 OPP 3; art. 9 cpv. 2 lett. e LAID; art. 2, 8, 16 cpv. 1 e 2 ALC, art. 9 cpv. 1 e 2, art. 24 Allegato I ALC; Allegato II ALC; art. 18, 45 TFUE; regolamento (CEE) n.1408/71 del Consiglio del 14 giugno 1971; art. 7 regolamento (CEE) n. 1612/68 del Consiglio del 15 ottobre 1968 relativo alla libera circolazione dei lavoratori all'interno della Comunità; ammissibilità della deduzione fiscale degli importi annuali versati al pilastro 3a da persone che sono domiciliate in Svizzera e che lavorano all'estero. Ai sensi della LIFD solo chi è assoggettato all'AVS può dedurre fiscalmente l'importo annuale versato al pilastro 3a (consid. 2); lo stesso dicasi per quanto riguarda la LAID (consid. 3). Il pilastro 3a non fa parte del sistema della sicurezza sociale dell'art. 8 e Allegato II ALC (consid. 4). Il divieto di discriminazione di cui all'art. 9 Allegato I ALC si riferisce unicamente ai lavoratori e non alle persone che nello Stato ospitante (in casu: la Svizzera) possiedono soltanto il loro domicilio (consid. 5). La regolamentazione secondo la quale l'importo annuale versato al pilastro 3a può essere dedotto fiscalmente soltanto da chi è assoggettato all'AVS non costituisce una discriminazione indiretta né diretta ai sensi dell'art. 2 ALC (consid. 6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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