Justizze.

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Justizze. Art. 42 MWSTG

Bundesgericht

Kunstgesellschaft mit Sitz auf Kanalinseln vermietet Sammlung an wirtschaftlich Berechtigten mit Schweizer Wohnsitz: Steuerumgehung bei Vorsteuerabzug für Einfuhrsteuern festgestellt (Art. 10 MWSTG, Art. 28 MWSTG, Art. 42 Abs. 6 MWSTG)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 233 · ATF 148 II 233 · DTF 148 II 233
Datum
10.12.2021
Geschäftsnummer
2C_263/2020
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 9 BV Art. 10 MWSTG Art. 21 MWSTG Art. 28 MWSTG Art. 42 MWSTG Art. 43 MWSTG Art. 112 MWSTG

Zusammenfassung

Eine britische Kanalinsel-Gesellschaft mit Sitz auf U.________, deren wirtschaftlich Berechtigter in der Schweiz wohnte, importierte Kunstwerke in die Schweiz und vermietete sie gegen ein Mietentgelt von 5 % ihres Wertes an diesen. Sie hatte sich mittels Unterstellungserklärung Ausland als mehrwertsteuerpflichtig registrieren lassen und deklarierte erhebliche Vorsteuerüberschüsse aus den Einfuhrsteuern. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) stellte fest, dass die Gesellschaft mangels subjektiver Steuerpflicht infolge Steuerumgehung zu Unrecht im Mehrwertsteuerregister eingetragen war, und forderte Mehrwertsteuern für die Perioden 2009 bis 2015 nach. Die Gesellschaft bestritt dies und führte Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, das diese abwies. Dagegen erhob die Gesellschaft Beschwerde beim Bundesgericht.

Das Bundesgericht stellte fest, dass die Gestaltung der Gesellschaft eine Steuerumgehung darstellt, weil die Vermietung der Kunstwerke an den wirtschaftlich Berechtigten hauptsächlich dessen private Lebensbedürfnisse befriedigte und die Unterstellungserklärung Ausland keinerlei wirtschaftlichen Beweggründen entsprach, sondern ausschliesslich dem Zweck diente, den Vorsteuerabzug für die Einfuhrsteuern geltend zu machen. Damit war die Gesellschaft nach Art. 10 Abs. 1 MWSTG (neues Recht) und Art. 21 Abs. 1 MWSTG 1999 (altes Recht) nicht mehrwertsteuerpflichtig, und der Anspruch auf Vorsteuerabzug nach Art. 28 Abs. 1 MWSTG entfiel. Der Grundsatz von Treu und Glauben nach Art. 9 BV stand der Annahme einer Steuerumgehung nicht entgegen, da weder die Kontrolle der ESTV im Jahr 2004 noch die sogenannte 'Bewilligung' der Unterstellungserklärung Ausland im Jahr 2003 ein schützenswertes Vertrauen begründeten. Hinsichtlich der Verjährung stellte das Bundesgericht fest, dass die Steuerforderung für die Periode 2010 nach Art. 42 Abs. 6 MWSTG verjährt war, während die Forderung für 2009 nach Art. 112 Abs. 1 MWSTG und Art. 4 Abs. 4 MWSTG 1999 noch nicht verjährt war. Die Beschwerde wurde daher teilweise gutgeheissen und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts für die Steuerperiode 2010 aufgehoben, im Übrigen abgewiesen. Die Gesellschaft trägt die Gerichtskosten von Fr. 24'000.--, erhält aber eine Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- aus der Bundesgerichtskasse, da die teilweise Gutheissung auf den während des Verfahrens eingetretenen Verjährungseintritt zurückzuführen ist. Diese Entscheidung präzisiert die Anwendung des Steuerumgehungstatbestands bei rein privaten Vermietungsgestaltungen über Kapitalgesellschaften und klärt die Grenzen des Vertrauensschutzes bei administrativen Praktiken wie der Unterstellungserklärung Ausland.

Regeste

Art. 7 und 10 MWSTG 2009; Art. 13 und 21 MWSTG 1999; Art. 8 Abs. 1 MWSTV 2009; Inlandsbezug der unternehmerischen Tätigkeit; Unterstellungserklärung Ausland; Steuerumgehung. Nach altem (MWSTG 1999) wie nach neuem Mehrwertsteuerrecht (MWSTG 2009) setzt die subjektive Inlandsteuerpflicht voraus, dass die unternehmerische Tätigkeit einen genügenden Zusammenhang mit dem Inland aufweist (E. 4-5.1). Wird dieser Inlandsbezug künstlich hergestellt, um in den Genuss des Vorsteuerabzugs für Einfuhrsteuern zu kommen, kann die Gestaltung eine Steuerumgehung bedeuten (E. 5.2-5.4). Wenn die ESTV die Gestaltung bei einer Kontrolle nicht beanstandet, begründet dies alleine noch keinen Anspruch auf Vertrauensschutz für die Zukunft (E. 5.5.1 und 5.5.2). Auch die Bestätigung der Unterstellungserklärung Ausland, welche die ESTV nicht im Rahmen eines gesetzlich geordneten Bewilligungsverfahrens, sondern alleine gestützt auf eine Verwaltungspraxis erteilt hatte, steht der Annahme einer Steuerumgehung nicht entgegen (E. 5.5.3). Regeste Art. 7 et 10 LTVA 2009; art. 13 et 21 LTVA 1999; art. 8 al. 1 OTVA 2009; lien de l'activité entrepreneuriale avec le territoire suisse; déclaration d'engagement à l'étranger; évasion fiscale. Selon l'ancien (LTVA 1999) comme selon le nouveau droit de la TVA (LTVA 2009), l'assujettissement subjectif à l'impôt grevant les opérations réalisées sur le territoire suisse présuppose que l'activité entrepreneuriale présente un lien de rattachement suffisant avec le territoire suisse (consid. 4-5.1). Si ce lien avec le territoire suisse est créé artificiellement afin de bénéficier de la déduction de l'impôt préalable pour les impôts sur les importations, ce montage peut constituer une évasion fiscale (consid. 5.2-5.4). Si l'AFC ne conteste pas un tel montage lors d'un contrôle, cela ne fonde pas, en soi, un droit à la protection de la bonne foi pour l'avenir (consid. 5.5.1 et 5.5.2). La confirmation de la déclaration d'engagement à l'étranger, que l'AFC n'avait pas délivrée dans le cadre d'une procédure d'autorisation ordonnée par la loi mais uniquement sur la base d'une pratique administrative, ne s'oppose pas non plus à l'hypothèse d'une évasion fiscale (consid. 5.5.3). Regesto Art. 7 e 10 LIVA 2009; art. 13 e 21 LIVA 1999; art. 8 cpv. 1 OIVA 2009; legame dell'attività imprenditoriale con il territorio svizzero; dichiarazione di adesione all'estero; evasione fiscale. Sia secondo il previgente (LIVA 1999) che in virtù dell'attuale diritto in materia d'imposta sul valore aggiunto (LIVA 2009), l'assoggettamento soggettivo all'imposta sul territorio svizzero presuppone che l'attività imprenditoriale abbia un legame sufficiente con il territorio svizzero (consid. 4-5.1). Se questo legame è creato in maniera artificiale al fine di beneficiare della deduzione dell'imposta precedente per le imposte sull'importazione, questa operazione può costituire un'evasione fiscale (consid. 5.2-5.4). Se l'AFC non contesta una simile operazione nel corso di un controllo, ciò non implica ancora, di per sé, un diritto alla protezione della buona fede per il futuro (consid. 5.5.1 e 5.5.2). La conferma della dichiarazione di adesione all'estero, che non è stata rilasciata dall'AFC nell'ambito della procedura di autorizzazione disciplinata dalla legge bensì unicamente sulla base di una prassi amministrativa, non si oppone all'ammissione di un'evasione fiscale (consid. 5.5.3).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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