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Justizze. Art. 21 aMWSTG

Bundesgericht

Flugzeughaltergesellschaft beansprucht Vorsteuerabzug für gemischte Nutzung: Klärung erforderlich, ob private Nutzung über 20 % liegt und ob Flüge des wirtschaftlich Berechtigten geschäftlich begründet sind (Art. 21 Abs. 1 aMWSTG, Art. 41 Abs. 1 aMWSTG, Art. 49 Abs. 4 aMWSTG)

BGE / ATF / DTF
BGE 149 II 53 · ATF 149 II 53 · DTF 149 II 53
Datum
15.12.2022
Geschäftsnummer
2C_217/2022
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 112 MWSTG Art. 21 aMWSTG Art. 41 aMWSTG Art. 49 aMWSTG

Zusammenfassung

Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) erhob Beschwerde gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das zugunsten der A.________ AG entschieden hatte. Streitgegenstand war der Vorsteuerabzug der Gesellschaft für die Nutzung eines eigenen Flugzeugs in den Steuerperioden 2006 bis 2009. Die ESTV rügte, das Bundesverwaltungsgericht habe den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt, insbesondere bei der Beurteilung der geschäftlichen oder privaten Zweckbestimmung von Flügen des wirtschaftlich Berechtigten und nicht identifizierter Dritter. Die A.________ AG vertrat die Auffassung, ihr Flugzeug sei überwiegend geschäftlich genutzt worden und sie habe zu Recht Vorsteuern abgezogen.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts für die Steuerperioden 2007 bis 2009 auf und verwies die Sache zur Sachverhaltsergänzung zurück. Es stellte fest, dass die Vorinstanz nicht hinreichend geklärt hatte, in welchem Umfang die Nutzung des Flugzeugs durch den wirtschaftlich Berechtigten und nicht identifizierte Dritte geschäftlichen oder privaten Zwecken diente. Nach der Rechtsprechung ist eine private Nutzung über 20 Prozent unschädlich; darüber hinaus fällt die gesamte private Nutzung aus dem Anwendungsbereich der Mehrwertsteuer und berechtigt nicht zum Vorsteuerabzug. Da die Vorinstanz nicht feststellte, ob die private Nutzung diesen Schwellenwert überschritt, fehlten entscheidende Tatsachen. Zudem stellte das Bundesgericht von Amtes wegen fest, dass die Steuerperiode 2006 verjährt ist, weil die absolute Verjährungsfrist nach Art. 49 Abs. 4 aMWSTG abgelaufen war. Die Gerichtskosten wurden hälftig verteilt, da die ESTV zwar kassatorisch obsiegte, aber materiell nur beschränkt durchdrang. Die A.________ AG erhielt eine reduzierte Parteientschädigung. Diese Entscheidung präzisiert die Voraussetzungen für den Vorsteuerabzug bei Flugzeughaltergesellschaften und unterstreicht die Bedeutung der konkreten Feststellung des Nutzungsverhältnisses.

Regeste

Art. 21 Abs. 1 und Art. 38 Abs. 1 aMWSTG; subjektive Steuerpflicht und Vorsteuerabzugsberechtigung von Flugzeug-Eigentümergesellschaften; Steuerumgehung; Praxisänderung. Bei Flugzeug-Eigentümergesellschaften ist zunächst zu prüfen, ob die Gesellschaft subjektiv steuerpflichtig ist und inwieweit ihre Leistungen als gewerbliche Tätigkeit gelten können, die zum Vorsteuerabzug berechtigt, bevor sich die Frage der Steuerumgehung stellt (Praxisänderung; E. 5). Befördert die Gesellschaft den wirtschaftlich Berechtigten oder ihm nahe stehende Personen zu privaten Zwecken, stellt dies grundsätzlich keine gewerbliche Tätigkeit dar. In Anlehnung an die aktuelle Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung bleibt eine solche private Nutzung jedoch unschädlich, wenn sie 20 % der Gesamtnutzung des Flugzeugs nicht übersteigt (E. 6.2). Daraus resultiert kein Widerspruch zur "weiten Auslegung" des Tatbestandes der subjektiven Mehrwertsteuerpflicht und zum Postulat der Wettbewerbsneutralität (E. 6.3). Anwendung dieser Grundsätze auf den konkreten Fall (E. 6.4-6.6). Regeste Art. 21 al. 1 et art. 38 al. 1 aLTVA; assujettissement subjectif et droit à la déduction de l'impôt préalable des sociétés propriétaires d'avions; évasion fiscale; changement de pratique. Avant de se poser la question de l'évasion fiscale, s'agissant de sociétés propriétaires d'avions, il faut d'abord examiner si la société est assujettie subjectivement à l'impôt et dans quelle mesure ses prestations peuvent être considérées comme une activité commerciale donnant droit à la déduction de l'impôt préalable (changement de pratique; consid. 5). Si la société transporte son ayant droit économique ou des personnes qui lui sont proches à des fins privées, cela ne constitue en principe pas une activité commerciale. Sur la base de la pratique actuelle de l'Administration fédérale des contributions, une telle utilisation privée est toutefois tolérée si elle ne dépasse pas 20 % de l'utilisation totale de l'avion (consid. 6.2). Il n'en résulte aucune contradiction avec "l'interprétation large" des faits constitutifs de l'assujettissement subjectif à la TVA et avec le postulat de la neutralité concurrentielle (consid. 6.3). Application de ces principes au cas d'espèce (consid. 6.4-6.6). Regesto Art. 21 cpv. 1 e art. 38 cpv. 1 vLIVA; assoggettamento soggettivo e diritto alla deduzione dell'imposta precedente di società proprietarie di aerei; evasione fiscale; cambiamento di prassi. Prima di porsi la questione dell'evasione fiscale, nel caso di una società proprietaria di aerei bisogna esaminare innanzitutto se essa è assoggettata soggettivamente all'imposta e in quale misura le sue prestazioni possono essere considerate come un'attività commerciale, che dà diritto alla deduzione dell'imposta precedente (cambiamento di prassi; consid. 5). Il trasporto da parte della società del suo avente diritto economico o di persone che gli sono vicine a scopi privati non costituisce di principio un'attività commerciale. In accordo con la prassi attuale dell'Amministrazione federale delle contribuzioni, una simile utilizzazione privata è tuttavia tollerata se non oltrepassa il 20 % dell'uso totale dell'aereo (consid. 6.2). Da ciò non risulta nessuna contraddizione con "l'interpretazione estesa" dei fatti costitutivi dell'assoggettamento soggettivo all'imposta sul valore aggiunto e con il postulato della neutralità concorrenziale (consid. 6.3). Applicazione di questi principi al caso concreto (consid. 6.4-6.6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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