Justizze.

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Justizze. Art. 86 MWSTG

Bundesgericht

Steuerpflichtiger legt gegen Einspracheentscheid zur Zwangsvollstreckung des provisorischen Mehrwertsteuerbetrags Beschwerde ein: Kein Zugang zu Gericht nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK, da abgaberechtliche Vollstreckung nicht zivilrechtlicher Natur (Art. 86 Abs. 4 MWSTG)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 I 340 · ATF 144 I 340 · DTF 144 I 340
Datum
21.09.2018
Geschäftsnummer
2C_287/2018
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 32 BGG Art. 72 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 95 BGG Art. 98 BGG Art. 100 BGG Art. 103 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 6 EMRK Art. 8 EMRK Art. 13 EMRK Art. 14 EMRK Art. 86 MWSTG

Zusammenfassung

Ein Rechtsanwalt betrieb eine Anwaltskanzlei und war als Mehrwertsteuerpflichtiger eingetragen. Für das zweite Semester 2016 reichte er eine Abrechnung ein, die eine Steuerforderung von Fr. 11'736.10 ergab. Nach erfolgloser Mahnung setzte die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) den Betrag in Betreibung. Der Steuerpflichtige erhob Rechtsvorschlag, den die ESTV beseitigte, und legte Einsprache ein, die abgewiesen wurde. Darauf erhob er beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde, das nicht eintrat, weil der Einspracheentscheid nach Art. 86 Abs. 4 Satz 2 MWSTG grundsätzlich endgültig sei. Der Steuerpflichtige erhob daraufhin beim Bundesgericht eine Beschwerde und rügte Verletzungen von Art. 6 Ziff. 1, Art. 8 Ziff. 1, Art. 13 und Art. 14 EMRK.

Das Bundesgericht verwies die Beschwerde zurück, weil sie unbegründet ist. Es stellte fest, dass der Steuerpflichtige die Abrechnung selbst erstellt hatte, weshalb die Ausnahme nach Art. 86 Abs. 5 MWSTG nicht greift und der Einspracheentscheid nach Art. 86 Abs. 4 Satz 2 MWSTG endgültig ist. Der Steuerpflichtige brachte keine hinreichende Rüge zur Verletzung von Art. 8 Ziff. 1 EMRK vor, da er sich lediglich auf die Norm berief, ohne sie zu begründen. Zur Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK stellte das Bundesgericht fest, dass abgaberechtliche Vollstreckungsverfahren nicht unter den Anwendungsbereich dieser Norm fallen, weil sie nicht zivilrechtlicher Natur sind – auch wenn es sich um die Vollstreckung eines Steuerbetrags handelt. Da Art. 6 Ziff. 1 EMRK nicht anwendbar ist, konnte Art. 13 EMRK nicht geltend gemacht werden, denn dieser Anspruch ist akzessorisch und setzt eine Verletzung eines materiellen Konventionsrechts voraus. Auch die Rüge zur Verletzung von Art. 14 EMRK war unzureichend begründet. Die Beschwerde wurde daher abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Beschwerdeführer auferlegt. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass die Zwangsvollstreckung eines provisorischen Mehrwertsteuerbetrags nach Art. 86 MWSTG kein zivilrechtliches Verfahren im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK darstellt und daher kein Zugang zu einem unabhängigen Gericht besteht.

Regeste

Art. 56 VwVG; Art. 98 BGG; Art. 86 Abs. 2-5 MWSTG; Art. 6 Ziff. 1, 8 Ziff. 1, 13 und 14 EMRK. Es ist mit der EMRK vereinbar, dass über den einspracheweise festgesetzten provisorisch geschuldeten Mehrwertsteuerbetrag keine verwaltungsunabhängige Instanz entscheiden kann. Unterscheidung zwischen definitiver Steuerforderung und bloss provisorisch geschuldetem Steuerbetrag. Dieser wird gemäss Art. 86 Abs. 2 MWSTG in einem präliminaren Verfahren sui generis erhoben und stellt eine vorsorgliche Massnahme dar. Der Einspracheentscheid der ESTV hierüber unterliegt grundsätzlich keinem Rechtsmittel (E. 2.2). Abgaberechtliche Verpflichtungen sind, vorbehältlich des Steuerstrafrechts, von Art. 6 EMRK ausgenommen. Folglich gilt auch deren Vollstreckung nicht als zivilrechtlicher Anspruch im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK, sodass kein konventionsrechtliches Recht auf Zugang zu einem Gericht besteht. Dies trifft auch auf Art. 86 Abs. 2 MWSTG zu, zumal es sich dabei um eine (die Hauptsache nicht präjudizierende) vorsorgliche Massnahme handelt (E. 3.3). Akzessorische Natur des Anspruchs auf wirksame Beschwerde (Art. 13 EMRK; E. 3.4) und des Diskriminierungsverbots (Art. 14 i.V.m. Art. 8 Ziff. 1 EMRK). Mangels hinreichender Rügen keine Prüfung von Art. 86 MWSTG unter diesen Gesichtspunkten (E. 3.5). Regeste Art. 56 PA; art. 98 LTF; art. 86 al. 2-5 LTVA; art. 6 par. 1, 8 par. 1, 13 et 14 CEDH. Le fait qu'aucune instance indépendante de l'administration ne puisse se prononcer sur une décision sur réclamation fixant le montant de TVA provisoirement dû est compatible avec la CEDH. Distinction entre créance fiscale définitive et simple montant provisoirement dû. Celui-ci est prélevé, selon l'art. 86 al. 2 LTVA, au cours d'une procédure préliminaire sui generis et constitue une mesure provisionnelle. La décision rendue sur réclamation par l'AFC à cet égard n'est en principe susceptible d'aucun recours (consid. 2.2). Les obligations fiscales sont, sous réserve du droit pénal fiscal, exclues de l'art. 6 CEDH. Il s'ensuit que leur exécution forcée ne représente pas non plus une contestation à caractère civil au sens de l'art. 6 par. 1 CEDH, de sorte qu'il n'existe pas de droit conventionnel à accéder à un tribunal. Cela est également valable s'agissant de l'art. 86 al. 2 LTVA, d'autant plus qu'il s'agit là d'une mesure provisionnelle (sans préjudice sur la cause principale) (consid. 3.3). Nature accessoire du droit à un recours effectif (art. 13 CEDH; consid. 3.4) et de l'interdiction de la discrimination (art. 14 en lien avec l'art 8 par. 1 CEDH). Faute de motivation suffisante, pas d'examen de l'art. 86 LTVA sous ces angles (consid. 3.5). Regesto Art. 56 PA; art. 98 LTF; art. 86 cpv. 2-5 LIVA; art. 6 n. 1, 8 n. 1, 13 e 14 CEDU. Il fatto che nessuna istanza indipendente dell'amministrazione possa pronunciarsi su una decisione su reclamo che determina l'ammontare dell'imposta sul valore aggiunto provvisoriamente dovuto è compatibile con la CEDU. Distinzione tra credito fiscale definitivo e semplice ammontare d'imposta provvisoriamente dovuto. Quest'ultimo è prelevato, giusta l'art. 86 cpv. 2 LIVA, nel corso di una procedura preliminare sui generis e costituisce una misura provvisionale. La relativa decisione su reclamo dell'AFC non può, di regola, essere oggetto di ricorso (consid. 2.2). Riservato il diritto penale fiscale, gli obblighi fiscali sono esclusi dall'art. 6 CEDU. Di conseguenza nemmeno la loro esecuzione coatta vale quale contestazione di carattere civile ai sensi dell'art. 6 n. 1 CEDU, di modo che non esiste alcun diritto convenzionale all'accesso a un tribunale. Ciò è anche il caso dell'art. 86 cpv. 2 LIVA, tanto più che si tratta di una misura provvisionale (che non pregiudica la causa principale) (consid. 3.3). Natura accessoria del diritto ad un ricorso effettivo (art. 13 CEDU; consid. 3.4) e del divieto di discriminazione (art. 14 in relazione con l'art. 8 n. 1 CEDU). In mancanza di una motivazione sufficiente nessun esame dell'art. 86 LIVA sotto questi profili (consid. 3.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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