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Justizze. Art. 25a KVG

Bundesgericht

Interkantonale Zuständigkeit für Restfinanzierung von Pflegekosten: Wohnsitzprinzip massgeblich mangels Bundesgesetz (Art. 25a Abs. 5 KVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 140 V 563 · ATF 140 V 563 · DTF 140 V 563
Datum
18.12.2014
Geschäftsnummer
BGE 140 V 563
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 13 ATSG Art. 24 BV Art. 1 KVG Art. 25a KVG Art. 23 ZGB

Zusammenfassung

Die Einwohnergemeinde X. im Kanton Obwalden focht einen Entscheid des Verwaltungsgerichts an, das sie zur Übernahme der Restfinanzierung stationärer Pflegekosten einer verstorbenen Bewohnerin verpflichtet hatte. Die Erbengemeinschaft der Verstorbenen verteidigte diesen Entscheid. Streitig war, welcher Kanton bzw. welche Gemeinde für die Kosten zuständig ist, wenn eine pflegebedürftige Person ihren Wohnsitz in ein Altersheim in einem anderen Kanton verlegt. Die Gemeinde berief sich auf ihr Reglement, wonach Patienten ausserhalb des Kantons vor Behandlungsbeginn eine Kostengutsprache ihres Herkunftskantons vorlegen müssen.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Gemeinde ab und bestätigte, dass die Finanzierungszuständigkeit im interkantonalen Verhältnis nach dem zivilrechtlichen Wohnsitzprinzip zu bestimmen ist.

Das Gericht stellte fest, dass es derzeit an einer bundesrechtlichen Regelung fehlt, die klärt, ob die Zuständigkeit für ungedeckte Pflegekosten wohnsitzunabhängig (wie bei Ergänzungsleistungen) oder wohnsitzabhängig ist. Da die kantonale und kommunale Gesetzgebungskompetenz an den Kantonsgrenzen endet, kann eine Gemeinde nicht einseitig bestimmen, dass ein anderer Kanton für die Kosten aufkommen muss. Eine sogenannte "Zuständigkeitsperpetuierung", analog zu Art. 21 ELG, bedarf einer schweizweit gültigen Norm durch den Bundesgesetzgeber. Bis dahin gilt das Wohnsitzprinzip gemäss Art. 1 KVG i.V.m. Art. 13 Abs. 1 ATSG und Art. 23 ZGB.

Im konkreten Fall hatte die verstorbene Person A. ihren Wohnsitz im Kanton Nidwalden verlassen und am 14. August 2009 ein Alterszentrum in X. (Obwalden) bezogen. Das Verwaltungsgericht hatte korrekt erkannt, dass sie dort ihren Lebensmittelpunkt begründet hatte, was zur Begründung eines neuen zivilrechtlichen Wohnsitzes führte. Die Gemeinde X. konnte sich nicht auf ihr Reglement stützen, welches die Aufnahme von der Kostengutsprache des Herkunftskantons abhängig machte, da diese Bestimmung die Niederlassungsfreiheit (Art. 24 BV) einschränken würde und über die eigene Kompetenz hinausging. Zudem war das Reglement beim Heimeintritt noch nicht in Kraft. Die Gemeinde ist daher als Standortgemeinde und Wohnsitzgemeinde für die Restfinanzierung ab Januar 2011 zuständig.

Regeste

Art. 25a Abs. 5 KVG; Restfinanzierung der Pflegekosten; interkantonale Zuständigkeit. Derzeit fehlt eine bundesrechtliche Regelung der Frage, ob die Finanzierungszuständigkeit für ungedeckte Pflegekosten wohnsitzunabhängig (wie im Recht der Ergänzungsleistungen und der Sozialhilfe) zu bestimmen ist, oder ob der wohnsitzbegründende Eintritt in ein Alters- oder Pflegeheim zur Finanzierungszuständigkeit des Standortkantons führt (E. 5.3). Bis auf Weiteres ist grundsätzlich das kantonale bzw. kommunale Recht massgeblich. Kantonale und kommunale Legiferierungskompetenzen können aber nicht über die Kantonsgrenze hinausgehen. Eine Art. 21 ELG nachempfundene Regelung ("Zuständigkeitsperpetuierung") kann daher nicht (nur) in einem kantonalen oder kommunalen Erlass verankert sein. Sie bedarf einer für die ganze Schweiz gültigen Normierung und setzt somit ein Tätigwerden des Bundesgesetzgebers voraus. Bis zum Inkrafttreten einer bundesrechtlichen Regelung bestimmt sich zumindest im interkantonalen Verhältnis die Finanzierungszuständigkeit nach dem Wohnsitzprinzip (E. 5.4.1 und 5.4.2). Regeste Art. 25a al. 5 LAMal; financement résiduel des coûts des soins; compétence intercantonale. Il manque à l'heure actuelle une réglementation de droit fédéral permettant de déterminer si la compétence quant au financement des coûts des soins non pris en charge par les assurances sociales est indépendante de la question du domicile (à l'instar du droit applicable en matière de prestations complémentaires et d'aide sociale) ou si l'entrée dans un home ou dans un établissement médico-social (valant création d'un nouveau domicile) entraîne la compétence en matière de financement résiduel du canton où se situe l'établissement (consid. 5.3). Provisoirement, le droit cantonal, respectivement communal, est en principe déterminant. Cependant, les compétences législatives cantonale et communale s'arrêtent aux frontières du canton. Une réglementation similaire à celle de l'art. 21 LPC ("perpetuatio fori") ne peut ainsi pas être inscrite (uniquement) dans une norme cantonale ou communale. Elle nécessite l'établissement d'une disposition valable pour toute la Suisse et présuppose l'intervention du législateur fédéral. Jusqu'à l'entrée en vigueur d'une réglementation de droit fédéral, la compétence en matière de financement résiduel dans les rapports intercantonaux se détermine selon le principe du domicile (consid. 5.4.1 et 5.4.2). Regesto Art. 25a cpv. 5 LAMal; finanziamento residuo dei costi delle cure; competenza intercantonale. Manca per ora una normativa di diritto federale che consente di determinare se la competenza per il finanziamento dei costi delle cure non coperti dalle assicurazioni sociali sia indipendente dal domicilio (come nel diritto delle prestazioni complementari e dell'aiuto sociale) o se la collocazione in una casa per anziani o in un istituto di cura medico-sociale, costitutiva di nuovo domicilio, determini la competenza in materia di finanziamento residuo del Cantone dove è localizzata la struttura di cura (consid. 5.3). Per il momento è determinante in linea di principio il diritto cantonale, rispettivamente quello comunale. Le competenze legislative cantonali e comunali non possono tuttavia estendersi oltre i confini cantonali. Una disciplina analoga a quella dell'art. 21 LPC ("perpetuatio fori") non può di conseguenza essere fondata (unicamente) su una norma cantonale o comunale. Essa necessita di un disposto normativo valido per tutta la Svizzera e presuppone l'intervento del legislatore federale. Fino all'entrata in vigore di una norma di diritto federale, la competenza in materia di finanziamento residuo nei rapporti intercantonali si determina secondo il principio del domicilio (consid. 5.4.1 e 5.4.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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