Justizze.

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Justizze. Art. 8 StG

Bundesgericht

Verheirateter Steuerpflichtiger mit Ehefrau in Luzern und Kindern in Zug: Steuerlicher Wohnsitz in Luzern festgestellt, obwohl er in Zug arbeitet und sich dort gesellschaftlich engagiert (Art. 8 Abs. 2 StG/LU)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 II 285 · ATF 148 II 285 · DTF 148 II 285
Datum
23.12.2021
Geschäftsnummer
2C_398/2021
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 92 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 100 BGG Art. 3 DBG Art. 108 DBG Art. 8 StG Art. 15 StG Art. 8 StG/LU Art. 3 StHG Art. 4b StHG Art. 11 StHG Art. 46 StHG Art. 72 StHG Art. 73 StHG Art. 8 ZGB Art. 23 ZGB

Zusammenfassung

A.A.________, verheirateter Steuerpflichtiger mit drei Kindern, beantragte beim Bundesgericht die Aufhebung eines Urteils des Kantonsgerichts Luzern, das festgestellt hatte, sein steuerrechtlicher Wohnsitz befinde sich im Kanton Luzern und nicht im Kanton Zug. Streitgegenstand war allein die Veranlagungszuständigkeit des Kantons Luzern für die Staats- und Gemeindesteuern des Steuerjahrs 2019. A.A.________ machte geltend, sein Lebensmittelpunkt liege in T./ZG, wo er als Geschäftsführer einer Holdinggesellschaft tätig sei, seine Mutter besuche und gesellschaftlich verwurzelt sei; seine Ehefrau wohne zwar in V./LU, aber er verbringe nur Teile der Woche dort. Der Kanton Zug beantragte, die Beschwerde gutzuheissen, soweit sie sich gegen Luzern richte, und zusätzlich die Festlegung des Veranlagungsorts für die direkte Bundessteuer. Die Dienststelle Steuern des Kantons Luzern und die Vorinstanz beantragten die Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte, dass A.A.________ im Steuerjahr 2019 seinen steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton Luzern hatte. Der Lebensmittelpunkt bestimmt sich nach der Gesamtheit objektiver, für Dritte erkennbarer Tatsachen, die eine Absicht dauernden Verbleibens manifestieren. Obwohl A.A.________ in T./ZG arbeitete, seine Mutter besuchte und sich gesellschaftlich engagierte, wohnte seine Ehefrau dauerhaft in der neu gebauten Wohnung auf dem Areal U. in V./LU, und er kehrte dort regelmäßig – an den übrigen Nächten und allen Wochenenden – zu ihr zurück. Seine Kinder waren zwölf, 16 und 18 Jahre alt, wohnten bei der Mutter in W./ZG und benötigten keine besondere Betreuung mehr; ihre Beziehung zu ihm war daher weniger gewichtig als die zu seiner Ehefrau. Eine leitende Stellung im Sinne der Rechtsprechung lag nicht vor, da er nur 17 Mitarbeitern vorstand und nicht täglich, sondern mehrmals pro Woche zu seiner Familie zurückkehrte. Auch ein alternierender Wohnsitz war ausgeschlossen, weil er seinen Lebensmittelpunkt nicht in regelmässigen Abständen zwischen den beiden Orten verschob. Damit war der Kanton Luzern für die Staats- und Gemeindesteuern zuständig (§ 8 Abs. 2 StG/LU i.V.m. Art. 3 Abs. 2 StHG). Die Gerichtskosten von Fr. 5'000.-- wurden A.A.________ auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG); eine Parteientschädigung wurde verneint (Art. 68 Abs. 3 BGG). Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass bei verheirateten Steuerpflichtigen die Beziehung zum Ehegatten grundsätzlich schwerer wiegt als jene zu erwachsenen Kindern, selbst wenn diese noch im Haushalt leben oder regelmäßig besucht werden.

Regeste

Art. 3 Abs. 1 und 2 sowie Art. 4b Abs. 1 StHG; Art. 127 Abs. 3 BV; § 8 Abs. 1 und 2 StG/LU; Wohnsitz bei einer Patchwork-Familie; leitender Angestellter; alternierender Wohnsitz. Grundsätze der Untersuchung, Mitwirkung und Beweislastverteilung sowie Kriterien für die Bestimmung des Wohnsitzes (E. 3.1-3.3). In einer Patchwork-Konstellation ist die Beziehung zum (neuen) Partner jedenfalls dann schwerer zu gewichten als jene zu den Kindern, wenn die Kinder nicht mehr betreut werden müssen oder der Betreuungsaufwand von untergeordneter Bedeutung ist (E. 3.4 und 3.5). Die in der Rechtsprechung entwickelte Figur des leitenden Angestellten ist nicht auf weitere Konstellationen auszudehnen (E. 3.6). Das Konzept des alternierenden Wohnsitzes steht in einem Spannungsverhältnis zum Wohnsitzbegriff des StHG. Weil die Voraussetzungen vorliegend nicht erfüllt sind, kann offenbleiben, ob daran festzuhalten ist (E. 3.8). Regeste Art. 3 al. 1 et 2 ainsi que art. 4b al. 1 LHID; art. 127 al. 3 Cst.; § 8 al. 1 et 2 LI/LU; domicile en cas de famille recomposée; employé occupant une fonction dirigeante; domicile alternant. Principes relatifs à l'instruction, collaboration et répartition du fardeau de la preuve ainsi que critères de détermination du domicile (consid. 3.1-3.3). Dans une situation de famille recomposée, un poids plus important doit être accordé à la relation avec le (nouveau) partenaire qu'à celle avec les enfants, en tout cas lorsque les enfants ne doivent plus être pris en charge ou lorsque la prise en charge est d'importance moindre (consid. 3.4 et 3.5). Le concept, développé par la jurisprudence, d'employé occupant une fonction dirigeante, ne doit pas être étendu à d'autres situations (consid. 3.6). Le concept de domicile alternant se trouve dans un rapport de tension avec la notion de domicile de la LHID. Du fait que les conditions ne sont en l'espèce pas remplies, la question de savoir s'il convient de s'y tenir peut demeurer ouverte (consid. 3.8). Regesto Art. 3 cpv. 1 e 2 nonché art. 4b cpv. 1 LAID; art. 127 cpv. 3 Cost.; § 8 cpv. 1 e 2 LT/LU; domicilio nel caso di una famiglia ricomposta; impiegato con funzioni dirigenziali; domicilio alternato. Principi relativi all'istruzione, alla collaborazione e alla ripartizione dell'onere della prova; criteri per determinare il domicilio (consid. 3.1-3.3). Nella situazione di una famiglia ricomposta, per lo meno quando i figli non devono più essere custoditi o quando l'impegno dovuto alla custodia è di importanza minore, va dato più peso alla relazione con il (nuovo) partner rispetto a quella con i figli (consid. 3.4 e 3.5). Sviluppata dalla giurisprudenza, la figura dell'impiegato con funzioni dirigenziali non deve essere estesa ad altre situazioni (consid. 3.6). Il concetto di domicilio alternato si trova in un rapporto di tensione con la nozione di domicilio della LAID. Siccome le condizioni per il suo riconoscimento non sono qui adempiute, non è necessario chiedersi se occorre continuare a farvi riferimento (consid. 3.8).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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