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Justizze. Art. 121 StPO

Bundesgericht

Sicherheitsfonds als Zivilklägerin im Strafverfahren: Legitimation zur Adhäsionsklage wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 121 Abs. 2 StPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 139 IV 310 · ATF 139 IV 310 · DTF 139 IV 310
Datum
29.08.2013
Geschäftsnummer
BGE 139 IV 310
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 52 BVG Art. 56 BVG Art. 56a BVG Art. 73 BVG Art. 115 StPO Art. 121 StPO Art. 122 StPO Art. 126 StPO Art. 87 VRPG

Zusammenfassung

Die Stiftung Sicherheitsfonds BVG focht ihren Ausschluss aus einem Strafverfahren an, in dem sie als Privatklägerin im Zivilpunkt aufgetreten war. Der Beschuldigte hatte einer Vorsorgestiftung durch ein ungesichertes Darlehen Mittel entzogen, was deren Konkurs und die Übernahme offener Versicherungsleistungen durch den Sicherheitsfonds zur Folge hatte. Das kantonale Gericht wies den Fonds als Zivilklägerin ab, da die Haftungsforderungen verwaltungsrechtlich geprägt seien und nicht vor dem Strafgericht geltend gemacht werden könnten. Streitig war, ob der Sicherheitsfonds als gesetzlicher Rechtsnachfolger der geschädigten Vorsorgeeinrichtung berechtigt ist, seine Regressforderungen im Rahmen eines adhäsionsweisen Zivilprozesses im Strafverfahren durchzusetzen.

Das Bundesgericht heisst die Beschwerde gut und weist das Wirtschaftsgericht an, die Zivilklage der Beschwerdeführerin adhäsionsweise zu beurteilen.

Der Sicherheitsfonds ist als gesetzliche Rechtsnachfolgerin der unmittelbar geschädigten Vorsorgestiftung zur Teilnahme am Strafverfahren befugt. Gemäss Art. 121 Abs. 2 StPO steht ihm diese Befugnis zu, wobei er nur jene Verfahrensrechte besitzt, die sich unmittelbar auf die Durchsetzung der Zivilklage beziehen. Die Beschwerdeführerin hätte daher als Zivilklägerin zugelassen werden müssen.

Die Voraussetzungen für die Legitimation sind erfüllt: Der Beschuldigte entzog der Vorsorgestiftung strafbar 1 Mio. Franken, woraus eine zivilrechtliche Schadenersatzforderung entstand (Art. 52 Abs. 1 BVG). Der Sicherheitsfonds übernahm gestützt auf Art. 56 Abs. 1 lit. b BVG die offenen Leistungen und trat nach Art. 56a Abs. 1 BVG in die Ansprüche ein. Obwohl die Leistungspflicht und Subrogation im öffentlichen Recht gründen, bleibt die zugrunde liegende Forderung zivilrechtlicher Natur, sodass der Ausgang des Strafverfahrens ihre Beurteilung beeinflussen kann (Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG).

Entgegen der Vorinstanz sind Haftungsansprüche nach Art. 52 BVG adhäsionsfähig. Art. 73 Abs. 1 lit. c BVG weist die Zuständigkeit zwar grundsätzlich dem Verwaltungsgericht zu (im Kanton Bern gemäss Art. 87 lit. c VRPG), doch dient dies der Vereinfachung. Diese Zielsetzung steht der Zulassung von Adhäsionsklagen nach Art. 122 ff. StPO nicht entgegen, da sie ebenfalls der vereinfachten Geltendmachung dienen. Sollte eine vollständige Beurteilung durch den Strafrichter unverhältnismässig sein, kann dieser im Grundsatz entscheiden und die Sache an das Verwaltungsgericht verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).

Regeste

Art. 81 Abs. 1 lit. a und lit. b Ziff. 5 BGG, Art. 52, 56 und 56a BVG, Art. 115 und 121 StPO; Teilnahmerecht der Stiftung Sicherheitsfonds BVG als Zivilklägerin am Strafverfahren, Befugnis zur Beschwerde ans Bundesgericht. Befugnis der Stiftung Sicherheitsfonds BVG, als Zivilklägerin am Strafverfahren gegen denjenigen teilzunehmen, der einer Vorsorgestiftung in strafbarer Weise Mittel entzog mit der Folge, dass die Stiftung Sicherheitsfonds BVG die offengebliebenen Versicherungsleistungen übernehmen musste. Legitimation zur Beschwerde in Strafsachen (E. 1 und 2). Regeste Art. 81 al. 1 let. a et let. b ch. 5 LTF, art. 52, 56 et 56a LPP, art. 115 et 121 CPP; droit de la Fondation Fonds de garantie LPP de participer à la procédure pénale en tant que demandeur au civil, qualité pour recourir au Tribunal fédéral. Droit de la Fondation Fonds de garantie LPP de participer en tant que demandeur au civil à la procédure pénale ouverte contre celui qui a retiré de manière punissable des fonds d'une fondation de prévoyance avec la conséquence que la Fondation Fonds de garantie LPP a dû prendre en charge les prestations d'assurance laissées ouvertes. Qualité pour former un recours en matière pénale (consid. 1 et 2). Regesto Art. 81 cpv. 1 lett. a e lett. b n. 5 LTF, art. 52, 56 e 56a LPP, art. 115 e 121 CPP; diritto della Fondazione Fondo di garanzia LPP di partecipare al procedimento penale quale parte civile, qualità per ricorrere al Tribunale federale. Diritto della Fondazione Fondo di garanzia LPP di partecipare, in quanto parte civile, al procedimento penale aperto contro chi ha ritirato in modo punibile dei fondi di una fondazione di previdenza, con la conseguenza che la Fondazione Fondo di garanzia LPP ha dovuto farsi carico delle prestazioni assicurative lasciate aperte. Diritto di interporre un ricorso in materia penale (consid. 1 e 2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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