Entgeltliche Löschung einer Bauverbotsdienstbarkeit: Teilweise steuerfreier Kapitalgewinn, Rückzug Baueinsprache steuerbar (Art. 16 Abs. 3 DBG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 139 II 363 · ATF 139 II 363 · DTF 139 II 363
- Datum
- 03.06.2013
- Geschäftsnummer
- BGE 139 II 363
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Rückweisung
Tragende Normen
Art. 127 BV Art. 16 DBG Art. 21 DBG Art. 7 LAID Art. 12 StHG Art. 730 ZGB
Zusammenfassung
Eine Steuerpflichtige im Kanton Schwyz erwarb 2002 zwei Grundstücke, zugunsten derer seit 1896 eine im Grundbuch eingetragene Bauverbotsdienstbarkeit auf drei Nachbarparzellen lastete. Im Jahr 2006 willigte sie gegen eine Abfindung in Form einer Stockwerkeinheit und dreier Einstellhallenplätze in die Löschung dieser Dienstbarkeit ein. Die kantonale Steuerverwaltung qualifizierte den Wert der Abfindung als Einkommen aus der direkten Bundessteuer. Das Verwaltungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde ab. Streitig war vor Bundesgericht, ob die entgeltliche Aufgabe der Dienstbarkeit als steuerfreier Kapitalgewinn aus der Veräusserung von Privatvermögen oder als steuerbares Einkommen zu behandeln sei, insbesondere im Hinblick auf allfällige Entschädigungen für den Rückzug einer Baueinsprache.
Das Bundesgericht hob den kantonalen Entscheid auf und wies die Sache zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurück. Es stellte fest, dass die entgeltliche Löschung einer grundbuchlich eingetragenen Bauverbotsdienstbarkeit zivilrechtlich einer Belastung des dienenden Grundstücks gleichkommt und daher unter dem Gesichtspunkt der vertikalen Steuerharmonisierung als Teilveräusserung im Sinne von Art. 16 Abs. 3 DBG zu qualifizieren ist. Folglich ist der daraus resultierende konjunkturelle Mehrwert grundsätzlich als steuerfreier Kapitalgewinn im Privatvermögen zu betrachten.
Allerdings muss die Vorinstanz prüfen, ob die Abfindung gemischt war. Der Rückzug einer Baueinsprache ist ein selbständiges Rechtsgeschäft ohne Substanzverzehr; die dafür geleistete Entschädigung ist grundsätzlich einkommenssteuerbar (Art. 16 Abs. 1 i.V.m. Art. 21 Abs. 1 DBG). Eine Ausnahme gilt nur, wenn durch den Rückzug der Einsprache tatsächlich ein objektiver Wertverlust am Grundstück entstanden ist, was einem steuerfreien Aktiventausch (Schadenersatz) entsprechen würde. Da dies im konkreten Fall nicht abschliessend geklärt wurde, ist die Sache zurückzuweisen, um die Zusammensetzung der Abfindung (Dienstbarkeitsablösung vs. Einspracherückzug) zu untersuchen.
Regeste
Art. 127 Abs. 2 BV; Art. 16 Abs. 1 und 3 sowie Art. 23 lit. d DBG; Art. 7 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 2 lit. c StHG; Art. 730 Abs. 1 ZGB; Art. 20 Abs. 1 OR; Steuerfolgen eines gemischten Rechtsgeschäfts, das den entgeltlichen Verzicht auf eine ins Grundbuch eingetragene Bauverbotsdienstbarkeit und den entgeltlichen Rückzug eines Baurechtsmittels zum Gegenstand hat. Das Reinvermögenszugangsprinzip gemäss Art. 16 Abs. 1 DBG und Art. 7 Abs. 1 StHG konkretisiert den verfassungsrechtlichen Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ausnahmen davon sind eng auszulegen. Der steuerfreie Kapitalgewinn nach Art. 16 Abs. 3 DBG bedingt einerseits die Veräusserung von dinglichen oder obligatorischen Rechten des Privatvermögens, anderseits eine unmittelbar damit verknüpfte Gegenleistung. Keinen Reinvermögenszugang bewirken der blosse Aktiventausch und der Ersatz erlittenen Schadens, weswegen sie einkommenssteuerlich ohne Bedeutung bleiben (Art. 16 Abs. 1 DBG e contrario). Veräusserungsfremde Teile des Entgelts, so die Gegenleistung für den Rückzug eines Baurechtsmittels, mit denen kein Vermögensabgang einhergeht, sind demgegenüber grundsätzlich steuerbar (E. 2). Der dingliche Rechtsbestand wird gleichermassen eingeschränkt durch die Einräumung einer belastenden und den Verzicht auf eine begünstigende Dienstbarkeit. Fälle, in welchen die Gegenleistung für den Rückzug eines Baurechtsmittels entgegen der Regel steuerfrei bleibt. Gebot der vertikalen Steuerharmonisierung (E. 3). Regeste Art. 127 al. 2 Cst.; art. 16 al. 1 et 3, ainsi qu'art. 23 let. d LIFD; art. 7 al. 1 et art. 12 al. 2 let. c LHID; art. 730 al. 1 CC; art. 20 al. 1 CO; conséquences fiscales d'un acte juridique mixte visant, moyennant rétribution, à la renonciation d'une servitude de non-bâtir inscrite au registre foncier ainsi qu'au retrait d'un recours en matière de droit des constructions. Le principe de l'accroissement net du patrimoine consacré aux art. 16 al. 1 LIFD et 7 al. 1 LHID concrétise le principe constitutionnel de l'imposition selon la capacité économique. Les exceptions doivent être interprétées restrictivement. Selon l'art. 16 al. 3 LIFD, les gains en capital exonérés sont subordonnés d'une part à l'aliénation de droits réels ou de droits des obligations appartenant à la fortune privée et, d'autre part, à une contre-prestation directe liée à l'aliénation. Ne constitue pas un accroissement net du patrimoine le simple échange d'actifs ou la compensation de dommages subis, raison pour laquelle ils sont sans influence sur le revenu imposable (art. 16 al. 1 LIFD a contrario). En revanche, les parts de la rémunération étrangères à l'aliénation, telle que la contre-prestation consentie pour le retrait d'un recours en matière de droit des constructions, qui ne s'accompagnent d'aucune diminution du patrimoine, sont en principe soumises à l'impôt (consid. 2). Un droit réel est grevé dans la même proportion par la constitution d'une servitude négative que par la renonciation à une servitude affirmative. Cas dans lesquels la contre-prestation pour le retrait d'un recours en droit des constructions demeure, contrairement à la règle, exonérée. Nécessité de l'harmonisation fiscale verticale (consid. 3). Regesto Art. 127 cpv. 2 Cost.; art. 16 cpv. 1 e 3 così come art. 23 lett. d LIFD; art. 7 cpv. 1 e art. 12 cpv. 2 lett. c LAID; art. 730 cpv. 1 CC; art. 20 cpv. 1 CO; conseguenze fiscali di un negozio giuridico misto che ha quale oggetto la rinuncia, in cambio di denaro, ad una servitù di divieto di costruzione iscritta a registro fondiario ed il ritiro, in cambio di denaro, di un ricorso in materia edilizia. Il principio dell'incremento netto del patrimonio giusta gli art. 16 cpv. 1 LIFD e 7 cpv. 1 LAID concretizza il principio costituzionale dell'imposizione secondo la capacità economica. Eccezioni allo stesso devono essere interpretate in modo restrittivo. L'esenzione degli utili in capitale giusta l'art. 16 cpv. 3 LIFD presuppone da una parte l'alienazione di diritti reali o di natura contrattuale appartenenti alla sostanza privata, richiede dall'altra una controprestazione direttamente legata a detta alienazione. Il semplice scambio di attivi o il risarcimento di danni subiti non comportano un incremento netto del patrimonio, ragione per la quale essi sono irrilevanti nell'ottica dell'imposizione del reddito (art. 16 cpv. 1 LIFD e contrario). Parti della remunerazione estranee all'alienazione, quali la controprestazione per il ritiro di un ricorso in materia edilizia, che non sono accompagnate da nessuna diminuzione del patrimonio, sono per contro di principio imponibili (consid. 2). L'esistenza di un diritto reale viene limitata nella medesima maniera dalla costituzione di una servitù che lo aggrava che dalla rinuncia a una servitù che lo favorisce. Casi nei quali la controprestazione per il ritiro di un ricorso in materia edilizia resta, contrariamente alla regola, esente da imposta. Necessità dell'armonizzazione fiscale verticale (consid. 3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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