Eheleute mit steuerlichem Wohnsitz in Schaffhausen erwerben Wohnung in Italien: Vermögenssteuerwert und Eigenmietwert werden auf Basis von 80 bzw. 5,0 Prozent festgesetzt (Art. 127 Abs. 2 BV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 II 417 · ATF 150 II 417 · DTF 150 II 417
- Datum
- 12.03.2024
- Geschäftsnummer
- 9C_475/2023
- Abteilung
- III. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 96 BGG Art. 100 BGG Art. 105 BGG Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 127 BV Art. 22 DBA Art. 24 DBA Art. 25 DBA Art. 3 DBG Art. 6 DBG Art. 7 DBG Art. 21 DBG Art. 123 DBG Art. 130 DBG Art. 146 DBG Art. 119 IPRG Art. 7 StG Art. 8 StG Art. 7 StG/SH Art. 1 StHG Art. 3 StHG Art. 7 StHG Art. 13 StHG Art. 14 StHG Art. 46 StHG Art. 73 StHG Art. 642 ZGB Art. 644 ZGB Art. 713 ZGB
Zusammenfassung
Zwei Eheleute mit steuerlichem Wohnsitz im Kanton Schaffhausen erwarben im Dezember 2017 eine Stockwerkeigentumseinheit in Italien. In ihren Steuererklärungen für die Perioden 2017 und 2018 gingen sie von einem Vermögenssteuerwert von 60 Prozent des Kaufpreises und einem Eigenmietwert von 3,5 bzw. 5,0 Prozent aus. Die Steuerverwaltung korrigierte dies auf 80 Prozent des Kaufpreises für den Vermögenssteuerwert und 5,0 Prozent davon für den Eigenmietwert. Die Steuerpflichtigen erhoben Einsprache, legten Beschwerde beim Obergericht des Kantons Schaffhausen ein und reichten schliesslich eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht ein. Sie rügten insbesondere, dass der Hausrat von EUR 22'000.- vom Kaufpreis abzuziehen sei und der Eigenmietwert auf 3,5 Prozent zu senken sei. Streitig war die Bewertung des ausländischen Objekts für die Zwecke des Vermögenssteuerwerts und des Eigenmietwerts am inländischen Wohnsitz.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass der notariell beurkundete Kaufvertrag vom 20. Dezember 2017 keinerlei Hinweis auf die Mitübertragung von Mobiliar enthält; die Steuerpflichtigen selbst räumten ein, dass das Wort "Mobiliar" im Vertrag nicht speziell genannt wird. Damit war der Abzug von EUR 22'000.- für Hausrat nicht gerechtfertigt. Der Vermögenssteuerwert wurde zulässigerweise auf 80 Prozent des Kaufpreises von EUR 380'000.- (Fr. 444'638.-) festgesetzt, da dieser Ansatz im Rahmen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt und die praktischen Schwierigkeiten bei der Bewertung ausländischen unbeweglichen Vermögens berücksichtigt. Ein Ansatz von 60 Prozent wäre unzulässig, weil er unterhalb der bundesrechtlich zulässigen Bandbreite läge. Der Eigenmietwert wurde zu Recht mit 5,0 Prozent des so ermittelten Vermögenssteuerwerts festgesetzt, da dieser Wert innerhalb der zulässigen Spanne liegt und die unterschiedliche Kostenstruktur im Ausland berücksichtigt. Die Anwendung der allgemeinen Grundsätze des Rechtsgleichheitsgebots (Art. 8 Abs. 1 BV) und der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2 BV) verlangt eine bewertungstechnische Gleichbehandlung inländischen und ausländischen unbeweglichen Vermögens, wobei die Bewertungsmethodik unverändert bleibt, obwohl die Bewertung nur in den Steuersatz einfliesst. Die Steuerpflichtigen hatten keinen Nachweis für einen niedrigeren Verkehrswert erbracht, sodass der Kaufpreis als Ausgangspunkt zulässig war. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 3'000.- wurden den Beschwerdeführern auferlegt, die zu gleichen Teilen und solidarisch haften. Das Urteil bestätigt die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Bewertung ausländischen Grundvermögens und klärt, dass ein höherer pauschaler Abzug bei ausländischen Objekten keine systematische Schlechterstellung darstellt, sondern die praktischen Schwierigkeiten der Bewertung widerspiegelt.
Regeste
a Art. 96 lit. b BGG; Art. 119 IPRG; Auslegung eines ausländischen Vertrags in abgaberechtlichem Kontext. Handelt es sich bei der Auslegung eines nach ausländischem Recht geschlossenen Grundstückvertrags insgesamt um eine abgaberechtliche Angelegenheit, so liegt im Sinne von Art. 96 lit. b BGG eine vermögensrechtliche Sache im Streit. Folglich ist lediglich zu prüfen, ob das streitige ausländische Recht willkürlich ausgelegt und/oder angewandt worden ist (E. 2.6). Regeste b Art. 127 Abs. 3 BV; Art. 6 Abs. 1 und Abs. 3, Art. 7 Abs. 1, Art. 21 Abs. 1 lit. b DBG; Art. 14 Abs. 1 StHG; Bewertung einer im Ausland gelegenen Ferienwohnung (Vermögenssteuerwert und Eigenmietwert); Methodik. Regeln zur persönlichen Zugehörigkeit und teilweisen Steuerpflicht bzw. der Befreiung mit Progressionsvorbehalt, wie sie im Bereich der direkten Bundessteuer (E. 2.2), der harmonisierten Steuern von Kantonen und Gemeinden (E. 2.3) sowie im Verhältnis zu Italien (DBA CH-IT; E. 2.4) herrschen. Das Verbot der Doppelbesteuerung (Art. 127 Abs. 3 BV) bezieht sich auf interkantonale, nicht auf internationale Verhältnisse. Eine unmittelbare Erstreckung der Rechtsprechung zu Art. 127 Abs. 3 BV - etwa des Schlechterstellungsverbots - auf internationale Verhältnisse scheidet aus. Internationalrechtlich besteht kein allgemeines Gleichheitsgebot, das über ein an die Staatsangehörigkeit geknüpftes Diskriminierungsverbot hinausgeht (E. 3.3). Zur Bewertung von unbeweglichem Vermögen, das im Ausland liegt, sind die auf inländische Objekte anwendbaren Bewertungsregeln heranzuziehen. Besteht eine ausländische amtliche Bewertung, ist diese gegebenenfalls anzupassen, so dass sie den auf inländische Objekte anwendbaren Regeln entspricht (E. 3.4). Ein Vermögenssteuerwert von 80 Prozent des Kaufpreises einer im Ausland gelegenen Liegenschaft verletzt kein Verfassungsrecht, selbst wenn inländische Objekte mit einem 30-prozentigen Einschlag bewertet werden. Der leicht höhere Ansatz widerspiegelt die praktischen Schwierigkeiten der Bewertung und birgt keinen unzulässigen Schematismus. Vorbehalten bleibt der Nachweis eines tatsächlich niedrigeren Verkehrswerts (E. 3.5). Ein standardmässiger Eigenmietwert von 5,0 Prozent, bezogen auf den Vermögenssteuerwert des im Ausland gelegenen Objekts, ist nicht zu beanstanden. Vorbehalten bleibt der Nachweis eines tatsächlich niedrigeren Eigenmietwerts (E. 4). Regeste a Art. 96 let. b LTF; art. 119 LDIP; interprétation d'un contrat étranger dans un contexte de droit fiscal. S'il s'agit, lors de l'interprétation d'un contrat immobilier conclu selon le droit étranger, dans son ensemble d'une affaire de droit fiscal, le litige porte sur une affaire pécuniaire au sens de l'art. 96 let. b LTF. Par conséquent, il convient uniquement d'examiner si le droit étranger litigieux a été interprété et/ou appliqué de manière arbitraire (consid. 2.6). Regeste b Art. 127 al. 3 Cst.; art. 6 al. 1 et al. 3, art. 7 al. 1, art. 21 al. 1 let. b LIFD; art. 14 al. 1 LHID; évaluation d'un logement de vacances situé à l'étranger (valeur pour l'impôt sur la fortune et valeur locative); méthodologie. Règles relatives à l'affiliation personnelle et à l'assujettissement partiel ou à l'exonération avec réserve de progression, telles qu'elles prévalent dans le domaine de l'impôt fédéral direct (consid. 2.2), des impôts harmonisés des cantons et des communes (consid. 2.3), ainsi que dans les relations avec l'Italie (CDI CH-IT; consid. 2.4). L'interdiction de la double imposition (art. 127 al. 3 Cst.) se rapporte à des relations intercantonales et non internationales. Une extension directe de la jurisprudence relative à l'art. 127 al. 3 Cst. - par exemple de l'interdiction d'un traitement moins favorable - aux relations internationales est exclue. En droit international, il n'existe pas de principe général d'égalité qui aille au-delà d'une interdiction de discrimination liée à la nationalité (consid. 3.3). Pour l'évaluation d'un bien immobilier situé à l'étranger, il convient de se référer aux règles d'évaluation applicables aux objets suisses. S'il existe une évaluation officielle étrangère, celle-ci doit être adaptée, le cas échéant, de manière à correspondre aux règles applicables aux biens nationaux (consid. 3.4). Une valeur pour l'impôt sur la fortune de 80 pour cent du prix d'achat d'un bien immobilier situé à l'étranger ne viole pas le droit constitutionnel, même si les objets situés en Suisse sont évalués avec une réduction de 30 pour cent. Le taux légèrement plus élevé reflète les difficultés pratiques de l'évaluation et n'implique aucun schématisme inadmissible. La preuve d'une valeur vénale effectivement inférieure est réservée (consid. 3.5). Une valeur locative standard de 5,0 pour cent, calculée par rapport à la valeur déterminante pour l'impôt sur la fortune du bien situé à l'étranger, n'est pas contestable. Demeure réservée la preuve d'une valeur locative effectivement inférieure (consid. 4). Regesto a Art. 96 lett. b LTF; art. 119 LDIP; interpretazione di un contratto estero in un contesto di diritto tributario. Se l'interpretazione di un contratto immobiliare concluso conformemente al diritto estero è un tema di diritto tributario nel suo complesso, la lite verte su una questione di natura pecuniaria nel senso dell'art. 96 lett. b LTF. Di conseguenza si deve esaminare solo se il controverso diritto estero è stato interpretato e/o applicato in modo arbitrario (consid. 2.6). Regesto b Art. 127 cpv. 3 Cost.; art. 6 cpv. 1 e cpv. 3, art. 7 cpv. 1, art. 21 cpv. 1 lett. b LIFD; art. 14 cpv. 1 LAID; stima di un appartamento di vacanza situato all'estero (valore imponibile della sostanza e valore locativo); metodologia. Norme sull'affiliazione personale e sull'assoggettamento parziale o sull'esonero con riserva di progressione, come quelle che si applicano nell'ambito dell'imposta federale diretta (consid. 2.2), delle imposte armonizzate dei cantoni e dei comuni (consid. 2.3), come pure nei rapporti con l'Italia (CDI CH-IT; consid. 2.4). Il divieto di doppia imposizione (art. 127 cpv. 3 Cost.) si riferisce ai rapporti intercantonali, non a quelli internazionali. Un'estensione diretta della giurisprudenza riferita all'art. 127 cpv. 3 Cost. - come il divieto di discriminazione - ai rapporti internazionali è esclusa. Nel diritto internazionale non vi è un principio generale di uguaglianza che vada oltre il divieto di discriminazione correlato alla nazionalità (consid. 3.3). Per la stima di beni immobili situati all'estero ci si può riferire alle norme di stima applicabili ai beni svizzeri. Se esiste una stima ufficiale estera, questa deve essere adattata, se necessario, in modo che corrisponda alle norme applicabili ai beni in Svizzera (consid. 3.4). Un valore dell'imposta sulla sostanza dell'80 per cento del prezzo di acquisto di un bene immobile situato all'estero non viola il diritto costituzionale, anche se i beni situati in Svizzera sono stimati con una deduzione del 30 per cento. Il tasso leggermente maggiore riflette le difficoltà pratiche della stima e non costituisce uno schematismo inammissibile. Resta riservata la prova di un valore venale effettivamente inferiore (consid. 3.5). Un valore locativo standard del 5,0 per cento, calcolato sul valore fiscale dell'immobile situato all'estero, non è censurabile. Resta riservata la prova di un valore locativo effettivamente inferiore (consid. 4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.