Eigentümerin erhält Fr. 1 Mio. für Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung: Entgelt unterliegt Einkommenssteuer als Ertrag aus unbeweglichem Vermögen (Art. 16 Abs. 1 DBG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 II 378 · ATF 148 II 378 · DTF 148 II 378
- Datum
- 19.05.2022
- Geschäftsnummer
- 2C_730/2021
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 82 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 100 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 16 DBG Art. 21 DBG Art. 24 DBG Art. 16 StG Art. 22 StG Art. 42 StG Art. 12 StHG Art. 73 StHG
Zusammenfassung
Eine in Slowenien wohnhafte Eigentümerin eines Grundstücks in der Gemeinde V.________ erhielt Fr. 1'000'000.-- für die Einräumung einer Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung zugunsten eines Nachbargrundstücks. Die Steuerverwaltung des Kantons Graubünden besteuerte diese Leistung als Einkommen aus unbeweglichem Vermögen für die Kantons-, Gemeinde- und direkte Bundessteuer 2018. Die Beschwerdeführerin bestritt dies und beantragte die Aufhebung des Urteils des Verwaltungsgerichts Graubünden sowie die Festsetzung eines deutlich tieferen steuerpflichtigen Einkommens. Sie argumentierte, das Entgelt sei entweder ein steuerfreier Kapitalgewinn aus einer Veräusserung oder zumindest ein steuerfreier Aktiventausch, da es einen zukünftigen Minderwert des Grundstücks ausgleiche.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Besteuerung des Entgelts von Fr. 1'000'000.-- als Ertrag aus unbeweglichem Vermögen für die direkte Bundessteuer und die Kantons- sowie Gemeindesteuern. Es stellte fest, dass die eingeräumte Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung keine wesentliche Beeinträchtigung der unbeschränkten Bewirtschaftung oder des Veräusserungswerts des Grundstücks darstellt, weil die Beschwerdeführerin keine wesentlichen Eigentümerbefugnisse preisgegeben hatte und das Entgelt von Fr. 1 Mio. weniger als 2 % des Verkehrswerts des Grundstücks von Fr. 52'511'000.-- ausmachte. Da die Beeinträchtigung nicht wesentlich war, lag keine Veräusserung im Sinne von Art. 16 Abs. 3 DBG vor, weshalb kein steuerfreier Kapitalgewinn entstand. Das Entgelt unterlag daher kraft Art. 16 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 DBG grundsätzlich der Einkommenssteuer. Auch die Argumentation der Beschwerdeführerin, es handle sich um einen steuerfreien Aktiventausch, wurde zurückgewiesen, weil die entgeltliche Eintragung einer nicht wesentlichen Dienstbarkeit keine Veräusserung eines Vermögenswerts darstellt und somit keinen Aktiventausch im steuerrechtlichen Sinn ermöglicht. Für die kantonalen Steuern wurde dieselbe Beurteilung unter Berücksichtigung der vertikalen Steuerharmonisierung und insbesondere von Art. 16 und Art. 22 StG/GR sowie Art. 42 Abs. 2 lit. c StG/GR vorgenommen. Die Rüge einer Verletzung des rechtlichen Gehörs wurde als unbegründet verworfen, da das beantragte Gutachten zum Wertverlust keine erhebliche Tatsache betroffen hätte. Die Beschwerdeführerin trägt die Gerichtskosten von Fr. 7'000.-- nach Art. 66 Abs. 1 BGG. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass die Höhe des Entgelts für eine Dienstbarkeit ein entscheidendes Indiz für die Wesentlichkeit der Beeinträchtigung ist und dass selbst bei einer Werteinbusse auf dem Grundstück das Entgelt nicht automatisch steuerfrei bleibt, wenn die Beeinträchtigung nicht wesentlich ist.
Regeste
Art. 16 Abs. 1, Abs. 3 und Art. 21 Abs. 1 DBG; Art. 12 Abs. 2 lit. c StHG; Steuerfolgen einer Entschädigung für die Eintragung einer Bauhöhenbeschränkung; Begriffe der "wesentlichen Beeinträchtigung" und des "Aktiventauschs". Wird ein Grundstück mit einer Dienstbarkeit belastet, beurteilen sich die Einkommenssteuerfolgen dieses Geschäfts aufgrund des Gebots der vertikalen Steuerharmonisierung im Lichte von Art. 12 Abs. 2 lit. c StHG (E. 3.1-3.4). Für die Frage, ob eine Grunddienstbarkeit eine wesentliche Beeinträchtigung i.S.v. Art. 12 Abs. 2 lit. c StHG bewirkt, ist die Höhe des dafür bezahlten Entgelts ein starker Anhaltspunkt (E. 3.5-3.7). Der steuerneutrale Aktiventausch setzt den Tausch eines Vermögenswerts gegen einen anderen und damit eine Veräusserung voraus. Die Belastung eines Grundstücks mit einer Grunddienstbarkeit, die unter der Wesentlichkeitsschwelle von Art. 12 Abs. 2 lit. c StHG bleibt, stellt keine Veräusserung dar. Dafür erhaltenes Entgelt unterliegt nach Art. 16 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 DBG der Einkommenssteuer (E. 4.1-4.3). Abgrenzung von BGE 139 II 363 (E. 4.4). Regeste Art. 16 al. 1, al. 3 et art. 21 al. 1 LIFD; art. 12 al. 2 let. c LHID; conséquences fiscales d'une indemnité pour l'inscription d'une limitation de la hauteur de construction; notions d'"atteinte essentielle" et d'"échange d'actifs". Lorsqu'un immeuble est grevé d'une servitude, les conséquences fiscales en matière d'impôt sur le revenu de cette opération s'apprécient à la lumière de l'art. 12 al. 2 let. c LHID (en raison de la nécessité de l'harmonisation fiscale verticale; consid. 3.1-3.4). Le montant de la contre-prestation versé constitue un indice fort pour savoir si une servitude foncière entraîne une atteinte essentielle au sens de l'art. 12 al. 2 let. c LHID (consid. 3.5-3.7). L'échange d'actifs neutre sur le plan fiscal présuppose l'échange d'un bien contre un autre et donc une aliénation. La constitution d'une servitude foncière sur un immeuble, dont l'atteinte reste sous le seuil d'importance de l'art. 12 al. 2 let. c LHID, ne constitue pas une aliénation. La contre-prestation reçue à cet effet est soumise à l'impôt sur le revenu conformément aux art. 16 al. 1 et 21 al. 1 LIFD (consid. 4.1-4.3). Distinction avec l' ATF 139 II 363 (consid. 4.4). Regesto Art. 16 cpv. 1, cpv. 3 e art. 21 cpv. 1 LIFD; art. 12 cpv. 2 lett. c LAID; conseguenze fiscali di un'indennità per l'iscrizione di una limitazione dell'altezza di costruzione; nozioni di "limitazione importante" e di "scambio di attivi". Quando un immobile viene gravato da una servitù, le conseguenze fiscali in materia di imposta sul reddito di questa operazione vanno apprezzate alla luce dell'art. 12 cpv. 2 lett. c LAID (in ragione della necessità di un'armonizzazione fiscale verticale; consid. 3.1-3.4). Per sapere se una servitù prediale comporta una limitazione essenziale ai sensi dell'art. 12 cpv. 2 lett. c LAID, l'importo versato quale controprestazione costituisce un indizio forte (consid. 3.5-3.7). Uno scambio di attivi fiscalmente neutro presuppone lo scambio di un bene patrimoniale con un altro, quindi un'alienazione. La costituzione su un immobile di una servitù prediale, che comporta una "limitazione" che resta sotto la soglia di importanza dell'art. 12 cpv. 2 lett. c LAID, non costituisce un'alienazione. La controprestazione ricevuta a tal fine sottostà, giusta l'art. 16 cpv. 1 e l'art. 21 cpv. 1 LIFD, all'imposta sul reddito (consid. 4.1-4.3). Distinzione dalla DTF 139 II 363 (consid. 4.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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