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Justizze. Art. 49 StGB

Bundesgericht

Staatsanwaltschaft rügt Gesamtstrafenbildung: Kumulation von Freiheits- und Geldstrafe zulässig, da konkrete Gleichartigkeit fehlt (Art. 49 StGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 138 IV 120 · ATF 138 IV 120 · DTF 138 IV 120
Datum
30.04.2012
Geschäftsnummer
BGE 138 IV 120
Abteilung
CH_BGE_006
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 19 BetmG Art. 91 SVG Art. 49 StGB Art. 68 StGB Art. 181 StGB Art. 186 StGB

Zusammenfassung

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis focht ein Urteil des Kantonsgerichts an, mit dem X. wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahls, Hausfriedensbruchs, versuchter Nötigung und Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt worden war. Das Kantonsgericht hatte eine Zusatzfreiheitsstrafe zu einer früheren deutschen Verurteilung sowie eine bedingte Geldstrafe und eine Busse kumulativ ausgesprochen. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Aufhebung dieser Punkte und die Rückweisung zur Neubeurteilung, da sie die Methodik der Strafzumessung als fehlerhaft ansah und eine Gesamtstrafenbildung verlangte.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten war. Es bestätigte, dass die Vorinstanz die Strafen korrekt kumuliert hatte. Gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB ist die Bildung einer Gesamtstrafe nur bei gleichartigen Strafen möglich. Der Begriff der Gleichartigkeit wird nach der "konkreten Methode" ausgelegt: Mehrere gleichartige Strafen liegen nur vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfallen würde. Dass die gesetzlichen Tatbestände (hier Art. 19 Ziff. 2 BetmG, Art. 181 StGB, Art. 186 StGB, Art. 91 Abs. 1 SVG) abstrakt alternative Sanktionen vorsehen, genügt nicht. Da die Vorinstanz für die Delikte nach der früheren Verurteilung zurecht eine Geldstrafe statt einer Freiheitsstrafe wählte (gestützt auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit bei Alternativstrafen), waren die Strafen ungleichartig und daher kumulativ zu verhängen. Eine Erhöhung der Zusatzstrafe wäre nur bei retrospektiver Konkurrenz nach Art. 49 Abs. 2 StGB unter Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB möglich gewesen, was hier aber an der Ungleichartigkeit scheiterte. Bezüglich des Vollzugs hielt das Gericht fest, dass bei kumulierten ungleichartigen Strafen die Frage des bedingten oder unbedingten Vollzugs für jede Strafe separat zu betrachten ist und nicht auf die Gesamtsanktion abgestellt werden darf. Die Vorinstanz durfte daher die Geldstrafe bedingt aussprechen und auf deren Vollzug verzichten, während die Freiheitsstrafe vollziehbar erklärt wurde.

Regeste

Art. 49 Abs. 1 und 2 StGB; Präzisierung des Begriffs der Gleichartigkeit der Strafen; Vollzug bei kumulativ verhängten Strafen. Eine Erhöhung der Zusatzstrafe im Falle einer (teilweisen) retrospektiven Konkurrenz (Art. 49 Abs. 2 StGB) ist in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB vorzunehmen. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen möglich, während ungleichartige Strafen kumulativ zu verhängen sind (BGE 137 IV 57). Mehrere gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt (konkrete Methode). Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen vorsehen, genügt nicht (E. 5). Bei der Frage, ob die kumulierten Strafen bedingt oder unbedingt auszusprechen sind, ist nicht auf die aus Freiheits- und Geldstrafe zusammengesetzte Gesamtsanktion (wie bei gleichartig asperierten Strafen) abzustellen. Vielmehr sind die einzelnen Strafen je für sich zu betrachten (E. 6). Regeste Art. 49 al. 1 et 2 CP; précision de la notion d'identité des peines; exécution en cas de peines prononcées cumulativement. Une augmentation de la peine complémentaire en cas de concours (partiellement) rétrospectif (art. 49 al. 2 CP) doit être effectuée en application de l'art. 49 al. 1 CP. La formation d'une peine d'ensemble n'est possible que pour des peines du même genre, alors que des peines d'un genre différent doivent être prononcées cumulativement (ATF 137 IV 57). Il y a plusieurs peines identiques lorsque le tribunal prononce dans le cas d'espèce, pour chaque norme violée, des peines du même genre (méthode concrète). Le fait que les dispositions pénales applicables prévoient, de manière abstraite, des peines d'un même genre ne suffit pas (consid. 5). Pour la question de savoir si les peines prononcées cumulativement doivent l'être avec ou sans sursis, il ne faut pas se fonder sur la sanction comprenant dans son ensemble une peine privative de liberté et une peine pécuniaire (comme en cas d'absorption de peines du même genre). Il y a plutôt lieu de considérer chaque peine pour elle-même (consid. 6). Regesto Art. 49 cpv. 1 e 2 CP; precisazione della nozione di identità del genere di pene; esecuzione di pene cumulate. Un aggravamento della pena complementare in caso di concorso (parzialmente) retrospettivo (art. 49 cpv. 2 CP) dev'essere effettuato in applicazione dell'art. 49 cpv. 1 CP. È possibile infliggere una pena unica solo in presenza di pene dello stesso genere, mentre quelle di diverso genere devono essere cumulate (DTF 137 IV 57). Sussiste identità del genere di pene ove il tribunale irroghi nel caso concreto pene dello stesso genere per ognuna delle norme violate (metodo concreto). Non basta che le disposizioni penali applicabili comminino in astratto pene dello stesso genere (consid. 5). La questione di sapere se le pene cumulate debbano o meno essere sospese condizionalmente non va risolta sulla base della sanzione complessiva composta dalla pena detentiva e dalla pena pecuniaria (come in caso d'inasprimento di pene dello stesso genere). Le singole pene devono piuttosto essere considerate individualmente (consid. 6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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