Definitive Rechtsöffnung gestützt auf Schiedsspruch trotz fehlender Schiedsvereinbarung und Begründung gewährt (Art. 80 Abs. 1 SchKG, Art. 190 IPRG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 130 III 125 · ATF 130 III 125 · DTF 130 III 125
- Datum
- 09.12.2003
- Geschäftsnummer
- BGE 130 III 125
- Abteilung
- CH_BGE_005
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 1 IPRG Art. 176 IPRG Art. 189 IPRG Art. 190 IPRG Art. 193 IPRG Art. 80 SchKG
Zusammenfassung
Ein Gläubiger begehrt die definitive Rechtsöffnung aufgrund eines ausländischen Schiedsspruchs, der eine Zahlung von USD 425'000 und GBP 15'000 anordnet. Der Schuldner wehrt sich mit einer staatsrechtlichen Beschwerde gegen die Erteilung der Rechtsöffnung. Er rügt, dass der Gläubiger die zugrunde liegende Schiedsvereinbarung nicht vorgelegt habe, der Schiedsspruch keine Begründung enthalte, die Parteibezeichnung ungenau sei und nie eine ordnungsgemässe Klage eingereicht worden sei. Der Schuldner macht geltend, es handle sich um einen nichtigen Nichtentscheid, da er am Verfahren nicht beteiligt gewesen sei und die Anfechtungsmöglichkeiten verwirkt seien.
Das Bundesgericht weist die staatsrechtliche Beschwerde ab, soweit darauf eingetreten wird. Gemäss Art. 80 Abs. 1 SchKG genügt für die definitive Rechtsöffnung die Vorlage des Schiedsentscheids nach Art. 189 IPRG und allfälliger Vollstreckbarkeitsbescheinigung nach Art. 193 Abs. 2 IPRG; die Schiedsvereinbarung muss im Rechtsöffnungsverfahren nicht beigelegt werden, da deren Fehlen ein Anfechtungsgrund nach Art. 190 Abs. 2 lit. b IPRG wäre, der hier verjährt ist. Die fehlende Begründung des Schiedsspruchs steht der Rechtsöffnung nicht entgegen, da sie weder einen Anfechtungsgrund nach Art. 190 Abs. 2 IPRG bildet noch gegen den Ordre public (Art. 190 Abs. 2 lit. e IPRG) verstösst und dispositive Natur hat. Auch die ursprünglich ungenaue Parteibezeichnung "German family" wurde durch eine spätere Erläuterung des Schiedsrichters konkretisiert; da der Schuldner diese Erläuterung nicht mit Beschwerde nach Art. 190 Abs. 2 IPRG angefochten hat, darf das Rechtsöffnungsgericht diesen Einwand nicht mehr prüfen. Ebenso wenig obliegt es dem Rechtsöffnungsrichter, nachträglich zu untersuchen, ob eine Klage eingereicht wurde, wenn der Schuldner die entsprechenden Rügen (Art. 190 Abs. 2 lit. b, c, e IPRG) nicht rechtzeitig erhoben hat. Im konkreten Fall liegt kein nichtiger Nichtentscheid vor, da das Schriftstück als Entscheid bezeichnet, datiert und unterzeichnet war, eine rudimentäre Schiedsvereinbarung bestand und der Schuldner den Spruch beim Oberlandesgericht Düsseldorf erfolglos angefochten hatte, was seine Kenntnis und Beteiligung belegt.
Regeste
Internationales Privatrecht; definitive Rechtsöffnung aufgrund eines Schiedsspruchs (Art. 80 Abs. 1 SchKG, Art. 1 Abs. 1 lit. e, Art. 189 und 190 IPRG). Es ist nicht willkürlich, gestützt auf einen Schiedsspruch definitive Rechtsöffnung zu gewähren, obwohl der Gläubiger die dem Schiedsspruch zugrunde liegende Schiedsvereinbarung nicht vorgelegt hat (E. 2.1). Die fehlende Begründung des Schiedsspruchs bildet keinen Anfechtungsgrund; dieser Umstand steht daher auch der Gewährung der definitiven Rechtsöffnung gestützt auf den Schiedsspruch nicht entgegen (E. 2.2). Da die Erläuterung des Schiedsspruchs mit Beschwerde hätte angefochten werden können, eine Anfechtung aber unterblieben ist, erweist sich die Annahme der kantonalen Instanz nicht als willkürlich, es stehe ihr im Rahmen des Rechtsöffnungsverfahrens nicht zu, die Einwendung der mangelhaften Erläuterung zu prüfen (E. 2.3). Mangels Beschwerde gegen den Schiedsspruch ist die Auffassung der kantonalen Instanz nicht willkürlich, sie habe im Rechtsöffnungsverfahren nicht zu prüfen, ob dem Schiedsgericht eine Klage bzw. ein Rechtsbegehren unterbreitet worden sei (E. 2.4). Verneinung der Nichtigkeit des Schiedsspruchs im konkreten Fall (E. 3). Regeste Droit international privé; mainlevée définitive de l'opposition fondée sur une sentence arbitrale (art. 80 al. 1 LP, art. 1 al. 1 let. e, art. 189 et 190 LDIP). Il n'est pas arbitraire de prononcer la mainlevée définitive de l'opposition sur la base d'une sentence arbitrale, bien que le créancier n'ait pas produit la convention d'arbitrage dont elle découle (consid. 2.1). Le défaut de motivation de la sentence arbitrale ne constitue pas un motif de recours; cette circonstance ne s'oppose par conséquent pas non plus à l'octroi de la mainlevée définitive sur la base de la sentence arbitrale (consid. 2.2). Comme l'interprétation de la sentence arbitrale aurait pu faire l'objet d'un recours, mais que tel n'a pas été le cas, la conception de l'autorité cantonale, selon laquelle il ne lui appartient pas d'examiner, dans le cadre de la procédure de mainlevée, l'exception de l'erreur d'interprétation, ne se révèle pas arbitraire (consid. 2.3). Faute de recours contre la sentence arbitrale, l'opinion de l'autorité cantonale, selon laquelle elle n'a pas à vérifier en procédure de mainlevée si une demande, respectivement une requête a été soumise au tribunal arbitral, n'est pas arbitraire (consid. 2.4). Nullité de la sentence arbitrale niée dans le cas concret (consid. 3). Regesto Diritto internazionale privato; rigetto definitivo dell'opposizione sulla base di un lodo arbitrale (art. 80 cpv. 1 LEF, art. 1 cpv. 1 lett. e, art. 189 e 190 LDIP). Non è arbitrario accordare il rigetto definitivo dell'opposizione sulla base di un lodo arbitrale, sebbene il creditore non abbia prodotto il patto d'arbitrato posto a fondamento del lodo (consid. 2.1). L'assenza di una motivazione del lodo non costituisce un motivo di contestazione; questa circostanza non ostacola quindi nemmeno la pronuncia del rigetto definitivo dell'opposizione sulla base del lodo (consid. 2.2). Poiché l'interpretazione del lodo avrebbe potuto essere impugnata con un ricorso, che però non è stato esperito, non si rivela arbitrario l'assunto dell'autorità cantonale secondo cui nell'ambito della procedura di rigetto dell'opposizione non le compete esaminare l'eccezione concernente un'interpretazione viziata (consid. 2.3). In mancanza di un ricorso contro il lodo, non è arbitraria l'opinione dell'autorità cantonale secondo cui nella procedura di rigetto dell'opposizione essa non deve esaminare se al tribunale arbitrale sia stata sottoposta un'azione risp. una domanda (consid. 2.4). Nullità del lodo arbitrale negata nella fattispecie (consid. 3).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
Verwandte Entscheide
- Befangenheitsrüge gegen CAS-Schiedsrichter verwirkt nach vorbehaltloser Teilnahme am Hearing (Art. 182 Abs. 4 IPRG)
- Investoren aus Singapur klagen gegen Volksrepublik China wegen Enteignung ihrer Minen: Schiedsgerichtsbarkeit beschränkt auf Entschädigungshöhe, nicht auf Vorliegen der Enteignung (Art. 13 Abs. 3 ISA 1985)
- Rabbinisches Schiedsgericht in Zürich fällt unzureichend begründeten Schiedsspruch: Bundesgericht verweigert Überprüfung mangels Begründung und Sachverhaltsfeststellungen (Art. 190 Abs. 2 IPRG)
- Beschwerde gegen Schiedsspruch: Ablehnung eines Schiedsrichters führt nicht zur automatischen Wiederholung des Verfahrens (Art. 190 Abs. 2 lit. a, d, e IPRG)
- ICC-Schiedsspruch: Keine Bindung an Erwägungen ausländischen Vorentscheids bei anderer Forderung (Art. 190 Abs. 2 lit. e IPRG)
- Fussballclub bestreitet TAS-Zuständigkeit bei fehlerhafter Schiedsklausel: Teilnichtigkeit behoben durch Vertragsergänzung, Beschwerde abgewiesen (Art. 190 Abs. 2 lit. b IPRG)
- Dänische Klägerin klagt Schweizer Beklagte wegen Patentverletzung: Gerichtsstand am Erfolgsort Bern verneint, nur Sitz der Beklagten zuständig (Art. 5 Ziff. 3 LugÜ)
- Staatsrechtliche Beschwerde gegen Vorprüfungsentscheid des Schiedsgerichts für nachrichtenlose Konten unzulässig (Art. 176 IPRG, Art. 85 lit. c OG)