Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 16 BV

Bundesgericht

Demonstrationsverbot am WEF-Samstag in Davos wegen Verkehrschaos und Gewaltrisiko: Beschwerde abgewiesen (Art. 16, 22, 36 BV)

BGE / ATF / DTF
BGE 127 I 164 · ATF 127 I 164 · DTF 127 I 164
Datum
20.09.2001
Geschäftsnummer
BGE 127 I 164
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 16 BV Art. 22 BV Art. 35 BV Art. 36 BV Art. 11 EMRK Art. 88 OG Art. 21 UNO-Pakt

Zusammenfassung

Die Partei der Arbeit Zürich beantragte als Teil der Anti-WTO-Koordination bei der Landschaft Davos Gemeinde die Bewilligung für eine Demonstration gegen das World Economic Forum am Samstag, 27. Januar 2001, zwischen 14 und 17 Uhr auf der Route Bahnhof Davos Dorf bis Bahnhof Davos Platz. Der Kleine Landrat verweigerte die Bewilligung aufgrund der prekären Verkehrsverhältnisse an Samstagen während der Wintersaison und des Gästewechsels sowie wegen konkreter Gefahren von Ausschreitungen und Gewalttätigkeiten, die durch internationale Erfahrungen und Internet-Aufrufe belegt waren. Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden wies den Rekurs ab und bestätigte die Bewilligungsverweigerung. Die Beschwerdeführer rügten beim Bundesgericht eine Verletzung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit gemäss Bundesverfassung, EMRK und UNO-Pakt II sowie ungenügende Prüfung von Alternativen wie anderen Routen, stationären Platzdemonstrationen oder einer zeitlichen Verschiebung auf einen Sonntag.

Das Bundesgericht wies die staatsrechtliche Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten war, da trotz fehlendem aktuellem Interesse eine Prüfung der Grundsatzfragen geboten war. Die Verweigerung des Demonstrationszugs am Samstag, 27. Januar 2001, war verhältnismässig, weil in Davos an Samstagen aufgrund des Gästewechsels regelmässig ein Verkehrskollaps drohte und keine Ausweichrouten bestanden, was die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung und der Sicherheitsdienste unverhältnismässig beeinträchtigt hätte. Zudem lag ein konkretes Sicherheitsrisiko vor, da im Vorfeld des Forums explizite Aufrufe zu gewaltsamen Aktionen und Anleitungen für Aktivisten im Internet kursierten, was einen massiven Polizeiaufwand erfordert und die Verkehrssituation weiter verschärft hätte.

Hinsichtlich alternativer Formen der Kundgebung stellte das Gericht fest, dass die kantonalen Behörden private Plätze, die dem Gemeingebrauch gewidmet sind, nicht pauschal ausschliessen durften, sondern deren Eignung hätten prüfen müssen. Da die Beschwerdeführer jedoch im Verfahren widersprüchlich handelten – sie bestritten einerseits, an einem anderen Tag interessiert zu sein, rügten andererseits aber eine allfällige Verschiebung auf Sonntag als unverhältnismässig –, durfte die Behörde von einer Prüfung dieser Alternative absehen. Eine zeitliche Verschiebung wäre materiell zwar denkbar gewesen, da die Medienpräsenz während des gesamten Forums gegeben war, doch konnten die Beschwerdeführer aufgrund ihres prozessualen Verhaltens keine Verletzung ihrer Rechte geltend machen. Das Urteil klärt somit grundsätzlich die Anforderungen an die Interessenabwägung bei Demonstrationen auf öffentlichem Grund und im Gemeingebrauch stehenden privaten Flächen unter Berücksichtigung von Art. 16, Art. 22 und Art. 36 BV sowie Art. 11 EMRK und Art. 21 UNO-Pakt II.

Regeste

Verweigerung einer Demonstration anlässlich des Weltwirtschaftsforums 2001 in Davos; Meinungs- und Versammlungsfreiheit; Art. 16 und 22 BV, Art. 11 EMRK, Art. 21 UNO-Pakt II. Prüfungsprogramm bei Fehlen eines aktuellen Interesses; Beschränkung auf grundsätzliche Fragen (E. 1a und 6). Grundzüge der Meinungs- und Versammlungsfreiheit hinsichtlich Durchführung von Kundgebungen auf öffentlichem Grund: Bewilligungspflicht, Interessenabwägung unter Beachtung des ideellen Gehalts der Grundrechte, Anordnung von Auflagen und Bedingungen, Mitwirkungspflicht der Veranstalter (E. 3). Prüfung des Ersuchens unter dem Aspekt der Verkehrsverhältnisse und des Gefahrenrisikos (E. 4). Grundsätzlicher Anspruch, Kundgebungen auch auf Plätzen durchzuführen, die nicht im öffentlichen Eigentum stehen, hingegen dem Gemeingebrauch gewidmet sind (E. 5b). Beurteilung der zeitlichen Verschiebung einer Kundgebung (E. 5c). Regeste Refus d'une autorisation de manifester à l'occasion du Forum économique mondial 2001 à Davos; liberté d'opinion et de réunion; art. 16 et 22 Cst., art. 11 CEDH, art. 21 Pacte ONU II. Etendue de l'examen en cas d'inexistence d'un intérêt actuel; limitation aux questions fondamentales (consid. 1a et 6). Principes de la liberté d'opinion et de réunion en matière de manifestation sur le domaine public: assujettissement à autorisation, pesée des intérêts en fonction du contenu idéal des droits fondamentaux, fixation de charges et de conditions, devoir de collaboration des organisateurs (consid. 3). Examen de la demande du point de vue des conditions de trafic et des risques de troubles (consid. 4). Droit d'organiser, en principe, des manifestations aussi sur des places qui n'appartiennent pas au domaine public, mais sont néanmoins affectées à l'usage commun (consid. 5b). Appréciation du report d'une manifestation à un autre moment (consid. 5c). Regesto Rifiuto di un'autorizzazione a manifestare in occasione del Forum economico mondiale 2001 a Davos; libertà di opinione e di riunione; art. 16 e 22 Cost., art. 11 CEDU, art. 21 Patto ONU II. Estensione dell'esame in caso di inesistenza di un interesse attuale; limitazione alle questioni fondamentali (consid. 1a e 6). Principi della libertà di opinione e riunione in materia di manifestazioni sul suolo pubblico: obbligo di un'autorizzazione, ponderazione degli interessi in funzione del contenuto ideale dei diritti fondamentali, fissazione di oneri e condizioni, dovere di collaborazione degli organizzatori (consid. 3). Esame della domanda dal punto di vista delle condizioni del traffico e dei rischi di disordini (consid. 4). Diritto di organizzare, in principio, manifestazioni anche in luoghi che non appartengono al demanio pubblico, ma che tuttavia sono aperti al pubblico uso (consid. 5b). Valutazione del rinvio di una manifestazione in un altro momento (consid. 5c).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

Verwandte Entscheide