Apotheker fehlt Legitimation zur Anfechtung kantonaler Selbstdispensationsregelung mangels Schutznorm (Art. 88 OG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 131 I 198 · ATF 131 I 198 · DTF 131 I 198
- Datum
- 09.03.2005
- Geschäftsnummer
- BGE 131 I 198
- Abteilung
- CH_BGE_001
- Ausgang
- Nichteintreten
Tragende Normen
Zusammenfassung
Der Apothekerverein des Kantons Solothurn sowie einzelne Apotheker und ein Kunde erheben staatsrechtliche Beschwerde gegen das solothurnische Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über Arzneimittel und Medizinprodukte. Sie rügen, dass die kantonalen Bestimmungen zur Selbstdispensation durch Ärzte die Apotheker benachteiligen und gegen Bundesrecht verstossen. Die Beschwerdeführer beantragen die Aufhebung der entsprechenden Paragraphen des kantonalen Gesetzes.
Das Bundesgericht tritt auf die staatsrechtliche Beschwerde nicht ein, da den Beschwerdeführern die Legitimation gemäss Art. 88 OG fehlt.
Zur Anfechtung eines Erlasses auf dem Weg der abstrakten Normenkontrolle ist erforderlich, dass der Beschwerdeführer in seinen rechtlich geschützten Interessen betroffen ist. Dies gilt auch bei der Geltendmachung einer Verletzung des Grundsatzes der derogatorischen Kraft des Bundesrechts. Die angefochtenen Bestimmungen des solothurnischen Einführungsgesetzes regeln ausschliesslich die privaten Apotheken der Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, nicht aber die Tätigkeit der Apotheker. Eine unmittelbare Betroffenheit der Apotheker in ihrer eigenen Rechtsstellung liegt somit nicht vor.
Art. 37 Abs. 3 KVG stellt keine legitimationsbegründende Schutznorm zugunsten der Apotheker dar. Die Bestimmung ist als Kompromissvorschlag aus der parlamentarischen Beratung hervorgegangen und zu unbestimmt, um einen strukturpolitischen Schutz der Apotheken zu begründen. Das Heilmittelgesetz überlässt die Regelung der Selbstdispensation ohne Einschränkung den Kantonen. Auch die AVLOCA-Praxis führt nicht zur Legitimation. Es fehlt an einer Drittbegünstigung, da die kantonale Regelung den Ärzten nichts gestattet, was den Apothekern verwehrt wäre. Zudem besteht keine vergleichbare Lage, da der Handverkauf von Medikamenten an Nichtpatienten weiterhin verboten bleibt und somit keine direkte Konkurrenz zu Publikumsapotheken entsteht. Ein gelegentlicher Apothekenkunde wird lediglich reflexartig berührt und ist ebenfalls nicht beschwerdebefugt.
Regeste
Art. 8 und 49 Abs. 1 BV; Art. 88 OG; Art. 37 Abs. 3 KVG; Art. 26 Abs. 1 und Art. 30 HMG; §§ 19-21 des solothurnischen Gesetzes vom 10. September 2003 über die Einführung des Bundesgesetzes über Arzneimittel und Medizinprodukte; Arzneimittelabgabe durch Ärzte (Selbstdispensation); Legitimation der Apotheker zur staatsrechtlichen Beschwerde (abstrakte Normenkontrolle). Zur Anfechtung von Erlassen ist ein drohender Eingriff in rechtlich geschützte Interessen erforderlich, was auch bei der Geltendmachung einer Verletzung des Grundsatzes der derogatorischen Kraft des Bundesrechtes gilt (E. 2.1 und 2.3). Aus den einschlägigen bundesrechtlichen Bestimmungen (Art. 37 Abs. 3 KVG sowie Art. 26 Abs. 1 und Art. 30 HMG) allein lässt sich keine legitimationsbegründende Schutznorm im Sinne von Art. 88 OG zugunsten der Apotheker ableiten, um eine kantonal-gesetzliche Regelung betreffend die Arzneimittelabgabe durch Ärzte anfechten zu können (Bestätigung der Rechtsprechung; E. 2.5). Fehlende Legitimation auch nach Massgabe der Grundsätze zur Anfechtung von Erlassen wegen rechtsungleicher Begünstigung Dritter (sog. AVLOCA-Praxis; E. 2.6). Regeste Art. 8 et 49 al. 1 Cst.; art. 88 OJ; art. 37 al. 3 LAMal; art. 26 al. 1 et art. 30 LPTh; §§ 19-21 de la loi soleuroise du 10 septembre 2003 sur l'introduction de la loi fédérale sur les médicaments et les dispositifs médicaux; remise de médicaments par des médecins (dispensation directe); qualité des pharmaciens pour agir par la voie du recours de droit public (contrôle abstrait de normes). Pour pouvoir recourir contre un arrêté, il faut être menacé dans ses intérêts juridiquement protégés, ce qui vaut même lorsqu'est invoquée une violation du principe de la force dérogatoire du droit fédéral (consid. 2.1 et 2.3). Des seules dispositions du droit fédéral en cause (art. 37 al. 3 LAMal ainsi que les art. 26 al. 1 et 30 LPTh), ne découle pas de norme protectrice fondant la qualité pour recourir au sens de l'art. 88 OJ en faveur des pharmaciens, afin qu'ils puissent attaquer une réglementation légale cantonale concernant la remise de médicaments par des médecins (confirmation de jurisprudence; consid. 2.5). Défaut de légitimation aussi selon les principes valables pour recourir contre des arrêtés en raison d'un privilège contraire à l'égalité de traitement accordé à des tiers (jurisprudence dite AVLOCA; consid. 2.6). Regesto Art. 8 e 49 cpv. 1 Cost.; art. 88 OG; art. 37 cpv. 3 LAMal; art. 26 cpv. 1 e art. 30 LATer; §§ 19-21 della legge solettese del 10 settembre 2003 sull'introduzione della legge federale sui medicamenti e i dispositivi medici; fornitura di medicamenti da parte dei medici (dispensazione diretta); legittimazione dei farmacisti a presentare un ricorso di diritto pubblico (controllo astratto delle norme). La facoltà di impugnare un decreto presuppone la minaccia di una lesione ad interessi giuridicamente protetti, regola valida anche quando viene invocata la violazione del principio della forza derogatoria del diritto federale (consid. 2.1 e 2.3). Dalle sole disposizioni federali pertinenti (art. 37 cpv. 3 LAMal, art. 26 cpv. 1 e art. 30 LATer) non è possibile dedurre alcuna norma protettrice suscettibile di conferire ai farmacisti la legittimazione ai sensi dell'art. 88 OG, alfine di poter impugnare una regolamentazione legislativa cantonale concernente la fornitura di medicamenti da parte dei medici (conferma della giurisprudenza; consid. 2.5). Carenza di legittimazione pure in virtù dei principi per l'impugnazione di decreti in ragione di un privilegio accordato a terzi contrario al precetto di uguaglianza giuridica (cosiddetta AVLOCA-Praxis; consid. 2.6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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