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Justizze. Art. 141 StPO

Bundesgericht

Beschwerdeführer rügen Verwertung privater Videoaufnahmen bei qualifiziertem Raub: Abstrakter Massstab für hypothetisch rechtmässige Erlangbarkeit bestätigt (Art. 141 StPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 IV 124 · ATF 151 IV 124 · DTF 151 IV 124
Datum
01.01.2025
Geschäftsnummer
BGE 151 IV 124
Abteilung
CH_BGE_006
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 141 StPO Art. 264 StPO Art. 269 StPO Art. 282 StPO

Zusammenfassung

Zwei Beschwerdeführer hatten beim Bundesgericht gegen Urteile des Obergerichts Aargau Beschwerde in Strafsachen erhoben, mit denen sie wegen qualifizierten (lebensgefährlichen) Raubs und Hausfriedensbruchs verurteilt worden waren. Sie wandten sich insbesondere gegen die Verwertung zweier Videoaufnahmen, die von Privatpersonen – einer Nachbarliegenschaft und einer Tankstelle – rechtswidrig erstellt worden waren. Streitig war, ob diese Aufnahmen trotz ihrer rechtswidrigen Herkunft im Strafverfahren verwertet werden durften, insbesondere ob die Strafbehörden sie hypothetisch rechtmässig hätten erlangen können und ob die Schwere der Tat eine Interessenabwägung zugunsten der Verwertung gebot.

Das Bundesgericht wies die Beschwerden ab. Es bestätigte den abstrakten Beurteilungsmaßstab für die hypothetisch rechtmässige Erlangbarkeit privater Beweismittel durch die Strafbehörden: Entscheidend ist nicht, ob zum Zeitpunkt der privaten Aufnahme bereits ein konkreter Tatverdacht bestand oder ob die Ermittlung unter den konkreten Umständen verhältnismässig gewesen wäre, sondern ob das Beweismittel grundsätzlich im gesetzlichen Beweisdispositiv vorgesehen ist und keiner gesetzlichen Einschränkung unterliegt. Die Videoaufnahmen der Überwachungskamera am Nachbargrundstück Weg U. y und der Tankstelle in W. hätten nach Art. 282 Abs. 1 StPO rechtmässig an diesen allgemein zugänglichen Orten angefertigt werden können, sofern ein Tatverdacht bestanden hätte; sie sind daher vom gesetzlichen Beweisdispositiv umfasst und nicht durch Beschlagnahmeverbote nach Art. 264 StPO oder das Erfordernis einer Katalogtat nach Art. 269 Abs. 2 StPO eingeschränkt. Der lebensgefährliche Raub stellt eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO dar, sodass die Interessenabwägung zugunsten der Verwertung ausfällt. Damit war die Verwertung der Videoaufnahmen rechtmässig, und die Vorinstanz verletzte kein Bundesrecht. Die Beschwerdeführer beanstandeten zudem, dass die Vorinstanz auf die Videoaufnahmen zur Feststellung ihrer Täterschaft abgestellt habe; da diese Aufnahmen jedoch verwertbar sind und im Rahmen der indirekten Beweiswürdigung entscheidrelevant waren, war dieser Einwand unbegründet. Das Bundesgericht stützte seine Entscheidung auf Art. 141 StPO, Art. 141 Abs. 2 StPO, Art. 264 StPO, Art. 269 Abs. 2 StPO und Art. 282 Abs. 1 StPO. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie die Rechtsprechung zum abstrakten Massstab für die hypothetische Erlangbarkeit klar bestätigt und die Bedeutung konkreter Umstände wie Tatverdacht oder Verhältnismässigkeit ausdrücklich ausschließt – ein Grundsatzurteil zur Verwertbarkeit privater Videoaufnahmen im Strafrecht.

Regeste

Art. 141 StPO; Verwertbarkeit von Beweisen, die durch Private rechtswidrig beschafft worden sind; Voraussetzung der hypothetisch rechtmässigen Erlangbarkeit durch die Strafbehörden. Bei der Prüfung des Erfordernisses, ob die Strafbehörden ein durch Private rechtswidrig erhältlich gemachtes Beweismittel rechtmässig hätten erlangen können, findet ein abstrakter Beurteilungsmassstab Anwendung. In Bestätigung der Rechtsprechung sind in die Hypothesenbildung nur solche gesetzlichen Erfordernisse einzubeziehen, die sich abstrakt anwenden lassen und keine Würdigung konkreter Umstände der Beweiserlangung erfordern. Zu prüfen ist, ob der private Beweis im zu beurteilenden Fall aufgrund der abstrakten Gesetzeslage hätte beschafft werden können, d.h. ob er vom gesetzlich vorgesehenen Beweisdispositiv umfasst und von keinen gesetzlichen Einschränkungen betroffen ist. Das Vorliegen eines Tatverdachts sowie Verhältnismässigkeitsgesichtspunkte, die eine Würdigung der konkreten Umstände der Beweiserlangung im Einzelfall bedingen, sind hingegen nicht zu beurteilen (E. 2, insb. E. 2.6). Regeste Art. 141 CPP; exploitabilité de moyens de preuve récoltés de façon illicite par des particuliers; condition d'une récolte hypothétiquement licite par l'autorité pénale. La question de savoir si une autorité pénale aurait pu récolter de façon licite une preuve obtenue de façon illicite par des particuliers s'examine à l'aune de critères abstraits. Doit être confirmée la jurisprudence selon laquelle il convient uniquement de s'attacher à des exigences légales qui se laissent appréhender dans l'abstrait et qui n'exigent aucun examen des circonstances concrètes relatives à l'obtention des moyens de preuve concernés. Il convient de déterminer si la preuve recueillie par une personne physique aurait pu, dans le cas d'espèce, être obtenue de manière abstraitement conforme au droit, c'est-à-dire en conformité avec les dispositions légales relatives aux moyens de preuve et sans être touchée par aucune restriction prévue par la loi. L'existence de soupçons, ainsi que les questions de proportionnalité, qui nécessitent l'appréciation des circonstances concrètes d'obtention du moyen de preuve concerné, n'ont par contre pas à être examinés (consid. 2, spéc. consid. 2.6). Regesto Art. 141 CPP; utilizzabilità di prove raccolte illecitamente da un privato cittadino; condizione di un'ipotetica acquisizione lecita da parte delle autorità penali. È sulla scorta di criteri astratti che si esamina se le autorità penali avrebbero potuto raccogliere legalmente un mezzo di prova ottenuto illecitamente da un privato cittadino. Secondo la giurisprudenza, che dev'essere confermata, nell'esame di questa ipotesi si devono considerare unicamente i requisiti legali che possono essere applicati in modo astratto e che non implicano una valutazione delle circostanze concrete dell'acquisizione della prova. Occorre verificare se, nel caso concreto, la prova del privato cittadino avrebbe potuto essere raccolta in base alla normativa astratta, in altre parole se sia inclusa tra i mezzi probatori previsti dalla legge e non sia oggetto di restrizioni legali. Non si deve per contro tener conto dell'esistenza di indizi di reato e neppure degli aspetti del principio della proporzionalità, che presuppongono una valutazione delle circostanze concrete della raccolta della prova nel singolo caso (consid. 2, segnatamente consid. 2.6).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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