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Justizze. Art. 31 AVIG

Bundesgericht

Arbeitgeber bestätigt bei Kontrolle fehlende Zeiterfassung für neun Mitarbeitende: Kurzarbeitsentschädigung wird zurückgefordert, weil Arbeitsausfall nicht kontrollierbar (Art. 31 Abs. 3 lit. a AVIG)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 V 249 · ATF 150 V 249 · DTF 150 V 249
Datum
07.03.2024
Geschäftsnummer
BGE 150 V 249
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 25 ATSG Art. 43 ATSG Art. 31 AVIG Art. 42 AVIG Art. 47 AVIG Art. 95 AVIG

Zusammenfassung

Die A. AG, ein Autohandels- und Werkstattbetrieb, bezog während der Covid-19-Pandemie von März 2020 bis Februar 2021 Kurzarbeitsentschädigung für ihre Mitarbeitenden. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) forderte nach einer Arbeitgeberkontrolle vom 24. März 2021 einen Teil der Leistungen zurück, weil für neun Mitarbeitende keine betriebliche Arbeitszeiterfassung vorgelegt wurde. Die A. AG legte nachträglich Zeiterfassungsbelege nach und bestritt die Rückforderung. Sie berief sich auf einen Irrtum der Geschäftsführerin bei der Unterzeichnung des Kontrollformulars und machte geltend, die nachgereichten Belege müssten berücksichtigt werden. Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde ab. Die A. AG erhob Beschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der A. AG ab. Es stellte fest, dass die Geschäftsführerin der A. AG bei der Arbeitgeberkontrolle vom 24. März 2021 schriftlich bestätigt hatte, dass für neun Mitarbeitende keine Arbeitszeiterfassung existierte. Diese Bestätigung war rechtsgültig und verbindlich. Die nachträglich eingereichten Zeiterfassungsbelege konnten daher nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen einer betrieblichen Arbeitszeitkontrolle im Sinne von Art. 46b Abs. 1 AVIV genügen, da sie nicht die Voraussetzung einer täglich fortlaufenden Aufzeichnung erfüllten und ihre Authentizität nicht offensichtlich war. Die Vorinstanz durfte diese Belege daher nicht berücksichtigen. Die Beweiswürdigung durch das Bundesverwaltungsgericht war nicht offensichtlich unrichtig oder rechtsfehlerhaft, denn das Bundesgericht prüft solche Tatfragen nur auf offensichtliche Unrichtigkeit und Rechtsfehlerhaftigkeit (Art. 105 Abs. 2 BGG). Da der Arbeitsausfall für die betroffenen Mitarbeitenden nicht ausreichend kontrollierbar war, fehlte es an einer materiell-rechtlichen Anspruchsvoraussetzung für den Bezug der Kurzarbeitsentschädigung gemäss Art. 31 Abs. 3 lit. a AVIG. Die Leistungszusprache war daher unrichtig, und die Rückforderungsvoraussetzungen gemäss Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 ATSG waren erfüllt. Die Beschwerde war somit unbegründet.

Regeste

Art. 31 Abs. 3 lit. a AVIG; Art. 46b AVIV; Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung - Arbeitszeiterfassung. Nach Art. 31 Abs. 3 lit. a AVIG haben Arbeitnehmer, deren Arbeitsausfall nicht bestimmbar oder deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist, keinen Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung. Die genügende Kontrollierbarkeit des Arbeitsausfalles setzt eine betriebliche Arbeitszeitkontrolle voraus (Art. 46b Abs. 1 AVIV). Damit soll sichergestellt werden, dass der Arbeitsausfall für die Durchführungsorgane der Arbeitslosenversicherung überprüfbar ist (E. 3.1.1). Die Rechtmässigkeit der bezogenen Leistungen lässt sich praxisgemäss einzig anhand von detaillierten betrieblichen Unterlagen, namentlich auf Grund eines hinreichenden Zeiterfassungssystems im Sinne des Erfordernisses der täglich fortlaufenden Aufzeichnung feststellen (E. 5.1.2). Ob bei Zeiterfassungsbelegen, die Arbeitgebende erst im Nachgang zu einer Arbeitgeberkontrolle offenlegen, im Sinne der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts eine "offensichtliche Authentizität" zu fordern ist, damit sie überhaupt einer weiteren Prüfung zu unterziehen sind, konnte im konkreten Fall offenbleiben (E. 5.1.1). Regeste Art. 31 al. 3 let. a LACI; art. 46b OACI; droit à l'indemnité en cas de réduction de l'horaire de travail - saisie du temps de travail. Selon l'art. 31 al. 3 let. a LACI, les travailleurs dont la réduction de l'horaire de travail ne peut être déterminée ou dont l'horaire de travail n'est pas suffisamment contrôlable n'ont pas droit à l'indemnité. La perte de travail n'est suffisamment contrôlable que si le temps de travail est contrôlé par l'entreprise (art. 46b al. 1 OACI). Il s'agit de garantir que la perte de travail soit contrôlable par les organes d'exécution de l'assurance-chômage (consid. 3.1.1). Selon la pratique, la conformité des prestations perçues ne peut être établie que sur la base de documents détaillés de l'entreprise, notamment sur la base d'un système de saisie du temps de travail suffisant, à savoir permettant un enregistrement quotidien continu (consid. 5.1.2). Peut rester ouverte dans le cas d'espèce la question de savoir s'il faut exiger une "authenticité manifeste", au sens de la pratique du Tribunal administratif fédéral, des justificatifs de saisie du temps de travail, lorsqu'ils ne sont divulgués par les employeurs que postérieurement à un contrôle auprès d'eux, afin qu'ils soient soumis à un examen plus approfondi (consid. 5.1.1). Regesto Art. 31 cpv. 3 lett. a LADI; art. 46b OADI; diritto all'indennità per lavoro ridotto - registrazione delle ore di lavoro. Secondo l'art. 31 cpv. 3 lett. a LADI, i lavoratori, la cui perdita di lavoro non è determinabile o il cui tempo di lavoro non è sufficientemente controllabile non hanno diritto all'indennità per lavoro ridotto. La perdita di lavoro può essere sufficientemente controllabile solo se le ore di lavoro sono controllate dall'azienda (art. 46b cpv. 1 OADI). Ciò serve a garantire che la perdita di lavoro sia controllabile dagli organi di esecuzione dell'assicurazione contro la disoccupazione (consid. 3.1.1). Nella prassi, la conformità delle prestazioni percepite può essere stabilita solo sulla base di documenti aziendali dettagliati, in particolare sulla base di un adeguato sistema di registrazione delle ore di lavoro nel senso dell'esigenza di una registrazione giornaliera continua (consid. 5.1.2). Nel caso concreto, può rimanere aperta la questione di sapere se per i giustificativi di registrazione delle ore di lavoro, resi noti dai datori di lavoro solo dopo un controllo presso quest'ultimi, occorre esigere un' "autenticità manifesta" ai sensi della prassi del Tribunale amministrativo federale affinché possano essere sottoposti ad un ulteriore esame (consid. 5.1.1).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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