Kanton Uri begrenzt politische Kundgebungen auf 300 Teilnehmer während Pandemie: Verhältnismässigkeit der Polizeimassnahme zur Virusabwehr bestätigt (Art. 22 BV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 I 19 · ATF 148 I 19 · DTF 148 I 19
- Datum
- 03.09.2021
- Geschäftsnummer
- BGE 148 I 19
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Eine Person erhob Beschwerde gegen eine kantonale Regelung des Kantons Uri, die politische und zivilgesellschaftliche Kundgebungen auf 300 Teilnehmende beschränkte. Streitig war, ob diese Beschränkung bundesrechtswidrig sei und die Versammlungsfreiheit verletze. Die Beschwerdeführerin argumentierte, die kantonale Regelung widerspreche dem Vorrang des Bundesrechts und verletze die Grundrechte, insbesondere die Versammlungsfreiheit.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Rechtmässigkeit der kantonalen Regelung. Die Beschränkung der Teilnehmerzahl an politischen und zivilgesellschaftlichen Kundgebungen auf 300 Personen stellte zwar eine Einschränkung der Versammlungsfreiheit gemäss Art. 22 BV dar, war aber verhältnismässig. Der Kanton Uri durfte nach Art. 8 Abs. 1 lit. a Covid-19-Verordnung besondere Lage zusätzliche Massnahmen ergreifen, weil die epidemiologische Lage dies erforderte: Die 14-Tagesinzidenz stieg von 100 (Anfang März) auf 324 (22. März) und 931.8 (13. April 2021), die Intensivpflegestation mit sechs Beatmungsplätzen war vorwiegend mit Covid-19-Patienten belegt, und die eigens eingerichtete Covid-Station war voll belegt. Die Einschränkung von zwischenmenschlichen Kontakten ist gemäss Art. 6 BV geeignet, die Virusübertragung zu reduzieren. Die Begrenzung auf 300 Teilnehmende berücksichtigte sowohl das öffentliche Interesse am Gesundheitsschutz als auch die besondere Bedeutung der Versammlungsfreiheit in einem demokratischen Rechtsstaat und lag im Rahmen des weiten kantonalen Beurteilungsspielraums. Die Regelung stützte sich auf Art. 40 EpG und Art. 40 Abs. 1 und 2 EpG als hinreichende gesetzliche Grundlage. Die Beschwerde wurde abgewiesen, ohne dass Kosten oder Entschädigungen ausdrücklich geregelt wurden. Das Urteil verdeutlicht die hohe Flexibilität der Kantone bei der Anpassung von Schutzmassnahmen an lokale epidemiologische Gegebenheiten innerhalb des föderalen Rahmens.
Regeste
Art. 22, Art. 34, Art. 36 Abs. 1 und 3, Art. 49 BV; Art. 40 EpG; Art. 8 Covid-19-Verordnung besondere Lage; Covid-19-Reglement des Kantons Uri vom 26. März 2021; Beschränkung der Teilnehmerzahl an politischen und zivilgesellschaftlichen Kundgebungen auf 300 Personen; gesetzliche Grundlage; Verhältnismässigkeit; Abstimmungsfreiheit. Gesetzliche Grundlage (E. 4). Tragweite der Versammlungsfreiheit (E. 5.1 und 5.2). Die Beschränkung der Teilnehmerzahl an politischen und zivilgesellschaftlichen Kundgebungen auf 300 Personen stellt eine Einschränkung der Versammlungsfreiheit dar (E. 5.3). Öffentliches Interesse (E. 5.4). Begriff und Bedeutung des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit (E. 5.5). Prüfung der Massnahme hinsichtlich der Verhältnismässigkeit (E. 6). Die Einschränkung von zwischenmenschlichen Kontakten ist geeignet, die Übertragung von Viren zu reduzieren. Die vorgesehene Begrenzung der Teilnehmerzahl erscheint erforderlich, um das Risiko der Virusverbreitung zu verringern. Sie trägt sowohl dem öffentlichen Interesse am Gesundheitsschutz als auch der besonderen Bedeutung der Versammlungsfreiheit in einem demokratischen Rechtsstaat Rechnung und erweist sich als verhältnismässig (E. 6.3-6.6). Regeste Art. 22, art. 34, art. 36 al. 1 et 3, art. 49 Cst.; art. 40 LEp; art. 8 ordonnance COVID-19 situation particulière; règlement Covid-19 du canton d'Uri du 26 mars 2021; limitation du nombre de participants aux manifestations politiques et de la société civile à 300 personnes; base légale; proportionnalité; liberté de vote. Base légale (consid. 4). Portée de la liberté de réunion (consid. 5.1 et 5.2). La limitation du nombre de participants aux manifestations politiques et de la société civile à 300 personnes représente une atteinte à la liberté de réunion (consid. 5.3). Intérêt public (consid. 5.4). Notion et signification du principe de la proportionnalité (consid. 5.5). Examen de la proportionnalité de la mesure (consid. 6). La limitation des contacts humains est apte à réduire la transmission des virus. La limitation prévue du nombre des participants apparaît nécessaire à la réduction du risque de propagation du virus. Elle tient compte à la fois de l'intérêt public à la protection de la santé et de l'importance particulière de la liberté de réunion dans un Etat de droit démocratique et s'avère proportionnée (consid. 6.3-6.6). Regesto Art. 22, art. 34, art. 36 cpv. 1 e 3, art. 49 Cost.; art. 40 LEp; art. 8 ordinanza COVID-19 situazione particolare; regolamento Covid-19 del Cantone Uri del 26 marzo 2021; limitazione a 300 persone del numero dei partecipanti a manifestazioni politiche o della società civile; base legale; proporzionalità; libertà di voto. Base legale (consid. 4). Portata della libertà di riunione (consid. 5.1 e 5.2). Limitare a 300 persone il numero dei partecipanti a manifestazioni politiche o della società civile limita la libertà di riunione (consid. 5.3). Interesse pubblico (consid. 5.4). Nozione e significato del principio della proporzionalità (consid. 5.5). Esame della proporzionalità della misura (consid. 6). Limitare i contatti umani è idoneo a ridurre la trasmissione dei virus. La limitazione prevista del numero dei partecipanti risulta necessaria al fine di ridurre il rischio di diffusione del virus. Tiene conto dell'interesse pubblico alla protezione della salute e della particolare importanza della libertà di riunione in un Stato di diritto democratico e si rivela proporzionata (consid. 6.3-6.6).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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