Stromkunde klagt gegen Überwälzung von Konzessionsgebühr und Kosten für öffentliche Beleuchtung: Überwälzung der Beleuchtungskosten zulässig, Konzessionsgebühr mangels gesetzlicher Grundlage nicht (Art. 127 Abs. 1 BV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 143 II 283 · ATF 143 II 283 · DTF 143 II 283
- Datum
- 17.03.2017
- Geschäftsnummer
- 2C_1100/2016
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Teilweise gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 82 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 99 BGG Art. 100 BGG Art. 106 BGG Art. 29 BV Art. 127 BV Art. 5 StromVG Art. 6 StromVG Art. 14 StromVG Art. 22 StromVG
Zusammenfassung
Ein Eigentümer einer Liegenschaft in Basel-Stadt erhielt von den Industriellen Werken Basel (IWB) eine Stromrechnung, die neben den eigentlichen Stromkosten auch Anteile für öffentliche Beleuchtung, öffentliche Uhren, die Konzessionsgebühr für die Nutzung öffentlichen Grundes sowie einen Sponsorenbeitrag an das Basler Theater enthielt. Er erhob Einsprache, Rekurs und schliesslich Beschwerde ans Bundesgericht mit dem Ziel, diese Zusatzkosten zu reduzieren oder ganz zu streichen. Streitig war insbesondere, ob diese Kostenanteile rechtmässig auf die Stromkunden überwälzt werden dürfen und ob dafür eine ausreichende gesetzliche Grundlage besteht.
Das Bundesgericht entschied, dass die Beschwerde teilweise begründet ist. Es hielt fest, dass die Überwälzung der Kosten für öffentliche Beleuchtung und öffentliche Uhren auf alle Stromkonsumenten verfassungsrechtlich zulässig ist, weil praktisch die gesamte Bevölkerung Strom bezieht und von der öffentlichen Beleuchtung profitiert; ein direkter Konnex zwischen Elektrizitätsverbrauch und Nutzen sei zwar nicht gegeben, doch sei es sachlich haltbar, diese Aufgabe der IWB zu übertragen und sie mittels Zuschlag zur Netzgebühr zu finanzieren. Hingegen stellte das Gericht fest, dass die Konzessionsgebühr für die Nutzung der Allmend durch die IWB an den Kanton mangels genügender gesetzlicher Grundlage nicht auf die Endverbraucher überwälzt werden darf: Das formelle Gesetz delegiert die Festlegung der Gebührenhöhe ohne jegliche inhaltliche Vorgabe an den Regierungsrat, und weder das Kostendeckungs- noch das Äquivalenzprinzip können hier die fehlende gesetzliche Präzision kompensieren, da Konzessionsgebühren grundsätzlich kostenunabhängig sind und kein Marktpreis vergleichbarer privater Angebote vorliegt. Die Beschwerde war hinsichtlich der Sponsorenbeiträge an das Theater Basel unbegründet, weil der Beschwerdeführer nicht darlegte, inwiefern die Überwälzung dieser Kosten kantonales Recht oder Grundrechte verletzen würde. Die Beschwerde wurde daher teilweise gutgeheissen, das Urteil der Vorinstanz insoweit aufgehoben und die Sache zur Festlegung des konkreten Anteils der Konzessionsgebühr an das Appellationsgericht zurückverwiesen. Die Gerichtskosten wurden je zur Hälfte getragen, Parteientschädigungen wurden verweigert, weil der Beschwerdeführer nicht anwaltlich vertreten war und die IWB eine öffentlich-rechtliche Organisation ist.
Die entscheidenden Normen waren Art. 127 Abs. 1 BV (Legalitätsprinzip), Art. 127 Abs. 2 BV (Allgemeinheit der Besteuerung), Art. 29 Abs. 2 BV (rechtliches Gehör), Art. 6 Abs. 3 StromVG und Art. 14 Abs. 1 StromVG (Überwälzung von Abgaben und Leistungen an Gemeinwesen), Art. 30 Abs. 3 IWB-Gesetz/BS (Konzessionsgebühr), Art. 28 NöRG/BS (Bemessungsgrundsätze für Nutzung des öffentlichen Raumes) sowie die Verfahrensnormen Art. 100 Abs. 1 BGG (Frist), Art. 42 Abs. 1 BGG (Begründung), Art. 99 Abs. 2 BGG (keine neuen Begehren), Art. 106 Abs. 2 BGG (Rügepflicht) und Art. 97 Abs. 1 BGG (Heilung von Gehörsverletzungen).
Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass die Überwälzung von Kosten für öffentliche Infrastruktur auf Stromkunden unter bestimmten Voraussetzungen zulässig ist, während Konzessionsgebühren striktere gesetzliche Bemessungsvorgaben erfordern – insbesondere dann, wenn sie nicht kostenabhängig sind und kein Marktvergleich möglich ist.
Regeste
Rechnung eines Netzbetreibers für Strombezug an einen grundversorgten Endverbraucher im Sinne von Art. 6 Abs. 1 StromVG: Überwälzung von Kostenanteilen, die nicht zu den bundesrechtlich geregelten, durch die ElCom regulierten Kostenkomponenten gehören. Legalitätsprinzip (Art. 127 Abs. 1 und 2 BV). Abgaben und Leistungen an Gemeinwesen, die auf die Endverbraucher überwälzt werden (Art. 6 Abs. 3 und Art. 14 Abs. 1 StromVG), gehören nicht zu den bundesrechtlich regulierten Kosten (E. 1.2.2-1.2.5). Die Überwälzung von Kostenanteilen für die öffentliche Beleuchtung und öffentliche Uhren auf die Strom-Endverbraucher ist als Kostenanlastungssteuer zulässig, weil damit nicht eine Sondergruppe belastet wird, sondern die Gesamtheit der Bevölkerung (E. 2.1-2.4). Hingegen verletzt die Überwälzung der Konzessionsgebühr für die Allmendbenützung das Legalitätsprinzip: Die Höhe der Abgabe (11 Mio. Fr.) wird einzig durch eine regierungsrätliche Verordnung bestimmt und das formelle Gesetz, auf welche diese sich stützt, enthält keine Kriterien für die Bemessung. Es ist auch kein Marktwert bestimmbar. Da die Höhe der Konzessionsabgabe nicht anhand verfassungsrechtlicher Prinzipien (Kostendeckungs-/ Äquivalenzprinzip) überprüft werden kann, können die Anforderungen an die gesetzliche Grundlage nicht gelockert werden (E. 3.1-3.8). Regeste Facture d'un gestionnaire de réseau à un consommateur final pour la fourniture d'électricité au titre de l'approvisionnement de base, au sens de l'art. 6 al. 1 LApEl: répercussion des parts du coût qui ne relèvent pas des composants des coûts réglementés par le droit fédéral et régulés par l'ElCom. Principe de légalité (art. 127 al. 1 et 2 Cst.). Les contributions et prestations à la collectivité publique qui sont répercutées sur les consommateurs finaux (art. 6 al. 3 et art. 14 al. 1 LApEl) n'appartiennent pas aux coûts réglementés par le droit fédéral (consid. 1.2.2-1.2.5). Il est admissible de répercuter sur les consommateurs finaux d'électricité, en tant qu'impôt d'attribution des coûts, les parts du coût relatives à l'éclairage et aux horloges publics; en effet, par cette opération, ce n'est pas un groupe particulier qui supporte la charge fiscale, mais l'ensemble de la population (consid. 2.1-2.4). En revanche, la répercussion de l'émolument de la concession pour l'utilisation de l'"allmend" viole le principe de légalité: seule une ordonnance du Conseil d'Etat détermine le montant de la contribution (11 mio de francs) et la loi formelle, sur laquelle se fonde l'ordonnance, ne contient pas de critères de calcul. Il n'est pas non plus possible de déterminer une valeur marchande. Dès lors qu'il n'est pas possible de vérifier la hauteur de l'émolument de concession à l'aide de principes constitutionnels (principes de la couverture des frais/de l'équivalence), on ne peut pas assouplir les exigences en matière de base légale (consid. 3.1-3.8). Regesto Fattura di un gestore di rete a un consumatore finale per la fornitura di elettricità in ambito di servizio universale ai senso dell'art. 6 cpv. 1 LAEl: addossamento di costi che non fanno parte di quelli disciplinati dal diritto federale e regolati dalla ElCom. Principio di legalità (art. 127 cpv. 1 e 2 Cost.). I tributi e le prestazioni agli enti pubblici che vengono addossati sui consumatori finali (art. 6 cpv. 3 e art. 14 cpv. 1 LAEl) non fanno parte dei costi disciplinati dal diritto federale (consid. 1.2.2-1.2.5). L'addossamento sui consumatori finali di energia elettrica, a titolo di imposta di attribuzione dei costi, della parte dei costi relativa all'illuminazione e agli orologi pubblici è lecito; in effetti, così facendo non viene gravato un gruppo particolare, bensì l'insieme della popolazione (consid. 2.1-2.4). Per contro, l'addossamento della tassa di concessione per l'uso di terreno comune ("Allmend") viola il principio di legalità: il montante del tributo (11 milioni di fr.) è determinato solo da un'ordinanza governativa e la legge in senso formale, sulla quale si basa l'ordinanza, non contiene criteri di calcolo. Non è nemmeno possibile determinare un valore di mercato. Siccome l'ammontare della tassa di concessione non può essere verificato facendo riferimento ai principi costituzionali (principi della copertura dei costi e dell'equivalenza), le esigenze in materia di base legale non possono essere attenuate (consid. 3.1-3.8).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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