Stromversorgung in Einkaufszentrum: Bündelungsverbot und kein Liefermonopol für Arealnetzbetreiber (Art. 6, 13, 14 StromVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 141 II 141 · ATF 141 II 141 · DTF 141 II 141
- Datum
- 09.02.2015
- Geschäftsnummer
- BGE 141 II 141
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 11 OAEl Art. 4 StromVG Art. 6 StromVG Art. 13 StromVG Art. 14 StromVG Art. 11 StromVV
Zusammenfassung
Die Liegenschaften-Betrieb AG (LiB-AG), Eigentümerin eines Einkaufszentrums in Thun, sowie mehrere dortige Mieterinnen fochten eine Verfügung der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) an. Im Zentrum stand die Frage, ob die Mieterinnen als Endverbraucher im Sinne des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) gelten und wer ihnen den Strom liefern muss. Die LiB-AG betrieb ein sogenanntes Arealnetz (elektrische Leitungen im Gebäudeinneren), das an das Verteilnetz der Energie Thun AG angeschlossen war. Die Beschwerdeführerinnen wollten erreichen, dass die LiB-AG den Strombedarf der Mieter bündeln und am freien Markt beschaffen darf, um diesen dann weiterzuverkaufen. Zudem stritten sie über die Zahlungspflicht des Netznutzungsentgelts und die Durchleitungspflichten.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten war. Es stellte fest, dass ein Arealnetz zwar nicht dem Geltungsbereich des StromVG untersteht, die daran angeschlossenen Endverbraucher jedoch sehr wohl Rechte und Pflichten aus dem Gesetz haben können.
Hinsichtlich der Anwendbarkeit des Gesetzes argumentierte das Gericht, dass das StromVG keine abschliessende Regelung für Arealnetze enthält. Da die Beschwerdeführerinnen aber Ansprüche wie Grundversorgung oder Netzzugang geltend machen wollten, beriefen sie sich implizit auf das StromVG; es wäre widersprüchlich, gleichzeitig zu verlangen, persönlich nicht dem Gesetz zu unterstehen. Aus Art. 6 Abs. 1 StromVG ergibt sich eine Lieferpflicht der Verteilnetzbetreiberin an feste Endverbraucher, aber kein rechtliches Liefermonopol. Der Verteilnetzbetreiber ist jedoch nicht verpflichtet, Strom zum Weiterverkauf an einen Arealnetzbetreiber zu liefern, da dieser in diesem Fall nicht als Endverbraucher (Kunde für eigenen Verbrauch gemäss Art. 4 Abs. 1 lit. b StromVG) gilt.
Bezüglich des Netznutzungsentgelts entschied das Gericht, dass die Energie Thun AG Anspruch auf das Entgelt für die gelieferte Energie hat (Art. 14 StromVG). Wer dieses bezahlt – der Arealnetzbetreiber pauschal oder die Mieter je Ausspeisepunkt – ist aus Sicht des StromVG unerheblich und kann vertraglich geregelt werden. Wenn die Mieter ihren gesetzlichen Anspruch auf Grundversorgung geltend machen, schulden sie das Entgelt direkt oder indirekt über die LiB-AG.
Im Punkt der Bündelung des Verbrauchs urteilte das Gericht gegen die Beschwerdeführerinnen. Nach Art. 11 Abs. 1 und 4 StromVV ist der Jahresverbrauch pro Verbrauchsstätte (wirtschaftliche und örtliche Einheit) massgebend. Eine Bündelung der Verbräuche mehrerer Mieter zur Überschreitung der 100-MWh-Limite für den Netzzugang ist ausgeschlossen. Dies entspricht dem Willen des Gesetzgebers, der eine solche Ausnahme bewusst nicht eingeführt hat. Die Mieter bilden je eigenständige Verbrauchsstätten.
Zur Durchleitungspflicht: Die ElCom hatte die LiB-AG gestützt auf Mietrecht zur Duldung der Durchleitung verpflichtet. Das Bundesgericht liess diese Frage offen bzw. verwies darauf, dass die ElCom dafür nicht zuständig sei und mietrechtliche Fragen nicht Gegenstand des öffentlich-rechtlichen Verfahrens sind. Faktisch müssen die Mieter aber Grundversorgungsenergie von der Energie Thun AG beziehen, wenn sie keinen anderen Lieferanten haben, was eine physische Durchleitung durch das Arealnetz erfordert.
Schliesslich sprach das Gericht der Energie Thun AG eine Parteientschädigung zu. Obwohl sie öffentliche Aufgaben wahrnimmt, ist sie eine privatrechtliche Aktiengesellschaft, weshalb die Einschränkung des Art. 68 Abs. 3 BGG (keine Entschädigung für Behörden) hier nicht greift.
Regeste
Art. 4 Abs. 1 lit. a und b, Art. 5, 6, 13 und 14 StromVG sowie Art. 11 Abs. 1 und 4 StromVV, Art. 68 Abs. 3 BGG; Rechte und Pflichten der Verteilnetzbetreiber, der Arealnetzbetreiber und der Endverbraucher in Arealnetzen. Ein Arealnetz ist kein Verteilnetz und untersteht dem StromVG nicht. Rechte und Pflichten der Verteilnetzbetreiber gelten deshalb nicht für Arealnetze. Das StromVG gewährt zwar allen Endverbrauchern einen Anspruch auf Grundversorgung resp. Netzzugang; es regelt aber nicht, wie Endverbraucher, die nicht direkt, sondern über ein Arealnetz an das Verteilnetz angeschlossen sind, diesen Anspruch geltend machen können (E. 3). Keine abschliessende Regelung im StromVG. Aus Art. 6 Abs. 1 StromVG ergibt sich eine Lieferpflicht der Verteilnetzbetreiberin an feste Endverbraucher, aber kein Liefermonopol. Der Verteilnetzbetreiber ist aufgrund des StromVG nicht verpflichtet, Strom zum Weiterverkauf zu liefern (E. 4 und 5.1). Die Verteilnetzbetreiberin hat Anspruch auf ein Netznutzungsentgelt für die Energie, die sie an ein Areal liefert. Wer dieses bezahlt, ist aus Sicht des StromVG unerheblich und kann vertraglich geregelt werden (E. 5.2). Keine Bündelung innerhalb des Areals (E. 5.3). Durchleitungspflicht des Arealnetzbetreibers (E. 5.4)? Anspruch der Netzbetreiberin auf Parteientschädigung (E. 7). Regeste Art. 4 al. 1 let. a et b, art. 5, 6, 13 et 14 LApEl ainsi qu' art. 11 al. 1 et 4 OApEl, art. 68 al. 3 LTF; droits et devoirs des gestionnaires de réseaux de distribution, des exploitants de réseaux de faible envergure et des consommateurs finaux dans des réseaux de faible envergure. Un réseau de faible envergure n'est pas un réseau de distribution et n'est pas soumis à la LApEl. Dès lors, les droits et les devoirs des gestionnaires de réseaux de distribution ne s'appliquent pas aux réseaux de faible envergure. La LApEl accorde certes à tous les consommateurs finaux un droit à un approvisionnement de base, respectivement un droit d'accès au réseau; elle ne règle toutefois pas la manière dont les consommateurs finaux qui sont raccordés au réseau de distribution non pas directement, mais au travers d'un réseau de faible envergure, peuvent faire valoir ce droit (consid. 3). Pas de réglementation exhaustive dans la LApEl. De l'art. 6 al. 1 LApEl découle une obligation de fourniture par la gestionnaire du réseau de distribution aux consommateurs captifs, mais pas de monopole de fourniture. Le gestionnaire du réseau de distribution n'est pas tenu, sur la base de la LApEl, de fournir de l'électricité pour la revente (consid. 4 et 5.1). La gestionnaire du réseau de distribution a un droit à une rémunération en contrepartie de l'utilisation du réseau pour l'énergie qu'elle livre au réseau. Le point de savoir qui la paie est dénué d'intérêt sous l'angle de la LApEl et peut être réglé contractuellement (consid. 5.2). Pas de regroupement au sein du réseau (consid. 5.3). Obligation d'acheminer de l'exploitant du réseau de faible envergure (consid. 5.4)? Droit à des dépens de la gestionnaire du réseau de distribution (consid. 7). Regesto Art. 4 cpv. 1 lett. a e b, art. 5, 6, 13 e 14 LAEl come pure art. 11 cpv. 1 e 4 OAEl, art. 68 cpv. 3 LTF; diritti e doveri dei gestori di reti di distribuzione, dei gestori di reti locali e dei consumatori finali allacciati a reti locali. Una rete locale non è una rete di distribuzione e non sottostà alla LAEl. Di conseguenza, in questo ambito i diritti e i doveri dei gestori di reti di distribuzione non valgono. La LAEl accorda certo a tutti i consumatori finali un diritto a un approvvigionamento di base, rispettivamente un diritto d'accesso alla rete; essa non regola tuttavia la maniera con la quale i consumatori finali che sono allacciati alla rete di distribuzione non direttamente bensì attraverso una rete locale possono fare valere questi diritti (consid. 3). Nessuna regolamentazione esaustiva nella LAEl. Dall'art. 6 cpv. 1 LAEl risulta un obbligo di fornitura da parte del gestore della rete ai consumatori fissi finali, ma non un monopolio di fornitura. Sulla base della LAEl, il gestore di rete non è obbligato a fornire elettricità per la rivendita (consid. 4 e 5.1). Il gestore della rete di distribuzione ha diritto a una remunerazione in contropartita all'uso della rete per l'energia che fornisce localmente. Nell'ottica della LAEl, chi la paga non è rilevante; questo aspetto può essere regolato contrattualmente (consid. 5.2). Nessuna concentrazione in seno alla rete (consid. 5.3). Obbligo di garantire il transito da parte del gestore della rete locale (consid. 5.4)? Diritto del gestore della rete di distribuzione a delle ripetibili (consid. 7).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.