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Justizze. Art. 22 StromVG

Bundesgericht

Industriebetrieb beantragt Rückerstattung zu hoher Netznutzungsentgelte: Tarifprüfung nach Basisjahrprinzip zulässig, ElCom darf sich auf deklarierte Ist-Werte stützen (Art. 22 Abs. 2 lit. a StromVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 151 II 687 · ATF 151 II 687 · DTF 151 II 687
Datum
05.02.2025
Geschäftsnummer
BGE 151 II 687
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 97 BGG Art. 40 BZP Art. 22 LAEl Art. 25 LAEl Art. 12 PA Art. 19 PA Art. 26 PA Art. 49 PA Art. 6 StromVG Art. 11 StromVG Art. 14 StromVG Art. 15 StromVG Art. 22 StromVG Art. 25 StromVG Art. 7 StromVV Art. 19 StromVV Art. 37 VGG Art. 12 VwVG Art. 13 VwVG Art. 19 VwVG Art. 26 VwVG Art. 49 VwVG

Zusammenfassung

Die A. AG, ein Giessereibetrieb, erhob beim Bundesgericht Beschwerde gegen ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das ihre Beschwerde gegen eine Verfügung der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) abgewiesen hatte. Die ElCom hatte entschieden, dass die von der CKW AG berechneten Netznutzungstarife und -entgelte gesetzmässig seien und wies den Antrag auf Rückerstattung zurück. Die A. AG warf der ElCom vor, das individuelle Tarifprüfungsverfahren mangelhaft durchgeführt zu haben, insbesondere indem sie nicht auf tatsächliche Ist-Kosten, sondern auf Plankosten abgestellt und ihr keine umfassende Akteneinsicht gewährt habe. Streitig war, ob die ElCom bei der Prüfung der Tarifgesetzmässigkeit im Streitfall auf die von der CKW AG deklarierten Werte abstellen durfte und ob die Vorinstanz den Sachverhalt vollständig ermittelt hatte.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der A. AG ab. Es stellte fest, dass die Prüfung der Gesetzmässigkeit der Netznutzungstarife im Rahmen des individuellen Tarifprüfungsverfahrens gemäss Art. 22 Abs. 2 lit. a StromVG grundsätzlich auf den Ist-Werten des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahrs der Verteilnetzbetreiberin beruht – dem sogenannten Basisjahrprinzip. Die ElCom darf sich dabei auf die von der CKW AG deklarierten Werte und Angaben stützen, da die Frage, ob diese Grundlage zulässig ist, eine beweisrechtliche Frage darstellt, die unter den Grundsätzen der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art. 40 BZP) und der Untersuchungspflicht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 37 VGG) zu beurteilen ist. Die Vorinstanz hatte zutreffend festgestellt, dass die im Reporting-Tool der ElCom erfassten Werte und Angaben im Grundsatz eine geeignete Prüfungsbasis darstellen und ein Abgleich mit der Buchhaltung der CKW AG nur dann zwingend ist, wenn Anhaltspunkte für Fehler vorliegen. Die A. AG brachte jedoch weder vor noch legte sie im Verfahren Anhaltspunkte dafür vor, dass die Kostenrechnung oder die deklarierten Werte der CKW AG unrichtig seien. Daher lag weder eine Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 12 VwVG) noch der Pflicht zur vollständigen Sachverhaltsfeststellung (Art. 49 lit. b VwVG) vor. Auch der Vorwurf einer Verletzung des Akteneinsichtsrechts (Art. 26 VwVG) war unbegründet, weil die A. AG Einsicht in Aktenstücke verlangte, die die ElCom rechtmässigerweise gar nicht erhoben hatte und die daher nicht als Beweismittel dienten.

Die Entscheidung klärt zentral, dass das Basisjahrprinzip für beide Formen der Tarifüberprüfung – sowohl von Amtes wegen (Art. 22 Abs. 2 lit. b StromVG) als auch im Streitfall (Art. 22 Abs. 2 lit. a StromVG) – identisch gilt und dass die ElCom bei fehlenden Zweifeln an der Richtigkeit der deklarierten Werte nicht verpflichtet ist, diese durch einen direkten Abgleich mit der Buchhaltung zu überprüfen. Damit bestätigt das Bundesgericht die Praxis der ElCom und stärkt die Rechtssicherheit im Strommarkt.

Regeste

Art. 22 Abs. 2 lit. a und Art. 25 Abs. 1 StromVG; Art. 12 f., 19, 26 und 49 lit. b VwVG; Art. 40 BZP; Gesetzmässigkeit der Tarife; Entscheid im Streitfall; Prüfprogramm des individuellen Tarifprüfungsverfahrens; Basisjahrprinzip; Untersuchungsgrundsatz; Grundsatz der freien Beweiswürdigung; Beweisrecht; Akteneinsicht. Rechtliches (E. 4). Die Prüfung der Gesetzmässigkeit der Tarife im Rahmen des individuellen Tarifprüfungsverfahrens erfolgt grundsätzlich gestützt auf die Ist-Werte des letzten abgeschlossenen Geschäftsjahrs der Verteilnetzbetreiberin (Basisjahrprinzip). Ob die ElCom dabei auf die von der Verteilnetzbetreiberin deklarierten Werte und Angaben abstellen darf, ist eine Frage des Beweisrechts (E. 5). Regeste Art. 22 al. 2 let. a et art. 25 al. 1 LApEl; art. 12 s., 19, 26 et 49 let. b PA; art. 40 PCF; légalité des tarifs; décision en cas de litige; programme d'examen de la procédure individuelle de vérification des tarifs; principe de l'année de référence; maxime inquisitoire; principe de la libre appréciation des preuves; régime légal en matière de preuve; consultation du dossier. Cadre légal (consid. 4). L'examen de la légalité des tarifs dans le cadre de la procédure individuelle de vérification des tarifs se fonde en principe sur les valeurs effectives du dernier exercice clôturé du gestionnaire de réseau de distribution (année de référence). La question de savoir si l'ElCom peut se fonder sur les valeurs et indications déclarées par le gestionnaire de réseau de distribution relève du régime légal en matière de preuve (consid. 5). Regesto Art. 22 cpv. 2 lett. a e art. 25 cpv. 1 LAEl; artt. 12 seg., 19, 26 e 49 lett. b PA; art. 40 PC; legalità dei tariffari; decisione in caso di controversia; programma di controllo della procedura individuale di verifica dei tariffari; principio dell'anno di riferimento; massima inquisitoria; principio del libero apprezzamento delle prove; diritto della prova; accesso agli atti. Quadro giuridico (consid. 4). L'esame della legalità dei tariffari nell'ambito della procedura individuale di verifica dei medesimi avviene, in linea di principio, sulla base dei valori effettivi dell'ultimo esercizio chiuso del gestore di rete di distribuzione (anno di riferimento). La questione di sapere se ElCom possa fondarsi sui valori e le indicazioni fornite dal gestore di rete di distribuzione attiene al diritto della prova (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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