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Justizze. Art. 27 BV

Bundesgericht

Photovoltaikanlagenbetreiber darf Messdienstleister frei wählen: Messwesen gehört nicht zum Netzbetrieb, Wirtschaftsfreiheit nach Art. 27 BV schützt Wahl des Vertragspartners

BGE / ATF / DTF
BGE 143 I 395 · ATF 143 I 395 · DTF 143 I 395
Datum
14.07.2017
Geschäftsnummer
BGE 143 I 395
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 27 BV Art. 91 BV Art. 94 BV Art. 4 EnG Art. 7 EnG Art. 4 LEne Art. 7 LEne Art. 5 StromVG Art. 6 StromVG Art. 8 StromVV

Zusammenfassung

Ein Betreiber von Photovoltaikanlagen beantragte bei der zuständigen Verteilnetzbetreiberin die Zustimmung zum Wechsel des Messdienstleisters für seine Anlagen. Die Netzbetreiberin lehnte ab und verwies auf ihre ausschließliche Verantwortung für das Messwesen. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) wies den Antrag ab; das Bundesverwaltungsgericht bestätigte dies im Wesentlichen, halbierte aber die Kosten. Gegen dieses Urteil erhob der Anlagenbetreiber Beschwerde ans Bundesgericht. Streitig war, ob die Messdienstleistungen zum Netzbetrieb gehören oder ob sie dem Produzenten unterliegen und er daher einen Drittanbieter beauftragen darf.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts auf und hiess die Beschwerde gut. Es stellte fest, dass der Betreiber von Photovoltaikanlagen als Elektrizitätserzeuger im Schutzbereich der Wirtschaftsfreiheit nach Art. 27 BV steht, zu der auch die freie Wahl des Vertragspartners gehört. Eine Einschränkung dieser Freiheit – etwa durch die Vorgabe, Messdienstleistungen ausschließlich vom Netzbetreiber beziehen zu müssen – bedarf einer gesetzlichen Grundlage nach Art. 36 Abs. 1 BV und Art. 94 Abs. 4 BV. Das Gericht prüfte daher zentral, ob die streitigen Messdienstleistungen zum Netzbetrieb gehören. Nach Auslegung des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) und der Stromversorgungsverordnung (StromVV) sowie unter Berücksichtigung der Systematik des Energierechts entschied es, dass die Messdienstleistungen nicht zum rechtlich dem Netzbetreiber vorbehaltenen Netzbetrieb gehören. Damit unterliegt die Wahl des Messdienstleisters der Wirtschaftsfreiheit des Produzenten; eine gesetzliche Grundlage für eine Beschränkung fehlt. Insbesondere Art. 5 Abs. 2 StromVG verpflichtet den Netzbetreiber zur Anschlusspflicht, Art. 13 Abs. 1 StromVG gewährt diskriminierungsfreien Netzzugang, und Art. 4 Abs. 2 EnG stellt klar, dass die Elektrizitätsproduktion grundsätzlich der Privatwirtschaft untersteht. Art. 8 Abs. 2 StromVV enthält keine ausreichende gesetzliche Grundlage für eine Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit, da es sich um eine bloße Verordnungsbestimmung handelt. Die Vorinstanz hatte die zentrale Frage zu Unrecht offengelassen. Das Bundesgericht verneinte die Zugehörigkeit der Messdienstleistungen zum Netzbetrieb und stellte damit klar, dass der Produzent einen anderen Messdienstleister beauftragen darf. Die Entscheidung ist wegweisend für die Liberalisierung des Messwesens im Schweizer Strommarkt und stärkt die Autonomie kleinerer Erzeuger gegenüber Netzbetreibern.

Regeste

Art. 27 und 91 BV, Art. 4 Abs. 2 und Art. 7 ff. EnG, Art. 1, 5, 6, 13 StromVG, Art. 8 Abs. 2 StromVV; es besteht kein Monopol für das Messwesen; die Wahl des Messdienstleisters unterliegt der Wirtschaftsfreiheit des Produzenten. Der Betreiber von Photovoltaikanlagen ist Elektrizitätserzeuger; die zuständige Verteilnetzbetreiberin ist daher verpflichtet, ihn an das Elektrizitätsnetz anzuschliessen. Streitig war, ob der Elektrizitätserzeuger die Messdienstleistungen von der Verteilnetzbetreiberin beziehen muss oder ob er damit einen anderen Dienstleister beauftragen darf (E. 3.1-3.4). Er befindet sich im Schutzbereich der Wirtschaftsfreiheit, weshalb nicht zu fragen ist, ob eine gesetzliche Grundlage für die Liberalisierung des Messwesens besteht, sondern ob eine solche für die Einschränkung dieser Freiheit vorhanden ist. Zwar besteht ein gesetzliches Ausschliesslichkeitsrecht des Netzbetreibers für den Netzbetrieb in seinem Gebiet, im Übrigen aber Wirtschaftsfreiheit; entscheidend ist deshalb die Frage, ob die Messdienstleistungen zum Netzbereich gehören (E. 4.1-4.5). Diese von der Vorinstanz zu Unrecht offengelassene Frage verneint das Bundesgericht und heisst die Beschwerde gut. Regeste Art. 27 et 91 Cst., art. 4 al. 2 et art. 7 ss LEne, art. 1, 5, 6, 13 LApEl, art. 8 al. 2 OApEl; il n'existe aucun monopole en matière de système de mesure; le choix du prestataire du système de mesure relève de la liberté économique du producteur. L'exploitant d'installations photovoltaïques est un producteur d'électricité; l'entreprise gestionnaire compétente du réseau de distribution a donc l'obligation de lui fournir un raccordement au réseau d'électricité. Le litige portait sur le point de savoir si le producteur d'électricité devait utiliser les prestations de système de mesure de l'entreprise gestionnaire du réseau de distribution ou s'il pouvait mandater un autre prestataire (consid. 3.1-3.4). Cette question relève de la sphère de protection de la liberté économique, de sorte qu'il n'y a pas lieu de se demander s'il existe une base légale pour la libéralisation du système de mesure, mais de savoir si la restriction à cette liberté repose sur une base légale. Le gestionnaire de réseau a certes, de par la loi, un droit exclusif à l'exploitation du réseau dans sa zone, mais qui trouve néanmoins une limite dans la liberté économique. Est donc décisive la question de savoir si les prestations de système de mesure appartiennent à la gestion du réseau (consid. 4.1-4.5). Ce point, laissé ouvert à tort par l'instance précédente, a été nié par le Tribunal fédéral, qui a admis le recours. Regesto Art. 27 e 91 Cost., art. 4 cpv. 2 e art. 7 segg. LEne, art. 1, 5, 6, 13 LAEl, art. 8 cpv. 2 OAEl; non esiste alcun monopolio in materia di metrologia; la scelta del prestatore di metrologia rientra nella libertà economica del produttore. Il gestore d'impianti fotovoltaici è un produttore di elettricità; il competente gestore di rete di distribuzione è quindi tenuto ad allacciarlo alla rete elettrica. Litigiosa era la questione di sapere se il produttore di elettricità doveva utilizzare le prestazioni di metrologia del gestore di rete di distribuzione o se poteva incaricare un altro prestatore (consid. 3.1-3.4). La vertenza ricade nella sfera di protezione della libertà economica, motivo per cui non si tratta di sapere se esiste una base legale per la liberalizzazione della metrologia, ma se la restrizione di questa libertà poggia su una base legale. Certo, il gestore di rete fruisce per legge di un diritto esclusivo alla gestione della rete nel suo comprensorio, che tuttavia è limitato dalla libertà economica. È quindi decisiva la questione di sapere se le prestazioni della metrologia fanno parte della gestione della rete (consid. 4.1-4.5). Questo punto, rimasto a torto irrisolto da parte dell'autorità precedente, è stato negato dal Tribunal federale, che ha accolto il ricorso.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.