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Justizze. Art. 245 SchKG

Bundesgericht

Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung: Keine Vormerkung belgischer Klagen im Kollokationsplan, Territorialitätsprinzip und LugÜ-Ausnahme (Art. 63 KOV, Art. 245 SchKG)

BGE / ATF / DTF
BGE 133 III 386 · ATF 133 III 386 · DTF 133 III 386
Datum
23.04.2007
Geschäftsnummer
BGE 133 III 386
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 63 KOV Art. 1 LugÜ Art. 16 LugÜ Art. 245 SchKG Art. 250 SchKG Art. 321 SchKG

Zusammenfassung

Im Nachlassverfahren der SAirLines mit Vermögensabtretung wiesen die Liquidatoren Forderungen des Staates Belgien sowie dreier weiterer Gläubiger in Höhe von fast 3,9 Milliarden Schweizer Franken zurück. Die Gläubiger hatten bereits vor Eintritt der Nachlassstundung in Belgien Klage erhoben und verlangten nun eine pro-memoria-Vormerkung ihrer Forderungen im schweizerischen Kollokationsplan bis zum rechtskräftigen Abschluss des belgischen Verfahrens. Das Bezirksgericht Zürich und das Obergericht des Kantons Zürich wiesen die Beschwerden der Gläubiger ab. Diese rügten insbesondere eine Verletzung des Lugano-Übereinkommens und machten geltend, die hängige belgische Klage müsse nach Art. 63 KOV im Kollokationsplan vorgemerkt werden.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Gläubiger ab, soweit darauf eingetreten wurde. Für einen in der Schweiz durchgeführten Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung entscheiden ausschliesslich die schweizerischen Liquidatoren über die Anerkennung der Forderungen gestützt auf Art. 245 SchKG i.V.m. Art. 321 Abs. 2 SchKG. Die Bestimmung von Art. 63 KOV, wonach streitige Forderungen, die Gegenstand eines Prozesses sind, pro memoria vorzumerken sind, findet auf Verfahren im Ausland keine Anwendung. Dies folgt aus dem Territorialitätsprinzip, da kein Staatsvertrag die Schweiz verpflichtet, ausländische Konkurs- oder Nachlassverfahren anzuerkennen oder entsprechende Prozesse zu sistieren.

Die Rüge der Beschwerdeführer, das Lugano-Übereinkommen verpflichte zur Abweichung vom Territorialitätsprinzip, war unbegründet. Zwar liess das Gericht offen, ob die Kollokationsklage gemäss Art. 250 SchKG unter den Ausschluss von Art. 1 Abs. 2 Ziff. 2 LugÜ für Konkurse fällt oder unter den zwingenden Gerichtsstand von Art. 16 Ziff. 5 LugÜ. In beiden Fällen ergibt sich jedoch aus der verfahrensrechtlichen Natur der Kollokationsklage als integrierendem Bestandteil der Konkursliquidation, dass die Schweiz international zuständig ist. Die Kollokationsklage dient ausschliesslich der Bereinigung des Kollokationsplans ohne Rechtskraftwirkung über das Konkursverfahren hinaus und kann daher nicht mit einer materiellrechtlichen Arrestprosequierungsklage verglichen werden. Das LugÜ bietet keine Grundlage, um die hoheitliche Kompetenz der schweizerischen Konkursverwaltung zu beschränken.

Regeste

Kollokation der Gläubiger beim Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung (Art. 321 i.V.m. Art. 244-251 SchKG); Vormerkung streitiger Forderungen im Kollokationsplan (Art. 63 KOV); Lugano-Übereinkommen (LugÜ). Für einen in der Schweiz durchgeführten Nachlassvertrag entscheiden die Liquidatoren über die Anerkennung der Forderungen (Art. 245 SchKG); die Vormerkung streitiger Forderungen im Kollokationsplan (Art. 63 KOV) bei einem Prozess in Belgien fällt ausser Betracht. Frage offengelassen, ob die Kollokationsklage gemäss Art. 250 SchKG vom Anwendungsbereich des LugÜ erfasst ist (E. 4). Regeste Collocation des créanciers dans le concordat par abandon d'actif (art. 321 en relation avec les art. 244-251 LP); mention de créances litigieuses dans l'état de collocation (art. 63 OAOF); Convention de Lugano (CL). Dès lors que la procédure concordataire se déroule en Suisse, les liquidateurs statuent sur l'admission au passif (art. 245 LP); la mention dans l'état de collocation (art. 63 OAOF) de créances litigieuses qui font l'objet de procès en Belgique n'entre pas en considération. Le point de savoir si l'action en contestation de l'état de collocation selon l'art. 250 LP est comprise dans le champ d'application de la CL a été laissé indécis (consid. 4). Regesto Graduazione dei creditori in un concordato con abbandono dell'attivo (art. 321 combinato con gli art. 244-251 LEF); registrazione nella graduatoria di crediti che formano oggetto di liti (art. 63 RUF); Convenzione di Lugano (CL). I liquidatori decidono sull'ammissione dei crediti in una procedura concordataria che si svolge in Svizzera (art. 245 LEF); la registrazione nella graduatoria di crediti che formano oggetto di liti (art. 63 RUF) in un processo in Belgio non entra in linea di conto. La questione a sapere se un'azione di contestazione della graduatoria rientra nel campo di applicazione della CL è stata lasciata indecisa (consid. 4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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