Justizze.

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Justizze. Art. 164 BV

Bundesgericht

Warnungsentzug des Führerausweises wegen Verkehrsverstosses im Ausland mangels gesetzlicher Grundlage unzulässig (Art. 164 BV, Art. 16 ff. SVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 133 II 331 · ATF 133 II 331 · DTF 133 II 331
Datum
14.06.2007
Geschäftsnummer
BGE 133 II 331
Abteilung
CH_BGE_004
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 164 BV Art. 182 BV Art. 16 SVG Art. 16d SVG Art. 164 SVG. Art. 34 VZV

Zusammenfassung

X., wohnhaft im Kanton St. Gallen, überschritt am 24. Juli 2005 auf der deutschen Autobahn BAB 5 bei Neuenburg die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h um 41 km/h. Das Regierungspräsidium Karlsruhe verurteilte ihn zu einer Busse von EUR 100.- und ordnete ein Fahrverbot von einem Monat an. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen entzog daraufhin den schweizerischen Führerausweis für drei Monate als Warnungsentzug wegen schwerer Widerhandlung im Ausland. Die Verwaltungsrekurskommission bestätigte diesen Entzug unter Anrechnung von fünf Tagen. X. reichte Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein und beantragte die Aufhebung der Entscheide sowie einen reduzierten Entzug von einem Monat.

Das Bundesgericht heisst die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gut und erklärt den Warnungsentzug des Führerausweises wegen einer im Ausland begangenen Verkehrsregelverletzung für unzulässig. Der Warnungsentzug stellt einen erheblichen Eingriff in die Rechte und Freiheiten dar und betrifft angesichts der grenzüberschreitenden Mobilität einen grossen Personenkreis, weshalb er als wichtige Bestimmung im Sinne von Art. 164 Abs. 1 Satz 1 BV in der Form des Bundesgesetzes erlassen werden muss. Das Strassenverkehrsgesetz enthält jedoch weder nach Wortlaut noch nach Sinn und Zweck eine ausreichend klare Grundlage für die Anordnung eines Warnungsentzugs bei Auslandtaten; die Bestimmungen erfassen allein Inlandtaten. Auch das Auswirkungsprinzip bietet keinen Anknüpfungspunkt, da ein abstraktes Risiko künftiger Verstösse in der Schweiz keine ausreichende Auswirkung auf dem Territorium darstellt.

Die Verordnungsnorm Art. 34 VZV, welche die Prüfung eines ergänzenden Entzugs bei ausländischer Aberkennung vorsieht, verstösst gegen Art. 164 sowie Art. 182 Abs. 1 BV, da das SVG keine Delegationsnorm für diese wichtige Regelung enthält und Ausführungsverordnungen den Anwendungsbereich des Gesetzes nicht auf gänzlich andere Sachverhalte ausweiten dürfen. Ebenso wenig bildet das Europäische Übereinkommen über die internationalen Wirkungen des Entzuges des Führerausweises eine hinreichende Grundlage, da es lediglich auf das innerstaatliche Recht verweist und keine völkerrechtliche Verpflichtung zur Anordnung begründet. Hingegen bleibt der Sicherungsentzug wegen fehlender Fahreignung gemäss Art. 16d SVG auch bei Auslandtaten zulässig, da dieser primär die Verhinderung künftiger Gefahren bezweckt und der massgebende Sachverhalt der fehlenden Eignung im Wohnsitzstaat eintritt.

Regeste

Entzug des schweizerischen Führerausweises wegen Verletzung von Verkehrsregeln im Ausland; gesetzliche Grundlage (Art. 164 und 182 BV; Art. 16 ff., 57 und 106 SVG; Art. 34 VZV; Europäisches Übereinkommen über die internationalen Wirkungen des Entzuges des Führerausweises für Motorfahrzeuge). Ein Warnungsentzug wegen Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften im Ausland ist mangels der hiefür erforderlichen gesetzlichen Grundlage unzulässig (Änderung der Rechtsprechung; E. 5-8). Er kann nicht auf das Territorialitätsprinzip und auch nicht auf das Auswirkungsprinzip gestützt werden (E. 6.1 und 6.2). Das formelle Gesetz (SVG) enthält weder nach seinem Wortlaut noch gemäss seinem Sinn und Zweck eine ausreichend klare Grundlage (E. 6.3 und 6.4). Es enthält insbesondere keine hinreichend deutlichen Anhaltspunkte für die Qualifizierung des Warnungsentzugs als eine um der Verkehrssicherheit willen angeordnete Massnahme mit präventivem und erzieherischem Charakter (E. 6.4.2). Art. 34 VZV (Art. 30 Abs. 4 aVZV) reicht aus verfassungsrechtlichen Gründen als Grundlage nicht aus (E. 7). Das Europäische Übereinkommen über die internationalen Wirkungen des Entzuges des Führerausweises für Motorfahrzeuge bildet keine hinreichende Grundlage für die Anordnung eines Warnungsentzugs wegen einer Auslandtat, die im Hoheitsgebiet einer Vertragspartei begangen wurde (E. 8). Hingegen kann ein Führerausweisentzug wegen fehlender Fahreignung (Sicherungsentzug) in Anbetracht seines sich aus dem formellen Gesetz (Art. 16d SVG) klar ergebenden Zwecks auch wegen Sachverhalten angeordnet werden, die sich im Ausland zutragen (E. 9.1). Entsprechendes gilt für den Entzug des Führerausweises wegen Wegfalls der gesetzlichen Voraussetzungen sowie wegen Missachtung von Beschränkungen und Auflagen (E. 9.2). Regeste Retrait du permis de conduire suisse consécutif à une violation des règles de la circulation routière commise à l'étranger; base légale (art. 164 et 182 Cst.; art. 16 ss, 57 et 106 LCR; art. 34 OAC; Convention européenne sur les effets internationaux de la déchéance du droit de conduire un véhicule à moteur). Faute d'une base légale suffisante, un retrait d'admonestation du permis de conduire pour une infraction aux règles de la circulation commise à l'étranger n'est pas admissible (changement de jurisprudence; consid. 5-8). On ne peut se fonder ni sur le principe de la territorialité ni sur celui des effets ("Auswirkungsprinzip"; consid. 6.1 et 6.2). La loi formelle (LCR) ne contient pas de base suffisamment claire, ni d'après son texte ni au regard de son sens et de son but (consid. 6.3 et 6.4). En particulier, font défaut des dispositions suffisamment précises permettant de qualifier le retrait d'admonestation comme une mesure tendant à garantir la sécurité du trafic et présentant un aspect éducatif et préventif (consid. 6.4.2). Pour des motifs de droit constitutionnel, l'art. 34 OAC (art. 30 al. 4 aOAC) ne peut constituer une base légale (consid. 7). La Convention européenne sur les effets internationaux de la déchéance du droit de conduire les véhicules à moteur ne constitue pas une base suffisante pour prononcer un retrait d'admonestation en raison d'un acte commis à l'étranger, sur un territoire soumis à la souveraineté d'une partie contractante (consid. 8). En revanche, un retrait du permis peut être ordonné en raison d'une inaptitude à la conduite (retrait de sécurité) également à l'occasion de faits qui se sont produits à l'étranger. Le but clairement défini dans la loi formelle (art. 16d LCR) le permet (consid. 9.1). Cela vaut également pour le retrait prononcé lorsque les conditions légales ne sont plus remplies et lorsque les restrictions et obligations imposées lors de la délivrance n'ont pas été observées (consid. 9.2). Regesto Revoca della licenza di condurre svizzera a seguito della violazione di norme della circolazione commessa all'estero; base legale (art. 164 e 182 Cost.; art. 16 segg., 57 e 106 LCStr; art. 34 OAC; Convenzione europea sugli effetti internazionali della decadenza del diritto di condurre un veicolo a motore). Mancando la necessaria base legale, una revoca della licenza di condurre a scopo di ammonimento per infrazioni alle prescrizioni della circolazione stradale perpetrate all'estero è inammissibile (cambiamento della giurisprudenza; consid. 5-8). Non può fondarsi né sul principio della territorialità né sul principio degli effetti ("Auswirkungsprinzip"; consid. 6.1 e 6.2). La legge in senso formale (LCStr) non contiene nessuna base sufficientemente chiara, né secondo il suo tenore letterale né secondo il suo senso e il suo scopo (consid. 6.3 e 6.4). In particolare, non contiene nessuna disposizione sufficientemente precisa per qualificare la revoca a scopo di ammonimento come una misura di natura preventiva e educativa ordinata per la sicurezza della circolazione (consid. 6.4.2). Per motivi afferenti il diritto costituzionale, l'art. 34 OAC (art. 30 cpv. 4 vOAC) non può costituire una base legale (consid. 7). La Convenzione europea sugli effetti internazionali della decadenza del diritto di condurre un veicolo a motore non costituisce una base sufficiente per ordinare una revoca a scopo di ammonimento per un'infrazione commessa all'estero sul territorio di una parte contraente (consid. 8). Per contro, tenuto conto del chiaro scopo che emerge dalla legge in senso formale (art. 16d LCStr), la revoca della licenza di condurre a causa di inidoneità alla guida (revoca a scopo di sicurezza) può essere pronunciata anche per fattispecie che si verificano all'estero (consid. 9.1). Ciò vale pure per la revoca della licenza di condurre in caso di inadempienza dei presupposti legali nonché in caso di inosservanza di limitazioni e obblighi ai quali il rilascio era stato subordinato (consid. 9.2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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