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Justizze. Art. 18 OR

Bundesgericht

Totalunternehmerin kündigt Werkvertrag vor Fertigstellung: Kein Teilvergütungsanspruch wegen fehlender Substanziierung des Teilwerkswerts nach Art. 18 OR

Datum
13.01.2021
Geschäftsnummer
4A_307/2020
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 75 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 29 BV Art. 1 OR Art. 18 OR Art. 42 OR Art. 111 OR Art. 260 SchKG Art. 53 ZPO Art. 150 ZPO Art. 152 ZPO

Zusammenfassung

Eine Totalunternehmerin schloss mit einer Bauherrin einen Pauschalpreis-Werkvertrag für eine Wohnüberbauung ab. Nach Baubeginn stellte die Totalunternehmerin die Arbeiten ein; der Konkurs wurde eröffnet. Die Bauherrin kündigte den Vertrag fristlos, beanspruchte das teilausgeführte Werk für sich und rief eine Erfüllungsgarantie in Höhe von 6,9 Mio. Franken ab. Die Klägerin, die die Garantie geleistet hatte und einen abgetretenen Anspruch der Konkursmasse geltend machte, verlangte vom Handelsgericht Zürich rund 12,965 Mio. Franken als Teilvergütung für das bis zur Kündigung erstellte Teilwerk sowie als Ausgleich für die gezogene Garantie. Das Handelsgericht wies die Klage ab, weil die Klägerin den Wert des Teilwerks nicht substanziiert darlegen konnte. Die Klägerin legte Beschwerde beim Bundesgericht ein.

Das Bundesgericht verwirft die Beschwerde und bestätigt die Abweisung der Klage. Es stellt fest, dass die Klägerin nicht substanziiert darlegen konnte, welche konkreten Leistungen die Totalunternehmerin bis zur Vertragsauflösung erbracht hatte und welchen Wert diese Leistungen hatten. Damit fehlt die Grundlage für die Berechnung eines Teilvergütungsanspruchs. Der Werkvertrag sah ausschliesslich Akontozahlungen vor, keine Teilzahlungen für definierte Teilwerke. Die Meilensteine im Zahlungsplan waren zu rudimentär beschrieben, um auf den Wert des Teilwerks zu schliessen. Auch die vereinbarte Dokumentation mittels Fotografien reichte nicht aus, um den Wert der erbrachten Leistungen zu bestimmen. Eine Tatsachenvermutung, wonach die Akontozahlungen automatisch den Wert des Teilwerks widerspiegeln, war im Vertrag nicht vereinbart. Da der Wert des Teilwerks nicht hinreichend substantiiert ist, kann auch nicht festgestellt werden, ob die Zahlung der Erfüllungsgarantie eine Vermögensverschiebung zu Lasten der Konkursmasse bewirkt hat. Die Entscheidung beruht auf Art. 12 OR (Vertragsfreiheit), Art. 13 OR (Vertragsauslegung), Art. 14 OR (objektivierte Auslegung), Art. 15 OR (Art. 18 Abs. 1 OR), Art. 16 OR (Beweislast), Art. 260 SchKG (Abtretung), Art. 150 ZPO (Beweisantrag), Art. 152 ZPO (Beweisaufnahme), Art. 53 ZPO (rechtliches Gehör), Art. 29 Abs. 2 BV (rechtliches Gehör), Art. 105 Abs. 1 BGG (Sachverhalt), Art. 105 Abs. 2 BGG (Berichtigung), Art. 106 Abs. 1 BGG (Rechtsanwendung), Art. 106 Abs. 2 BGG (Rügeprinzip), Art. 75 Abs. 1 BGG (Zulässigkeit), Art. 95 BGG (Rechtsverletzung), Art. 97 Abs. 1 BGG (Entscheidungserheblichkeit), Art. 66 Abs. 1 BGG (Kosten) und Art. 68 Abs. 2 BGG (Entschädigung). Die Klägerin trägt die Kosten und Entschädigung des Bundesgerichtsverfahrens. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, unter welchen Voraussetzungen ein ereignisgebundener Zahlungsplan im Werkvertrag zur Wertbestimmung des Teilwerks herangezogen werden darf und betont die strikte Substanziierungspflicht bei der Geltendmachung eines Teilvergütungsanspruchs.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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