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Justizze. Art. 21 RPG

Bundesgericht

Baubewilligung für Mehrfamilienhäuser: Zonenzuweisung der Waldgass-Fläche zur Wohnzone ist verbindlich für Überbauungsziffer-Berechnung, akzessorische Prüfung durch Kantonsgericht verboten (Art. 21 Abs. 1 RPG)

Datum
11.12.2019
Geschäftsnummer
1C_20/2019
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 82 BGG Art. 111 BGG Art. 52 PBG Art. 11 PBV Art. 21 RPG Art. 33 RPG

Zusammenfassung

Die A.________ AG beantragte eine Baubewilligung für zwei Mehrfamilienhäuser und zwei Einfamilienhäuser auf Parzelle Nr. 175 in Eich. Während der öffentlichen Auflage erhoben Nachbarn Einsprache. Der Gemeinderat Eich erteilte die Baubewilligung unter Bedingungen. Dagegen erhoben die Nachbarn Verwaltungsgerichtsbeschwerde. Das Kantonsgericht Luzern hob den Entscheid des Gemeinderats auf, weil es die auf der Bauparzelle liegende Fläche der Waldgass – trotz Zuweisung zur Wohnzone im Zonenplan – als Feinerschliessungsfläche nach § 11 Abs. 3 PBV qualifizierte und daher von der anrechenbaren Grundstücksfläche ausschloss. Dagegen erhoben die Gemeinde Eich und die A.________ AG gemeinsam Beschwerde ans Bundesgericht. Streitig war, ob die Zonenzuweisung im rechtskräftigen Zonenplan für die Baubewilligung verbindlich ist oder ob das Kantonsgericht im Einzelfall eine abweichende Qualifikation vornehmen durfte.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Kantonsgerichts Luzern auf und verwies die Sache zur neuen Beurteilung zurück. Es entschied, dass die Zuweisung der Waldgass-Fläche zur Wohnzone im rechtskräftigen Zonenplan verbindlich ist und deshalb für die Berechnung der Überbauungsziffer als anrechenbare Grundstücksfläche angerechnet werden muss. Eine abweichende Qualifikation als Feinerschliessungsfläche nach § 11 Abs. 3 PBV ist im Baubewilligungsverfahren unzulässig, weil der Nutzungsplan nicht mehr angefochten werden konnte und kein Ausnahmefall für eine vorfrageweise Anfechtung vorlag (Art. 111 BGG i.V.m. Art. 33 Abs. 2 RPG). Das Kantonsgericht verletzte damit Bundesrecht, indem es den rechtskräftigen Zonenplan einer akzessorischen Prüfung unterzog (Art. 21 Abs. 1 RPG). Der Zusammenhang zwischen § 52 PBG (Verkehrszone) und § 11 PBV (anrechenbare Grundstücksfläche) ist offensichtlich: Flächen für den Strassenverkehr nach § 52 PBG sind Teil der strassenmässigen Erschliessung und können nach § 11 PBV als Feinerschliessung aus der aGSF ausgenommen werden – doch nur, wenn sie im Zonenplan entsprechend ausgewiesen sind; hier war dies nicht der Fall. Die Beschwerdeführer hatten zudem ein schutzwürdiges Interesse: die Gemeinde als Hoheitsträgerin (Art. 89 Abs. 2 lit. c BGG) und die Bauherrin als besonders berührte Privatperson (Art. 89 Abs. 1 BGG). Die Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- wurden den Beschwerdegegnern auferlegt (Art. 66 Abs. 1 BGG), Parteientschädigung wurde verneint (Art. 68 Abs. 1 und 3 BGG). Die Entscheidung klärt zentral, dass ein rechtskräftiger Zonenplan im Baubewilligungsverfahren grundsätzlich verbindlich ist und nicht durch eine Einzelfallbeurteilung im Wege einer akzessorischen Prüfung ausgehebelt werden darf.

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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