Justizze.

Die Schweizer Rechtsdatenbank mit KI.

Justizze. Art. 31a AsylG

Bundesverwaltungsgericht

Asylsuchende mit gültigem schwedischem Aufenthaltstitel wird nach Schweden zurücküberstellt: Nichteintreten auf Asylgesuch rechtmäßig, da Schweden zuständig ist und kein Vollzugshindernis besteht (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG)

Datum
01.04.2026
Geschäftsnummer
F-2260/2026
Abteilung
Abteilung V (Asylrecht)
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 31a AsylG Art. 12 Dublin-III Art. 3 Dublin-III-VO Art. 12 Dublin-III-VO Art. 3 EMRK

Zusammenfassung

Eine afghanische Staatsangehörige stellte in der Schweiz ein Asylgesuch und legte dabei einen gültigen schwedischen Aufenthaltstitel vor. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) lehnte es ab, auf das Gesuch einzutreten, und ordnete ihre Wegweisung nach Schweden an, weil Schweden gemäss Dublin-III-Verordnung zuständig sei. Die Beschwerdeführerin wandte sich ans Bundesverwaltungsgericht und beantragte die Aufhebung der Verfügung sowie die Durchführung eines nationalen Asylverfahrens in der Schweiz. Sie machte insbesondere häusliche Gewalt durch ihre Schwiegerfamilie in Schweden und gesundheitliche Probleme geltend, die eine Rückkehr gefährden würden. Streitig war, ob Schweden tatsächlich zuständig ist und ob völkerrechtliche Vollzugshindernisse – etwa wegen Gefahr für Leib und Leben oder unzureichender medizinischer Versorgung – bestehen.

Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde ab und bestätigte die Verfügung des SEM, auf das Asylgesuch nicht einzutreten und die Wegweisung nach Schweden anzuordnen.

Die Beschwerdeführerin verfügte zum Zeitpunkt ihrer Asylantragstellung in der Schweiz über einen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gültigen schwedischen Aufenthaltstitel, weshalb Schweden gemäss Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO grundsätzlich zuständig war. Die schwedischen Behörden hatten dem Übernahmeersuchen des SEM fristgerecht zugestimmt. Es lagen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die Zuständigkeit erloschen war oder dass die Beschwerdeführerin das Hoheitsgebiet der EU-Mitgliedstaaten verlassen hatte. Ihre in der Schweiz lebenden Verwandten waren weder Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Buchstabe g Dublin-III-VO noch standen sie mit ihr in einem besonderen Abhängigkeitsverhältnis im Sinne von Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO, da sie weder bei ihnen wohnte noch zwingend auf deren ständige Unterstützung angewiesen war. Das Asylverfahren in Schweden weist keine systemischen Schwachstellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO auf, sodass die Vermutung gilt, dass Schweden seinen völker- und gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen nachkommt. Die Beschwerdeführerin brachte kein konkretes und ernsthaftes Risiko vor, dass schwedische Behörden sie nicht aufnehmen oder den Grundsatz des Non-Refoulement missachten würden; sie hatte dort bereits Schutz erhalten, indem ihr ein geschütztes Wohnheim zur Verfügung gestellt wurde. Ihre gesundheitlichen Probleme – darunter (Nennung Leiden und Verdachtsdiagnose) – sind nicht so schwerwiegend, dass eine Rückkehr ein realistisches Risiko einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands darstellen würde; Schweden verfügt über eine ausreichende medizinische Infrastruktur und ist gemäss Art. 19 Abs. 1 der Aufnahmerichtlinie verpflichtet, ihr bei Bedarf die erforderliche medizinische und psychologische Betreuung zukommen zu lassen, die sie dort bereits erhalten hatte. Das SEM hatte die relevanten ärztlichen Unterlagen und eigene Abklärungen bei Medic-Help berücksichtigt und durfte in antizipierter Beweiswürdigung darauf verzichten, weitere medizinische Abklärungen abzuwarten. Eine Ermessensunterschreitung beim Selbsteintritt nach Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 lag nicht vor.

Die Entscheidung beruht auf Art. 31a Abs. 1 Buchstabe b AsylG (L8), Art. 31a Abs. 1–3 AsylG (L9), Art. 12 Abs. 1 Dublin-III-VO (L15), Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO (L22), Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO (L23), Art. 16 Abs. 1 Dublin-III-VO (L26), Art. 3 EMRK (L27) und Art. 52 Abs. 1 VwVG (L30). Die Kosten von Fr. 750.– wurden der Beschwerdeführerin auferlegt; ihr Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wurde abgewiesen.

Die Entscheidung bestätigt die strikte Anwendung der Dublin-Kriterien bei Vorliegen eines gültigen Aufenthaltstitels und verdeutlicht die hohe Hürde für die Geltendmachung völkerrechtlicher Vollzugshindernisse, insbesondere bei medizinischen Argumenten, die nicht den EGMR-Standards für Art. 3 EMRK entsprechen.

Regeste

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren - Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG)

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

Verwandte Entscheide