Steuerpflichtige AG beantragt Revision wegen interkantonaler Doppelbesteuerung: Kein zulässiger Revisionsgrund für direkte Bundessteuer und Kantonssteuern; Fristversäumnis führt zur Ablehnung (Art. 127 Abs. 3 BV, Art. 147 DBG, Art. 51 StHG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 151 II 673 · ATF 151 II 673 · DTF 151 II 673
- Datum
- 01.01.2025
- Geschäftsnummer
- BGE 151 II 673
- Abteilung
- CH_BGE_004
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Die A. AG, eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zug, war für die Steuerperioden 2015 bis 2018 durch die kantonale Steuerverwaltung Zug definitiv veranlagt worden. Das Kantonale Steueramt Zürich beanspruchte später ab 2015 die unbeschränkte Steuerhoheit über die Gesellschaft und wies Einsprache und Rekurs ab. Die A. AG reichte am 16. Mai 2023 ein Revisionsgesuch bei der Steuerverwaltung Zug ein, um die Veranlagungen für die direkte Bundessteuer sowie die Kantons- und Gemeindesteuern zu revidieren, da eine interkantonale Doppelbesteuerung drohe. Die Steuerverwaltung Zug trat wegen Fristversäumnisses nicht auf das Gesuch ein. Nach erfolglosem Einspruch und einer abgewiesenen Beschwerde vor dem Verwaltungsgericht Zug erhob die A. AG Beschwerde ans Bundesgericht. Streitig war, ob die interkantonale Doppelbesteuerung ein zulässiger Revisionsgrund ist und ob das Revisionsgesuch fristgerecht eingereicht wurde.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die A. AG im Revisionsgesuch betreffend die direkte Bundessteuer keinen zulässigen Revisionsgrund geltend gemacht habe; die interkantonale Doppelbesteuerung sei gemäss Art. 147 DBG grundsätzlich kein zulässiger Revisionsgrund für die direkte Bundessteuer, auch nicht unter Berufung auf Art. 127 Abs. 3 BV. Für die Kantons- und Gemeindesteuern habe die A. AG ebenfalls keinen anderen Revisionsgrund als das Doppelbesteuerungsverbot genannt, das nach ständiger Rechtsprechung im harmonisierten Steuerrecht kein aussergesetzlicher Revisionsgrund darstelle. Der Rechtsgrundsatz des Numerus clausus in Art. 51 ff. StHG schliesse solche übergesetzlichen Gründe aus. Zudem habe die A. AG das Revisionsgesuch verspätet eingereicht: Die Vorinstanz habe die 90-Tage-Frist nach Art. 51 Abs. 3 StHG analog ab dem Zeitpunkt der Eröffnung des Steuerdomizilentscheids des Kantons Zürich vom 12. Mai 2022 berechnet; das Gesuch vom 16. Mai 2023 liege daher ausserhalb dieser Frist. Das Bundesgericht hielt fest, dass es keinem Kanton bundesrechtlich vorgeschrieben sei, nachträglich auf Veranlagungsentscheide zurückzukommen, und dass es nicht willkürlich sei, wenn ein Kanton wie Zug die Einhaltung einer Frist für Wiedererwägungsgesuche verlange. Damit war die Beschwerde unbegründet.
Die Entscheidung klärt endgültig, dass Art. 127 Abs. 3 BV keinen Anspruch auf Revision oder Wiedererwägung begründet, sondern die Durchsetzung des Doppelbesteuerungsverbots allein über den ordentlichen Instanzenzug im zweitveranlagenden Kanton erfolgen muss. Sie bestätigt die strikte Auslegung des Numerus clausus im Steuerrecht und präzisiert die Grenzen der Wiedererwägung pendente lite im Kontext interkantonaler Doppelbesteuerung.
Regeste
Art. 127 Abs. 3 BV; Art. 147 DBG; Art. 51 StHG; formelle Anforderungen an Revisionsgesuche; interkantonale Doppelbesteuerung; nachträgliche Aufhebung oder Änderung von Veranlagungsentscheiden; Revision oder Wiedererwägung. Ersucht eine steuerpflichtige Person um Revision eines Veranlagungsentscheids betreffend die direkte Bundessteuer, muss sie einen zulässigen Revisionsgrund substanziiert behaupten, andernfalls die angerufene Behörde auf das Gesuch nicht einzutreten braucht (E. 3.2). Abgesehen von gewissen Sonderkonstellationen ist die interkantonale Doppelbesteuerung bei der direkten Bundessteuer kein zulässiger Revisionsgrund (E. 3.3). Auch bei den Kantons- und Gemeindesteuern ist die interkantonale Doppelbesteuerung grundsätzlich kein Revisionsgrund (E. 4.1-4.5). Das Bundesrecht verbietet den kantonalen Steuerbehörden aber nicht, ihre nicht angefochtenen Veranlagungsentscheide in Wiedererwägung zu ziehen, soweit diesen ansonsten wegen interkantonaler Doppelbesteuerung die Aufhebung oder Änderung durch das Bundesgericht droht ("Wiedererwägung pendente lite"; E. 4.6). Es ist nicht willkürlich, wenn kantonale Steuerbehörden auf entsprechende Gesuche nur eintreten, sofern sie innerhalb der Revisionsfrist (Art. 51 Abs. 3 StHG analog) gestellt worden sind (E. 4.7). Regeste Art. 127 al. 3 Cst.; art. 147 LIFD; art. 51 LHID; exigences formelles applicables aux demandes de révision; double imposition intercantonale; révocation ou modification ultérieure de décisions de taxation; révision ou reconsidération. Lorsqu'un contribuable demande la révision d'une décision de taxation afférente à l'impôt fédéral direct, il lui incombe d'invoquer de manière circonstanciée un motif de révision recevable, faute de quoi l'autorité saisie n'est pas tenue d'entrer en matière sur la demande (consid. 3.2). Hormis certaines situations particulières, la double imposition intercantonale ne constitue pas un motif de révision admissible en matière d'impôt fédéral direct (consid. 3.3). De même, la double imposition intercantonale ne constitue en principe pas non plus un motif de révision en ce qui concerne les impôts cantonaux et communaux (consid. 4.1-4.5). Le droit fédéral n'exclut toutefois pas que les autorités fiscales cantonales procèdent à une reconsidération de leurs décisions de taxation non contestées lorsqu'elles risquent sinon d'être annulées ou modifiées par le Tribunal fédéral en raison d'une double imposition intercantonale ("reconsidération pendente lite"; consid. 4.6). Il n'y a pas arbitraire si les autorités fiscales cantonales n'entrent en matière sur de telles demandes que si elles ont été présentées dans le délai de révision (art. 51 al. 3 LHID par analogie; consid. 4.7). Regesto Art. 127 cpv. 3 Cost.; art. 147 LIFD; art. 51 LAID; requisiti formali per le richieste di revisione; doppia imposizione intercantonale; revoca o modifica successiva di decisioni di tassazione; revisione o riconsiderazione. Se un contribuente domanda la revisione di una decisione di tassazione relativa all'imposta federale diretta, deve indicare in modo circostanziato un motivo di revisione ammissibile, altrimenti l'autorità adita non è tenuta a entrare nel merito della richiesta (consid. 3.2). A parte alcune situazioni particolari, la doppia imposizione intercantonale non è un motivo di revisione ammissibile in materia d'imposta federale diretta (consid. 3.3). Anche per le imposte cantonali e comunali la doppia imposizione intercantonale non è, in linea di principio, un motivo di revisione dell'imposta (consid. 4.1-4.5). Il diritto federale non vieta però alle autorità fiscali cantonali di riconsiderare le loro decisioni di tassazione non contestate, se altrimenti rischiano di essere annullate o modificate dal Tribunale federale a causa della doppia imposizione intercantonale ("riconsiderazione pendente lite"; consid. 4.6). Non è arbitrario se le autorità fiscali cantonali si determinano sulle richieste corrispondenti solo se presentate entro il termine di revisione (art. 51 cpv. 3 LAID per analogia; consid. 4.7).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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