Pensionskasse fordert Rückzahlung einer unrechtmässig ausbezahlten Invalidenkinderrente von der Kindsmutter: Rückerstattungspflicht trifft allein den Versicherten als Leistungsempfänger (Art. 25 Abs. 1 und Art. 35a BVG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 150 V 447 · ATF 150 V 447 · DTF 150 V 447
- Datum
- 16.07.2024
- Geschäftsnummer
- BGE 150 V 447
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Eine Pensionskasse klagte gegen einen Versicherten, um die Rückzahlung einer Invalidenkinderrente zu erzwingen, die sie direkt an dessen Ex-Ehefrau, die Mutter der Kinder, ausgezahlt hatte. Streitig war, ob die Mutter als Empfängerin der Leistung rückerstattungspflichtig sei oder ob diese Pflicht allein beim Versicherten liege. Die Vorinstanz hatte die Klage nur teilweise gutgeheissen und die Rückforderung gegenüber der Mutter abgelehnt.
Das Bundesgericht hob das Urteil der Vorinstanz auf und wies die Beschwerde der Pensionskasse gut. Es entschied, dass die Rückerstattungspflicht für die unrechtmässig ausbezahlte Invalidenkinderrente allein den Versicherten trifft. Denn gemäss Art. 25 Abs. 1 BVG liegt die Anspruchsberechtigung für die Invalidenkinderrente grundsätzlich bei der versicherten Person, und die gesetzlichen sowie reglementarischen Bestimmungen sehen keine Drittauszahlung an die Kindsmutter vor. Damit fehlt dieser das für eine Rückerstattung nach Art. 35a BVG erforderliche berufsvorsorgerechtliche Verhältnis zur Pensionskasse. Die Mutter ist daher nicht Leistungsempfängerin im Sinne von Art. 35a Abs. 1 BVG, sondern lediglich eine Drittperson, die die Leistungen im Auftrag des Versicherten als Inkasso- oder Zahlstelle entgegengenommen hat. Die Rückerstattungspflicht ergibt sich somit ausschliesslich aus dem Verhältnis zwischen Versicherter und Pensionskasse und richtet sich nach Art. 35a BVG, dessen Anwendung auf die obligatorische und weitergehende Vorsorge durch Art. 49 Abs. 2 Ziff. 4 BVG ausdrücklich geregelt ist. Der Betrag von Fr. 4'770.60 wurde nicht bestritten und ist daher vollumfänglich rückerstattungspflichtig. Das Bundesgericht stellte klar, dass Art. 35a BVG – anders als Art. 25 ATSG – ein vertraglich ausgerichtetes berufsvorsorgerechtliches Verhältnis voraussetzt und nicht gegen Unbeteiligte gerichtet ist. Diese Entscheidung präzisiert die Voraussetzungen für die Rückerstattungspflicht bei Drittauszahlungen in der beruflichen Vorsorge und unterstreicht die zentrale Rolle des Versicherten als Leistungsempfänger.
Regeste
Art. 25 Abs. 1 und Art. 35a BVG; Rückforderung einer unrechtmässig erwirkten Invalidenkinderrente, welche gestützt auf eine Zahlungsanweisung direkt an die nicht an der Stammrente berechtigte Kindsmutter ausbezahlt wurde; Begriff des Leistungsempfängers im Sinne von Art. 35a Abs. 1 BVG. Die Anspruchsberechtigung für eine Invalidenkinderrente der zweiten Säule liegt grundsätzlich bei der versicherten Person; die rechtlichen Bestimmungen räumen keinen Anspruch auf Drittauszahlung ein. Nachdem vorliegend auch die reglementarischen Bestimmungen keinen solchen vorsehen, fehlt der Kindsmutter das nach Art. 35a BVG für eine Rückerstattung prinzipiell verlangte berufsvorsorgerechtliche Verhältnis zur rückerstattungsberechtigten Vorsorgeeinrichtung. Sie ist deshalb als Drittperson zu betrachten, welche die Leistungen lediglich im Auftrag des Kindsvaters als Inkasso- oder Zahlstelle entgegengenommen hat. Ihn allein trifft die Rückerstattungspflicht (E. 5). Regeste Art. 25 al. 1 et art. 35a LPP; restitution d'une rente complémentaire pour enfant d'invalide obtenue illégalement et versée sur la base d'un ordre de paiement directement à la mère de l'enfant qui n'est pas titulaire de la rente ordinaire; notion de bénéficiaire de la prestation au sens de l'art. 35a al. 1 LPP. Le droit à une rente complémentaire pour enfant d'invalide du deuxième pilier appartient en principe à la personne assurée; les dispositions légales n'admettent pas le droit au paiement en mains d'un tiers. Comme les dispositions réglementaires ne prévoient en l'occurrence pas davantage un tel droit, le lien exigé de principe par l'art. 35a LPP entre la mère de l'enfant et l'institution de prévoyance légitimée à demander la restitution fait défaut. La mère doit dès lors être considérée comme un tiers qui a juste encaissé les prestations sur ordre du père de l'enfant comme un office d'encaissement ou de paiement. C'est seulement au père qu'incombe l'obligation de restituer (consid. 5). Regesto Art. 25 cpv. 1 e art. 35a LPP; restituzione di una rendita complementare per figli d'invalido ottenuta illegalmente, che è stata versata sulla base di un ordine di pagamento direttamente alla madre del figlio non avente diritto alla rendita ordinaria; nozione di beneficiario della prestazione ai sensi dell'art. 35a cpv. 1 LPP. Il diritto a una rendita complementare per figli d'invalido del secondo pilastro spetta in linea di principio alla persona assicurata; le disposizioni legali non prevedono alcun diritto al pagamento a terzi. Poiché nel caso in questione anche le disposizioni regolamentari non prevedono tale diritto, fa difetto il legame richiesto di principio dall'art. 35a LPP tra la madre del figlio e l'istituto di previdenza legittimato a chiedere la restituzione. La madre deve pertanto essere considerata come una terza persona che ha solamente riscosso le prestazioni per conto del padre del figlio come un ufficio di incasso o di pagamento. Egli soltanto è soggetto all'obbligo di restituzione (consid. 5).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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