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Justizze. Art. 73 BVG

Bundesgericht

Stiftung als frühere Arbeitgeberin wehrt sich gegen Sanierungsbeitrag der Pensionskasse Basel-Stadt: Klage verfrüht, weil Aufsichtsbehörde nicht zuvor über Sanierungsbedürftigkeit entschieden hat (Art. 73 BVG)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 V 26 · ATF 150 V 26 · DTF 150 V 26
Datum
09.11.2023
Geschäftsnummer
BGE 150 V 26
Abteilung
CH_BGE_007
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 99 BGG Art. 61 BVG Art. 62 BVG Art. 65c BVG Art. 65d BVG Art. 73 BVG Art. 74 BVG Art. 44 BVV

Zusammenfassung

Eine medizinische Stiftung in Basel, die sich bis 2013 als Arbeitgeberin einer kantonalen Pensionskasse angeschlossen hatte, wurde von dieser verklagt, einen Sanierungsbeitrag von über sechs Millionen Franken für ihr Rentnervorsorgewerk zu leisten. Die Stiftung erhob Beschwerde gegen das kantonale Urteil, das die Klage teilweise gutgeheissen hatte. Streitig war, ob die Pensionskasse überhaupt berechtigt war, den Beitrag einzufordern, und ob das kantonale Gericht zuständig war, die Rechtmässigkeit der Sanierungsmassnahmen selbst zu prüfen – oder ob diese Frage allein der Aufsichtsbehörde oblag.

Das Bundesgericht hob das kantonale Urteil auf und wies die Klage als verfrüht ab. Es stellte fest, dass die Rechtmässigkeit der Sanierungsmassnahmen an sich – also etwa die Feststellung der Sanierungsbedürftigkeit, die Wahl der Sanierungsmethode oder die Verhältnismässigkeit der Massnahme – ausschliesslich in die Zuständigkeit der Aufsichtsbehörde fällt (Art. 73 BVG, Art. 62 Abs. 1 lit. d BVG, Art. 65c Abs. 1 und Abs. 2 BVG, Art. 65d Abs. 1 und Abs. 2 BVG). Da die Aufsichtsbehörde kein Verfahren zur finanziellen Sicherheit und Sanierung des Vorsorgewerks durchgeführt hatte – was angesichts der erheblichen Unterdeckung seit Ende 2008 zwingend geboten gewesen wäre –, durfte das kantonale Berufsvorsorgegericht diese Fragen nicht selbst entscheiden. Die Vorinstanz hatte daher zu Unrecht die Sanierungsbedürftigkeit, die Berechnung der Unterdeckung unter verschiedenen Gesichtspunkten und die Verhältnismässigkeit der Ausfinanzierungspflicht geprüft. Solange die Aufsichtsbehörde nicht über die Sanierungsmassnahmen an sich entschieden hat, lässt sich die konkrete Ausfinanzierungspflicht der Stiftung nicht abschliessend beurteilen (Art. 73 BVG, Art. 62 Abs. 1 BVG, Art. 74 BVG). Die Beschwerde war deshalb begründet. Das Bundesgericht verwies darauf, dass die konkrete Umsetzung der Sanierung – etwa die vertragliche Grundlage des Anspruchs – in einem späteren Verfahren zu klären bleibt, sobald die aufsichtsrechtliche Klärung erfolgt ist. Die Entscheidung bestätigt die strikte Trennung zwischen aufsichtsrechtlicher Gestaltung und vorsorgerechtlicher Umsetzung und schützt damit die Kompetenzordnung des BVG.

Regeste

Art. 62 Abs. 1 und Art. 73 BVG; Zuständigkeiten im Streit betreffend die Sanierung einer Vorsorgeeinrichtung. Bestätigung der Rechtsprechung, wonach es keine Kompetenzattraktion des kantonalen Berufsvorsorgegerichts in Bezug auf rein aufsichtsrechtliche (Vor-)Fragen gibt. Im Streit betreffend die Sanierung einer Vorsorgeeinrichtung (resp. eines Vorsorgewerks) ist zu unterscheiden, ob die Rechtmässigkeit von Sanierungsmassnahmen an sich in Frage steht - was in die alleinige Beurteilungskompetenz der Aufsichtsbehörde fällt -, oder ob auch resp. nur die konkrete Umsetzung der Sanierung auf der Basis des Anschlussvertrags zu beurteilen ist (E. 4.1). Regeste Art. 62 al. 1 et art. 73 LPP; compétences en cas de litige concernant l'assainissement d'une institution de prévoyance. Confirmation de la jurisprudence selon laquelle il n'y a pas d'attraction de compétence du tribunal cantonal compétent en matière de prévoyance professionnelle en ce qui concerne les questions (préalables) relevant purement de la surveillance. En cas de litige concernant l'assainissement d'une institution de prévoyance (respectivement d'une oeuvre de prévoyance), il faut distinguer si la légalité de mesures d'assainissement en soi est en cause - ce qui relève de la seule compétence de l'autorité de surveillance - ou si c'est aussi respectivement seulement la mise en oeuvre concrète de l'assainissement sur la base du contrat d'affiliation qui doit être jugée (consid. 4.1). Regesto Art. 62 cpv. 1 e art. 73 LPP; competenze nelle controversie relative al risanamento di un istituto di previdenza. Conferma della giurisprudenza secondo cui non vi è un'attrazione di competenze del Tribunale cantonale in materia di previdenza professionale per le questioni (preliminari) di natura puramente di vigilanza. In una controversia riguardante il risanamento di un istituto di previdenza (o di una cassa pensioni affiliata) occorre distinguere se è in discussione la legalità delle misure di risanamento in sé - di esclusiva competenza dell'autorità di vigilanza - o se deve essere valutata anche o solo l'attuazione concreta del risanamento sulla base del contratto di affiliazione (consid. 4.1).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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