Neue Eigentümerin erwirbt Industriegrundstück mit Zwischennutzung und plant Wohnüberbauung: Vorsteuerabzug für Rückbaukosten abgelehnt, weil Nutzung steuerausgenommen ist (Art. 29 Abs. 1 MWSTG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 149 II 147 · ATF 149 II 147 · DTF 149 II 147
- Datum
- 13.09.2022
- Geschäftsnummer
- 2C_876/2020
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Gutgeheissen
Tragende Normen
Art. 82 BGG Art. 90 BGG Art. 100 BGG Art. 105 BGG Art. 1 MWSTG Art. 10 MWSTG Art. 21 MWSTG Art. 22 MWSTG Art. 28 MWSTG Art. 29 MWSTG Art. 69 MWSTG Art. 81 MWSTG Art. 82 MWSTG Art. 89 MWSTV Art. 261 OR
Zusammenfassung
Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) erliess eine Feststellungsverfügung, mit der sie entschied, dass die A.________ AG als neue Eigentümerin eines Industriegrundstücks keinen Vorsteuerabzug für die geplanten Rückbaukosten geltend machen könne. Die A.________ AG erhob dagegen Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht, das die Beschwerde gut hiess und feststellte, dass ein Vorsteuerabzug im Umfang der bisherigen steuerbaren Nutzung zulässig sei. Dagegen erhob die ESTV beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten. Streitig war insbesondere, ob die Rückbaukosten der Phase „Betrieb“ oder der Phase „Erstellung“ zuzuordnen sind und ob die Zwischennutzung als hinreichende steuerbare Nutzung gilt.
Das Bundesgericht hob den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts auf und bestätigte die Feststellungsverfügung der ESTV. Es stellte fest, dass die A.________ AG als neue Eigentümerin das Grundstück am 14. November 2018 erworben hatte, um darauf eine Wohnüberbauung zu realisieren. Die vorherige Zwischennutzung durch Mietverträge bis zum 30. Juni 2020 war akzessorisch und befristet, sodass sie keine hinreichende steuerbare Nutzung darstellte. Der Rückbau gehörte daher nicht zur Phase „Betrieb“, sondern zur Phase „Erstellung“ im Hinblick auf die künftige Nutzung. Da die geplante Wohnüberbauung überwiegend steuerausgenommen sein wird – nämlich gemäss Art. 21 Abs. 2 Ziff. 21 MWSTG für die Überlassung von Grundstücken zum Gebrauch – und keine Option für die Versteuerung möglich ist (Art. 22 Abs. 2 lit. b MWSTG), standen die Rückbaukosten im Zusammenhang mit einer steuerausgenommenen Ausgangsleistung. Damit war der Vorsteuerabzug nach Art. 29 Abs. 1 MWSTG ausgeschlossen. Die ESTV durfte daher bundesrechtskonform feststellen, dass die Rückbaukosten nicht zum Vorsteuerabzug berechtigten. Die vorinstanzlichen Sachverhaltsfeststellungen waren verbindlich (Art. 105 Abs. 1 BGG), und die Beschwerde war zulässig (Art. 82 lit. a, Art. 86 Abs. 1 lit. a, Art. 89 Abs. 2 lit. d MWSTV in Verbindung mit Art. 141 MWSTV, Art. 90 und Art. 100 Abs. 1 BGG). Die Kosten des bundesgerichtlichen Verfahrens trägt die A.________ AG (Art. 65 in Verbindung mit Art. 66 Abs. 1 Satz 1 BGG), während die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen für das vorinstanzliche Verfahren an das Bundesverwaltungsgericht zurückzuweisen ist (Art. 107 Abs. 2 Satz 1 BGG). Diese Entscheidung präzisiert die Anwendung des Vorsteuerabzugsverbots bei Rückbaukosten im Fall eines Eigentümerwechsels zugunsten einer steuerausgenommenen Nutzung.
Regeste
Art. 1 Abs. 1, Art. 10 Abs. 1, Art. 28 Abs. 1, Art. 29, 69 und 82 Abs. 1 lit. f MWSTG 2009; zur mehrwertsteuerlichen Abzugsberechtigung künftiger vorsteuerbelasteter Rückbaukosten, die zum Gegenstand einer Feststellungsverfügung gemacht werden. Dem Ersuchen um Erlass einer Feststellungsverfügung hat die steuerpflichtige Person im individuell-konkreten Fall einen präzis umschriebenen Sachverhalt zu unterlegen. Nur dieser ist von der ESTV zu beurteilen (E. 3.3). Begriff des Rückbaus (E. 3.2.3). Vorsteuerbelastete Rückbaukosten sind mehrwertsteuerrechtlich dann nach Massgabe der künftigen Nutzung des Grundstücks zu beurteilen, wenn der Unternehmensträger das bebaute Grundstück erwirbt, um sogleich den Rückbau der bisherigen Gebäude an die Hand zu nehmen und eine neue Überbauung zu realisieren. Eine nur sehr kurzfristige Nutzung zwischen Erwerb und Rückbau vermag nicht dazu zu führen, dass die Vorsteuerabzugsberechtigung aufgrund der bisherigen (Zwischen-)Nutzung zu würdigen wäre (E. 3.2, 4.2-4.4). Regeste Art. 1 al. 1, art. 10 al. 1, art. 28 al. 1, art. 29, 69 et 82 al. 1 let. f LTVA 2009; droit à la déduction TVA sur de futurs frais de démolition soumis à un impôt préalable, faisant l'objet d'une décision en constatation. A l'appui de sa demande de décision en constatation, l'assujetti doit présenter un état de fait précis dans un cas individuel et concret. L'AFC ne doit se prononcer que sur cette situation (consid. 3.3). Notion de démolition (consid. 3.2.3). Sous l'angle de la TVA, les frais de démolition soumis à l'impôt préalable doivent être appréciés en fonction de l'utilisation future de l'immeuble lorsque l'exploitant de l'entreprise acquiert un terrain bâti dans le but de détruire immédiatement la construction existante et d'en réaliser une nouvelle. Une très courte utilisation entre l'acquisition et la destruction ne permet pas d'évaluer le droit à la déduction de l'impôt préalable sur la base de l'utilisation (intermédiaire) antérieure (consid. 3.2, 4.2-4.4). Regesto Art. 1 cpv. 1, art. 10 cpv. 1, art. 28 cpv. 1, artt. 29, 69 e 82 cpv. 1 lett. f LIVA 2009; deducibilità dell'IVA su future spese di demolizione sottoposte all'imposta precedente, oggetto di una decisione di accertamento. A sostegno della (sua) domanda di accertamento, il contribuente deve presentare uno stato di fatto preciso concernente un caso specifico e concreto. L'AFC deve pronunciarsi unicamente su questo caso (consid. 3.3). Nozione di demolizione (consid. 3.2.3). Dal profilo dell'IVA, le spese di demolizione sottoposte all'imposta precedente devono essere valutate in funzione della futura utilizzazione dell'immobile, quando il titolare dell'impresa compra un fondo edificato al fine di demolire immediatamente l'edificio esistente e di costruirne uno nuovo. Un'utilizzazione molto breve tra l'acquisto e la demolizione non permette di valutare il diritto alla deduzione dell'imposta precedente sulla base dell'utilizzazione (intermediaria) precedente (consid. 3.2, 4.2-4.4).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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