Versicherter mit schwerer Tetraparese erhält Hilflosenentschädigung und Pflegebeitrag: Abzug der Hilflosenentschädigung bei Berechnung des Beitrags an nichtmedizinische Hilfe zu Hause, 15 % für Fortbewegung ausserhalb des Hauses ausgenommen (Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 V 28 · ATF 148 V 28 · DTF 148 V 28
- Datum
- 01.01.2017
- Geschäftsnummer
- BGE 148 V 28
- Ausgang
- Teilweise gutgeheissen
Tragende Normen
Zusammenfassung
Ein Versicherter erlitt 2011 einen Unfall mit schwerer Tetraparese und neurogenen Funktionsstörungen. Die Suva gewährte ihm eine Hilflosenentschädigung bei schwerem Grad der Hilflosigkeit sowie Hauspflegeleistungen. Nach einer Verbesserung der Gesundheit senkte die Suva 2017 den monatlichen Pflegebeitrag auf Fr. 748.–. Der Versicherte legte Einsprache ein, die abgewiesen wurde. Vor dem Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich blieb sein Antrag erfolglos. Er erhob Beschwerde ans Bundesgericht mit der Forderung, den Pflegebeitrag neu zu berechnen, ohne Anrechnung der Hilflosenentschädigung. Streit war insbesondere, ob und wie die Hilflosenentschädigung bei der Bemessung des Beitrags an nichtmedizinische Hilfe zu Hause nach Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV zu berücksichtigen sei.
Das Bundesgericht teilte die Beschwerde. Es stellte klar, dass der Anspruch auf Hilflosenentschädigung nach Art. 26 UVG und der Anspruch auf einen Beitrag an nichtmedizinische Hilfe zu Hause nach Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV sich teils überschneiden und teils ergänzen. Deshalb ist die Hilflosenentschädigung bei der Ermittlung des Beitrags nach Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV einzubeziehen. Vom gesamthaft zu erhebenden zeitlichen Bedarf an nichtmedizinischer Hilfe zu Hause ist die Hilflosenentschädigung abzuziehen – jedoch nur zu 85 %, weil eine Quote von 15 % für die alltägliche Lebensverrichtung „Fortbewegung ausserhalb des Hauses“ und dessen naher Umgebung ausgenommen ist, da diese den lokal-räumlichen Rahmen von Art. 18 UVV sprengt. Diese Regelung folgt aus der Subsidiarität der Leistungen und dem Wortlaut von Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV, der ausdrücklich vorsieht, dass die nichtmedizinische Hilfe nur soweit vergütet wird, als sie nicht durch die Hilflosenentschädigung abgegolten ist. Der konkrete Pflege- und Unterstützungsbedarf des Versicherten ist daher bundesrechtskonform neu zu erheben. Die bisherige Berechnung der Suva, die die Hilflosenentschädigung pauschal und vollständig abzog, verstösst gegen Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV, Art. 26 UVG und Art. 23 UVG. Das Bundesgericht wies die Sache zur Neuberechnung an die Suva zurück. Die Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie erstmals präzisiert, wie die Hilflosenentschädigung bei der Bemessung des Beitrags an nichtmedizinische Hilfe zu Hause konkret zu berücksichtigen ist, und dabei eine sachgerechte, praktikable Quote von 15 % für auswärtige Aktivitäten einführt.
Regeste
Art. 10 Abs. 3 UVG (in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung); Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV (in der seit 1. Januar 2017 geltenden Fassung); Hilfe und Pflege zu Hause; Verhältnis des Beitrags des Versicherers an nichtmedizinische Hilfe zu Hause zur Hilflosenentschädigung gemäss Art. 26 UVG. Der Anspruch auf Hilflosenentschädigung nach Art. 26 UVG und derjenige auf die beitragsweise Abgeltung der nichtmedizinischen Hilfe zu Hause gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV überschneiden sich teils und teils ergänzen sie sich (E. 6.4.2). Bei der Festlegung des Beitrags an nichtmedizinische Hilfe zu Hause gemäss Art. 18 Abs. 2 lit. b UVV ist die Hilflosenentschädigung deshalb in die Anspruchsermittlung einzubeziehen. Vom gesamthaft zu erhebenden zeitlichen Bedarf an nichtmedizinischen Unterstützungsleistungen bzw. von der gestützt darauf zu ermittelnden Abgeltung ist die Hilflosenentschädigung in Abzug zu bringen. Ausgenommen davon ist eine Quote von 15 % für die alltägliche Lebensverrichtung "Fortbewegung ausserhalb des Hauses" und dessen naher Umgebung, die den bestimmungsgemässen Rahmen von Art. 18 UVV sprengt (E. 6.5.2). Regeste Art. 10 al. 3 LAA (dans sa teneur en vigueur dès le 1 er janvier 2017); art. 18 al. 2 let. b OLAA (dans sa teneur en vigueur dès le 1 er janvier 2017); aide et soins à domicile; relation entre la contribution de l'assureur pour les soins non médicaux à domicile et l'allocation pour impotent selon l'art. 26 LAA. Le droit à l'allocation pour impotent selon l'art. 26 LAA et celui à la contribution pour les soins non médicaux selon l'art. 18 al. 2 let. b OLAA se recoupent et se complètent en partie (consid. 6.4.2). Lors de la fixation de la contribution pour les soins non médicaux à domicile selon l'art. 18 al. 2 let. b OLAA, l'allocation pour impotent doit dès lors être prise en compte dans l'évaluation du droit à la prestation. L'allocation pour impotent doit être déduite de l'ensemble des besoins en prestations d'assistance non médicales d'un point de vue temporel, respectivement de l'indemnisation à accorder à ce titre. N'est toutefois pas soumise à déduction une quote-part de 15 % pour l'acte ordinaire de la vie quotidienne "se déplacer en dehors de la maison" et de son environnement proche, lequel sort du cadre de l'art. 18 OLAA (consid. 6.5.2). Regesto Art. 10 cpv. 3 LAINF (nella versione in vigore dal 1° gennaio 2017); art. 18 cpv. 2 lett. b OAINF (nella versione in vigore dal 1° gennaio 2017); assistenza e cure a domicilio; relazione tra il contributo dell'assicuratore per l'assistenza non medica al domicilio e l'assegno per grandi invalidi secondo l'art. 26 LAINF. Il diritto all'assegno per grandi invalidi secondo l'art. 26 LAINF e il diritto del contributo per l'assistenza non medica al domicilio secondo l'art. 18 cpv. 2 lett. b OAINF in parte si sovrappongono e in parte si completano (consid. 6.4.2). Nella determinazione del contributo dell'assicuratore per l'assistenza non medica al domicilio secondo l'art. 18 cpv. 2 lett. b OAINF deve quindi essere incluso l'assegno per grandi invalidi nella valutazione del diritto alle prestazioni. L'assegno per grandi invalidi deve essere dedotto dall'insieme dei bisogni in prestazioni di assistenza non medica da un punto di vista temporale, rispettivamente dal contributo da concedere a questo titolo. Tuttavia, non è soggetta a deduzione una quota parte del 15 % per l'atto ordinario della vita quotidiana "spostarsi fuori casa" e negli spazi vicini, che esula dal quadro dell'art. 18 OAINF (consid. 6.5.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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