Justizze.

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Justizze. Art. 9 StHG

Bundesgericht

Grundversicherte nimmt stationäre Behandlung in Nichtlistenspital ohne Bewilligung vor: Krankheitskostenabzug für medizinisch indizierte Leistungen zulässig, Hotelleriekosten für halbprivate Abteilung nicht abziehbar (Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG)

BGE / ATF / DTF
BGE 147 II 248 · ATF 147 II 248 · DTF 147 II 248
Datum
16.12.2020
Geschäftsnummer
2C_404/2020
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 100 BGG Art. 33 DBG Art. 41 KVG Art. 40 StG Art. 9 StHG Art. 73 StHG

Zusammenfassung

Eine steuerpflichtige Person mit steuerrechtlichem Wohnsitz im Kanton Aargau unterzog sich 2016 einer dritten Hüftoperation in einer Privatklinik in Zürich, die nicht auf der Spitalliste des Wohnkantons geführt wird. Sie verfügte über keine Zusatzversicherung und hatte keine Bewilligung des Kantons Aargau für die ausserkantonale Behandlung eingeholt. Die Grundversicherung und der Kanton übernahmen nur einen Teil der Kosten; der Rest von Fr. 24'468.-- wurde von der Steuerpflichtigen selbst getragen und in ihrer Steuererklärung als Krankheitskosten geltend gemacht. Das kantonale Steueramt lehnte den Abzug ab, das Spezialverwaltungsgericht des Kantons Aargau hielt ihn für zulässig, das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau hob diesen Entscheid wieder auf. Dagegen erhob die Steuerpflichtige beim Bundesgericht Beschwerde.

Das Bundesgericht entschied, dass die Kosten der ärztlichen Behandlung und des Spitalaufenthalts grundsätzlich abzugsfähig sind, weil der Eingriff medizinisch indiziert war und die Abzugsfähigkeit nicht davon abhängt, ob die Kosten durch andere Wahlmöglichkeiten hätten vermieden werden können. Der Abzug richtet sich nach den effektiv angefallenen Kosten und berücksichtigt die verminderte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit; ein Verweis auf das KVG-System führt nicht zu einer Einschränkung, da Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG älter ist und eigenständig auszulegen ist. Der Selbstbehalt von 5 Prozent der steuerbaren Einkünfte war überschritten. Hingegen sind die zusätzlichen Hotelleriekosten für die halbprivate Abteilung (Fr. 2'870.--) nicht abzugsfähig, weil der zusätzliche Komfort im Regelfall medizinisch nicht indiziert ist und die Steuerpflichtige nicht nachwies, dass ausschliesslich eine Behandlung in einer halbprivaten oder privaten Station medizinisch geboten gewesen wäre. Die Beschwerde wurde daher teilweise gutgeheissen, der vorinstanzliche Entscheid aufgehoben und die Sache zur Neuveranlagung zurückgewiesen. Die Gerichtskosten wurden zu neun Zehnteln dem Kanton Aargau und zu einem Zehntel der Beschwerdeführerin auferlegt; der Kanton Aargau hat der Beschwerdeführerin eine um einen Zehntel reduzierte Parteientschädigung auszurichten. Die Sache wurde zur Neuverlegung der Kosten und Entschädigungen des vorangegangenen Verfahrens an die Vorinstanz zurückgewiesen.

Die Entscheidung klärt erstmals, dass die Abzugsfähigkeit von Krankheitskosten nach Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG nicht durch das KVG-System eingeschränkt wird, auch wenn die Kosten durch eine andere Versorgungswahl hätten vermieden werden können – ein Grundsatzurteil mit weitreichender Bedeutung für alle grundversicherten Steuerpflichtigen, die aus medizinischen Gründen ausserkantonale oder nicht-listenkonforme Behandlungen in Anspruch nehmen.

Regeste

Art. 9 Abs. 2 lit. h StHG; Behandlung und Unterbringung in einem ausserkantonalen Nicht-Listenspital (Privatspital), ohne dass der Wohnsitzkanton eine Kostengutsprache geleistet hat. System der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und Umfang der Übernahme von Kosten der ärztlichen bzw. der durch ein Spital erbrachten Heilbehandlung (E. 2.3). Die medizinisch indizierten Kosten solcher Heilbehandlungen durch den Arzt, durch ein Listen- oder Nichtlistenspital, auch auf der Halbprivat- oder Privatabteilung, sind grundsätzlich abzugsfähig, unabhängig davon, ob sie sich durch die Wahl eines anderen Leistungserbringers (insbesondere eines Listenspitals), die Kostengutsprache durch den Wohnsitzkanton oder den Abschluss einer Zusatzversicherung hätten vermeiden lassen (E. 3.5 und 3.6). Die zusätzlichen Hotelleriekosten auf der halbprivaten oder privaten Abteilung, die eine grundversicherte Person zu tragen hat, sind regelmässig nicht medizinisch indiziert, weshalb sie grundsätzlich nicht abzugsfähig sind (E. 3.7). Regeste Art. 9 al. 2 let. h LHID; traitement et hébergement dans un hôpital situé hors canton ne figurant pas dans la liste (clinique privée), lorsque le canton de domicile n'a pas fourni de garantie de paiement. Système de l'assurance obligatoire des soins et portée de la prise en charge du coût des soins fournis par un médecin, respectivement par un hôpital (consid. 2.3). Les frais médicalement indiqués de ces soins, qu'ils soient fournis par un médecin ou par un hôpital figurant ou pas dans la liste, y compris en division privée ou semi-privée, sont en principe déductibles, indépendamment de la question de savoir si ces frais auraient pu être évités en choisissant un autre prestataire (en particulier un hôpital figurant dans la liste), en obtenant une garantie de paiement de la part du canton de domicile, ou encore en concluant une assurance complémentaire (consid. 3.5 et 3.6). Les frais supplémentaires d'hébergement en division privée ou semi-privée qui doivent être pris en charge par la personne assurée par l'assurance de base, ne sont habituellement pas médicalement indiqués et ne sont dès lors en principe pas déductibles (consid. 3.7). Regesto Art. 9 cpv. 2 lett. h LAID; trattamento e ricovero in un ospedale fuori Cantone che non figura nell'elenco cantonale (clinica privata), in assenza di una garanzia di assunzione dei costi da parte del Cantone di domicilio. Sistema dell'assicurazione obbligatoria delle cure medico-sanitarie e portata dell'assunzione dei costi dei trattamenti dispensati da un medico rispettivamente da un ospedale (consid. 2.3). I costi indicati dal profilo medico di queste cure, siano esse somministrate dal medico o da un ospedale - anche in reparto (semi)privato - incluso o meno nell'elenco del Cantone, sono in linea di principio deducibili, indipendentemente dal quesito di sapere se detti costi avrebbero potuto essere evitati scegliendo un altro fornitore di prestazioni (segnatamente un ospedale figurante nell'elenco), ottenendo una garanzia di assunzione dei costi da parte del Cantone di domicilio oppure sottoscrivendo un'assicurazione complementare (consid. 3.5 e 3.6). I costi alberghieri (vitto e alloggio) supplementari connessi al ricovero nel reparto (semi)privato che devono essere assunti da una persona con una copertura assicurativa di base non sono di regola indicati dal profilo medico, ragione per cui non sono, in linea di principio, deducibili (consid. 3.7).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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