Eheleute beantragen Abzug von Säule-3a-Beitrag für Steuerjahr 2017: Abbuchung am 29. Dezember 2017 reicht nicht aus, Gutschrift auf individuellem Vorsorgekonto am 3. Januar 2018 macht Abzug unzulässig (§ 40 Abs. 1 lit. e StG/AG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 148 II 556 · ATF 148 II 556 · DTF 148 II 556
- Datum
- 07.12.2022
- Geschäftsnummer
- 2C_259/2022
- Abteilung
- II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 42 BGG Art. 86 BGG Art. 89 BGG Art. 90 BGG Art. 95 BGG Art. 97 BGG Art. 99 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 81 BVG Art. 82 BVG Art. 1 BVV Art. 7 BVV Art. 8 BVV Art. 33 DBG Art. 74 OR Art. 14 PublG Art. 34 StG Art. 36 StG Art. 40 StG Art. 59 StG Art. 181 StG Art. 35 StG/AG Art. 58 StG/AG Art. 9 StHG Art. 15 StHG
Zusammenfassung
Zwei Eheleute erhoben Beschwerde gegen ein kantonales Urteil, das ihren Antrag auf steuerlichen Abzug eines Säule-3a-Beitrags von Fr. 24'632.-- für das Steuerjahr 2017 teilweise abgelehnt hatte. Streitig war, ob der Beitrag, der am 29. Dezember 2017 vom Postkonto des Ehemannes abgebucht wurde, noch im Kalenderjahr 2017 als abzugsfähig gelten konnte. Die Beschwerdeführer argumentierten, dass der Tag der Abbuchung ausreichend sei; die Vorinstanz und das Bundesgericht hielten dagegen, dass entscheidend sei, wann der Betrag tatsächlich auf dem individuellen Vorsorgekonto gutgeschrieben worden sei.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass der Streitgegenstand sich ausschliesslich auf die Kantons- und Gemeindesteuern 2017 erstreckt, da das vorinstanzliche Urteil sich nicht mit der direkten Bundessteuer 2017 befasst hatte; daher trat das Bundesgericht nicht auf den Antrag bezüglich der direkten Bundessteuer ein. Das vom Beschwerdeführer nachträglich vorgelegte Schreiben der Bank vom 7. Juni 2022, das einen Zahlungseingang am 29. Dezember 2017 behauptete, wurde als echtes Novum zurückgewiesen, weil es erst nach dem angefochtenen Urteil entstanden war und daher gemäss Art. 99 Abs. 1 BGG unzulässig war. Entscheidend für die steuerliche Abzugsfähigkeit eines Säule-3a-Beitrags ist nach § 40 Abs. 1 lit. e StG/AG i.V.m. Art. 82 Abs. 1 BVG und Art. 7 BVV 3 nicht der Tag der Abbuchung vom Konto des Steuerpflichtigen, sondern der Tag der Gutschrift auf dessen individuellem Vorsorgekonto, weil erst dann der Beitrag ausschliesslich und unwiderruflich der beruflichen Vorsorge dient. Gemäss der verbindlichen Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz erfolgte diese Gutschrift erst am 3. Januar 2018, also nach Ablauf des Kalenderjahres 2017. Ein Beweisantrag auf ein IT-Gutachten zur Klärung des automatischen Zahlungsflusses wurde als untauglich verworfen, weil allein der Zeitpunkt der Gutschrift auf dem individuellen Vorsorgekonto maßgeblich ist. Die Beschwerdeführer tragen die Gerichtskosten von Fr. 2'000.-- gemäss Art. 66 Abs. 1 BGG; eine Parteientschädigung wird gemäss Art. 68 Abs. 3 BGG nicht geschuldet. Die Entscheidung präzisiert die zwingende Voraussetzung der Gutschrift auf dem individuellen Vorsorgekonto für die steuerliche Abzugsfähigkeit von Säule-3a-Beiträgen und stellt klar, dass Abbuchungsdaten allein nicht ausreichen.
Regeste
Art. 82 Abs. 1 BVG; Art. 7 BVV 3; Abzugsberechtigung von Säule 3a Beiträgen; zeitliche Zuordnung. Säule 3a Beiträge müssen "ausschliesslich und unwiderruflich" der beruflichen Vorsorge dienen, damit sie steuerlich zum Abzug zugelassen werden (E. 3.3 und 3.4.1). Für die zeitliche Zuordnung der Säule 3a Beiträge um den Jahreswechsel ist mithin auf den Tag der Gutschrift abzustellen, nicht auf den Tag der Abbuchung beim Steuerpflichtigen (E. 3.4.2). Die Gutschrift auf dem Sammelkonto einer Versicherung reicht für die Rechtzeitigkeit vor dem Jahreswechsel nicht aus. Ausschlaggebend ist die Gutschrift auf dem individuellen Vorsorgekonto des Steuerpflichtigen (E. 4.1 und 4.2). Regeste Art. 82 al. 1 LPP; art. 7 OPP 3; déduction des cotisations au pilier 3a; attribution dans le temps. Les cotisations au pilier 3a doivent être affectées "exclusivement et irrévocablement" à la prévoyance professionnelle pour être fiscalement déductibles (consid. 3.3 et 3.4.1). L'attribution temporelle des cotisations au pilier 3a, lors du changement d'année, doit s'effectuer en fonction du jour où elles sont créditées et non du jour où elles sont débitées chez le contribuable (consid. 3.4.2). Le fait que le compte collectif d'une assurance soit crédité ne suffit pas pour déterminer si le versement a été fait à temps, c'est-à-dire avant la fin de l'année. Est déterminant le crédit sur le compte de prévoyance individuel du contribuable (consid. 4.1 et 4.2). Regesto Art. 82 cpv. 1 LPP; art. 7 OPP 3; diritto alla deduzione di contributi al pilastro 3a; attribuzione temporale. Per essere fiscalmente deducibili, i contributi al pilastro 3a devono servire "esclusivamente e irrevocabilmente" alla previdenza professionale (consid. 3.3 e 3.4.1). Per l'attribuzione temporale dei contributi al pilastro 3a, al momento del passaggio a un nuovo anno, bisogna pertanto basarsi sul giorno dell'accredito, non sul giorno dell'addebito presso il contribuente (consid. 3.4.2). Per ammettere la tempestività prima del passaggio all'anno nuovo, non basta l'accredito sul conto collettivo di un'assicurazione. Determinante è l'accredito sul conto previdenziale individuale del contribuente (consid. 4.1 e 4.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.