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Justizze. Art. 26 DBG

Bundesgericht

Steuerpflichtiger im Gastgewerbe beansprucht Abzug von Krankentaggeldprämien als Berufskosten: Prämien sind unfreiwillig und damit Gewinnungskosten, aber Pauschale ist nicht überschritten (Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG)

BGE / ATF / DTF
BGE 150 II 11 · ATF 150 II 11 · DTF 150 II 11
Datum
18.12.2023
Geschäftsnummer
9C_732/2022
Abteilung
III. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 86 BGG Art. 90 BGG Art. 105 BGG Art. 106 BGG Art. 25 DBG Art. 26 DBG Art. 33 DBG Art. 33a DBG Art. 35 DBG Art. 324a OR Art. 33 StG Art. 41 StG Art. 9 StHG

Zusammenfassung

Ein Steuerpflichtiger arbeitete 2018 im Gastgewerbe und hatte eine hälftige Krankentaggeldprämie von Fr. 390.– vom Lohn abgezogen bekommen. Er beantragte, diese Prämie als Berufskosten vom steuerbaren Einkommen abzuziehen, weil sie kraft des allgemeinverbindlichen Landes-Gesamtarbeitsvertrags des Gastgewerbes nicht freiwillig sei. Das kantonale Steuergericht lehnte dies ab und hielt fest, die Prämien fielen nur unter den beschränkten allgemeinen Versicherungsabzug oder seien bereits in der Berufskostenpauschale enthalten. Der Steuerpflichtige erhob Beschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht stellt fest, dass die vom Arbeitgeber auf den Steuerpflichtigen überwälzte hälftige Krankentaggeldprämie von Fr. 390.– nicht freiwillig geleistet wurde, sondern kraft der allgemeinverbindlich erklärten Bestimmungen des Landes-Gesamtarbeitsvertrags des Gastgewerbes (Art. 23 Abs. 1 und 2 L-GAV) faktisch obligatorisch war. Damit besteht ein qualifiziert enger Konnex zwischen dieser Aufwendung und den erzielten Einkünften, weshalb die Prämie als Gewinnungskosten im Sinne von Art. 25 DBG anzusehen ist. Als solche fällt sie unter den Auffangtatbestand der „übrigen für die Ausübung des Berufes erforderlichen Kosten“ nach Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG (und entsprechend § 33 Abs. 1 lit. c StG/SO), der durch die Pauschalregelung in Art. 26 Abs. 2 DBG (und § 33 Abs. 2 StG/SO) konkretisiert wird. Allerdings unterliess der Beschwerdeführer den erforderlichen Nachweis, dass seine insgesamt geltend gemachten Berufskosten die gesetzliche Pauschale von mindestens Fr. 2'000.– und höchstens Fr. 4'000.– pro Jahr überschritten hätten; er verwies lediglich auf die genaue Bezeichnung der Prämie im Lohnausweis. Da der Nachweis höherer Kosten fehlt, bleibt die Prämie im Rahmen der Pauschale enthalten und kann nicht zusätzlich abgezogen werden. Die Beschwerde ist daher sowohl hinsichtlich der direkten Bundessteuer als auch der Staatssteuern des Kantons Solothurn für die Steuerperiode 2018 unbegründet und wird abgewiesen. Die Gerichtskosten von Fr. 1'000.– werden dem Beschwerdeführer auferlegt; eine Parteientschädigung ist nicht geschuldet. Dieses Urteil klärt, dass unfreiwillige Krankentaggeldprämien grundsätzlich als Gewinnungskosten abziehbar sind, jedoch nur innerhalb der gesetzlichen Pauschale – ein Nachweis höherer Kosten ist zwingend erforderlich.

Regeste

Art. 25-33a DBG; Gewinnungskosten. Zur Beurteilung, ob es sich bei den Prämien für die Krankentaggeldversicherung um Gewinnungskosten handelt, ist das Kriterium der Freiwilligkeit zur Bezahlung der Prämien massgebend. Aufgrund der einschlägigen Bestimmungen im Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-GAV), der für allgemeinverbindlich erklärt wurde, kann nicht von durch den steuerpflichtigen Arbeitnehmenden freiwillig geleisteten Krankentaggeldversicherungs-Prämien gesprochen werden, die im Rahmen des betragsmässig beschränkten allgemeinen Versicherungsabzuges abziehbar sind (gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. g DBG). Vorliegend ist der Gewinnungskostencharakter (im Sinn von Art. 26 Abs. 1 lit. c DBG) der Prämien, die vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer überwälzt wurden, zu bejahen (E. 5). Regeste Art. 25-33a LIFD; frais d'acquisition du revenu. Pour déterminer si les primes d'une assurance d'indemnités journalières en cas de maladie constituent des frais d'acquisition du revenu, le critère du paiement volontaire des primes est déterminant. En raison des dispositions pertinentes de la convention collective nationale de travail pour les hôtels, restaurants et cafés (CCNT), qui a été déclarée de force obligatoire, on ne peut pas parler de primes d'assurance d'indemnités journalières en cas de maladie payées volontairement par le salarié contribuable et déductibles dans le cadre de la déduction générale pour les primes d'assurances (prévue par l'art. 33 al. 1 let. g LIFD), dont le montant est limité. En l'occurrence, le caractère de frais d'acquisition du revenu (au sens de l'art. 26 al. 1 let. c LIFD) des primes répercutées par l'employeur sur l'employé doit être admis (consid. 5). Regesto Art. 25-33a LIFD; spese di conseguimento del reddito. Per determinare se i premi per l'assicurazione indennità giornaliera per malattia sono spese di conseguimento del reddito, il criterio del pagamento volontario dei premi è decisivo. In considerazione delle disposizioni pertinenti del contratto collettivo nazionale di lavoro dell'industria alberghiera e della ristorazione (CCNL), che è stato dichiarato di obbligatorietà generale, non è possibile parlare di premi per l'assicurazione indennità giornaliera per malattia pagati volontariamente dal lavoratore salariato contribuente e deducibili nell'ambito della deduzione generale per i premi per assicurazioni (prevista all'art. 33 cpv. 1 lett. g LIFD), il cui importo è limitato. In questo caso, il carattere di spese di conseguimento del reddito (nel senso dell'art. 26 cpv. 1 lett. c LIFD) dei premi, che sono stati trasferiti dal datore di lavoro al lavoratore salariato, deve essere ammesso (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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