Justizze.

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Justizze. Art. 5 RPG

Bundesgericht

Kantonales Gesetz über Planungsmehrwerte: Verbot weitergehender Gemeindeabgaben und Freigrenze von CHF 50'000 verletzen Art. 5 Abs. 1 und Abs. 1quinquies lit. b RPG

BGE / ATF / DTF
BGE 147 I 225 · ATF 147 I 225 · DTF 147 I 225
Datum
19.11.2020
Geschäftsnummer
1C_245/2019
Abteilung
I. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 42 BGG Art. 82 BGG Art. 87 BGG Art. 89 BGG Art. 8 BV Art. 9 BV Art. 50 BV Art. 5 RPG

Zusammenfassung

Die Einwohnergemeinde Münchenstein und ein Privatmann beschwerden sich beim Bundesgericht gegen das kantonale Gesetz über die Abgeltung von Planungsmehrwerten des Kantons Basel-Landschaft. Sie beantragen die Aufhebung mehrerer Bestimmungen, insbesondere des Verbots für Gemeinden, weitergehende Mehrwertabgaben zu erheben, einer Freigrenze von CHF 50'000 für die Erhebung der Abgabe sowie einer Regelung zur Verwendung der Erträge. Der Kanton Basel-Landschaft beantragt die Abweisung der Beschwerde. Das Bundesamt für Raumentwicklung äussert sich ohne förmlichen Antrag.

Das Bundesgericht tritt teilweise auf die Beschwerde ein und hebt § 2 Abs. 2 sowie § 4 Abs. 2 des Gesetzes über die Abgeltung von Planungsmehrwerten auf. Die Beschwerde war fristgerecht eingereicht, da die am 6. Mai 2019 bei der Schweizerischen Post aufgegebene Beschwerde unter Berücksichtigung des Fristenstillstands an Ostern und des Fristenlaufs an Samstagen und Sonntagen fristgemäss erfolgte. Die Einwohnergemeinde Münchenstein ist beschwerdeberechtigt, weil sie als Trägerin der kommunalen Planungshoheit gemäss § 116 Abs. 3 KV/BL und §§ 18 ff. RBG in ihrer Gemeindeautonomie berührt ist. Der private Beschwerdeführer ist beschwerdeberechtigt, weil er als Steuerpflichtiger im Kanton Basel-Landschaft wohnt und ein schutzwürdiges Interesse daran hat, dass die Mehrwertabgabe den bundesrechtlichen Anforderungen genügt, da deren zweckgebundene Verwendung die allgemeine Steuerlast entlasten könnte. Das Verbot in § 2 Abs. 2 GAP, weitergehende Mehrwertabgaben zu erheben, widerspricht Art. 5 Abs. 1 RPG, weil es den Gemeinden nicht ermöglicht, den Gesetzgebungsauftrag in rechtsgleicher Weise zu erfüllen. Die Freigrenze von CHF 50'000 in § 4 Abs. 2 GAP verstösst gegen Art. 5 Abs. 1quinquies lit. b RPG, weil der Kanton nicht darlegt, von welchem Erhebungsaufwand er ausgeht oder weshalb ein ungünstiges Verhältnis zwischen Abgabeertrag und Erhebungsaufwand diese Höhe rechtfertigen soll. Zudem verletzt die Beschränkung des Mehrwertausgleichs auf freiwillige Vereinbarungen in § 2 Abs. 3 GAP das Rechtsgleichheitsgebot gemäss Art. 8 Abs. 1 BV und Art. 9 BV, weil sie eine Rechtsungleichheit zwischen Grundstückseigentümern schafft, für die kein sachlicher Grund erkennbar ist. Die übrigen beanstandeten Bestimmungen, insbesondere § 5 Abs. 3 GAP zur Verwendung der Erträge, werden für vereinbar mit dem Bundesrecht befunden. Es werden keine Gerichtskosten erhoben, und der Kanton Basel-Landschaft hat den privaten Beschwerdeführer mit CHF 2'000 zu entschädigen. Das Urteil ist bemerkenswert, weil es klärt, dass Kantone zwar die Mindestvorgaben des Bundesrechts umsetzen dürfen, aber Gemeinden nicht daran hindern dürfen, darüber hinauszugehen, solange dies im Einklang mit dem Grundsatz der Rechtsgleichheit geschieht.

Regeste

Art. 5 RPG, Art. 8 Abs. 1, Art. 9 und Art. 49 Abs. 1 BV; abstrakte Kontrolle des Gesetzes des Kantons Basel-Landschaft über die Abgeltung von Planungsmehrwerten. Der allgemeine Gesetzgebungsauftrag in Abs. 1 von Art. 5 RPG behält auch nach der Gesetzesrevision vom 15. Juni 2012 seinen Charakter als bindendes Recht. Das kantonale Recht muss deshalb einen angemessenen Ausgleich auch für jene erheblichen Vorteile regeln, die aus Um- oder Aufzonungen entstehen. Es ist bundesrechtswidrig, wenn ein Kanton lediglich die Anforderungen von Art. 5 Abs. 1 bis -1 sexies RPG umsetzt, indem er einen Mehrwertausgleich nur bei Neueinzonungen vorsieht, und den Gemeinden gleichzeitig verbietet, einen eigenen, weitergehenden Vorteilsausgleich einzuführen. Zumindest im über den Kernbereich von Abs. 1 bis hinausgehenden Bereich des erweiterten Mehrwertausgleichs nach Abs. 1 erscheinen vertragliche Lösungen möglich, doch ist es bundesrechtswidrig, gleichzeitig die Erhebung einer Abgabe durch einseitigen Akt auszuschliessen (E. 4). Für den gemäss Art. 5 Abs. 1 quinquies lit. b RPG von der Abgabe ausgenommenen Betrag (Freibetrag oder Freigrenze) gilt ein Richtwert von Fr. 30'000.-. Erheblich darüber hinausgehende Beträge bedürfen der besonderen Rechtfertigung. Eine solche ist der Kanton Basel-Landschaft in Bezug auf die von ihm vorgesehene Freigrenze von Fr. 50'000.- schuldig geblieben (E. 5). Regeste Art. 5 LAT, art. 8 al. 1, art. 9 et art. 49 al. 1 Cst.; contrôle abstrait de la loi du canton de Bâle-Campagne sur la compensation de plus-values liées à la planification. La mandat législatif général donné par l'art. 5 al. 1 LAT conserve son caractère impératif, même après la révision du 15 juin 2012. Le droit cantonal doit par conséquent également prévoir un régime de compensation pour les avantages majeurs résultant de dé- ou reclassements de zones. Il est contraire au droit fédéral qu'un canton se contente de mettre en oeuvre les exigences de l'art. 5 al. 1 bis -1 sexies LAT en ne prévoyant une compensation de plus-value que lors de nouveaux classements en zone à bâtir, tout en interdisant aux communes d'introduire leur propre système de compensation plus étendu. A tout le moins au-delà du champ d'application de l'al. 1 bis , des solutions contractuelles semblent possibles dans le cadre de la compensation de plus-values au sens large visée à l'al. 1; il est en revanche contraire au droit fédéral d'exclure simultanément la perception d'une taxe par un acte unilatéral (consid. 4). Il y a lieu de retenir une valeur indicative de 30'000 fr. s'agissant du montant pouvant être exclu de la taxe en vertu de l'art. 5 al. 1 quinquies let. b LAT (montant exonéré ou limite d'exonération). Les montants qui dépassent largement cette valeur doivent faire l'objet d'une justification particulière. Une telle justification fait défaut pour la limite d'exonération que le canton de Bâle-Campagne prévoyait de fixer à 50'000 fr. (consid. 5). Regesto Art. 5 LPT, art. 8 cpv.1, art. 9 e art. 49 cpv. 1 Cost.; controllo astratto della legge del Cantone di Basilea Campagna sulla compensazione di plusvalori pianificatori. Il mandato legislativo generale dell'art. 5 cpv. 1 LPT mantiene il suo carattere vincolante anche dopo la revisione della legge del 15 giugno 2012. Il diritto cantonale deve quindi disciplinare una compensazione adeguata anche per i plusvalori rilevanti, derivanti da azzonamenti. È contrario al diritto federale se un Cantone si limita ad attuare solo le esigenze dell'art. 5 cpv. 1 bis -1 sexies LPT, prevedendo una compensazione del plusvalore unicamente in caso di nuove attribuzioni alla zona edificabile, vietando nel contempo ai comuni d'introdurre una compensazione propria più ampia. Soluzioni contrattuali sembrano possibili, per lo meno nell'ambito della compensazione del plusvalore in senso largo secondo il cpv. 1, che eccede quella del nucleo fondamentale del cpv. 1 bis ; è tuttavia contrario al diritto federale escludere contemporaneamente il prelievo di una tassa mediante un atto unilaterale (consid. 4). Per l'importo esentato dalla tassa secondo l'art. 5 cpv. 1 quinquies lett. b LPT (quota esente o limite di esenzione) vale un valore indicativo di fr. 30'000.-. Importi che lo superano in maniera rilevante esigono una giustificazione particolare. Una siffatta giustificazione fa difetto per il limite di esenzione che il Cantone di Basilea Campagna prevedeva di fissare a fr. 50'000.- (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

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