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Justizze. Art. 122 ZGB

Bundesgericht

Ehepaar streitet um Arbeitgeberbeitragsreserven bei Scheidung: Reserven gelten nicht als erworbenes Vorsorgevermögen, gehören nicht in den Vorsorgeausgleich (Art. 122 ZGB)

BGE / ATF / DTF
BGE 146 III 73 · ATF 146 III 73 · DTF 146 III 73
Datum
11.12.2019
Geschäftsnummer
BGE 146 III 73
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 106 BGG Art. 122 ZGB Art. 123 ZGB Art. 197 ZGB Art. 207 ZGB Art. 208 ZGB

Zusammenfassung

Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner ließen sich scheiden und stritten über die Teilung der beruflichen Vorsorgeansprüche sowie über die Bewertung von Aktien des Beschwerdegegners an seiner Arbeitgebergesellschaft. Die Beschwerdeführerin verlangte, dass die bei der Pensionskasse bestehenden Arbeitgeberbeitragsreserven entweder im Rahmen des Vorsorgeausgleichs oder der güterrechtlichen Auseinandersetzung berücksichtigt würden. Das Obergericht hatte diese Reserven nicht in die Berechnung der Austrittsleistung einbezogen und den Verkehrswert der Aktien auf Grundlage ihres Steuerwerts ermittelt. Die Beschwerdeführerin erhob Beschwerde gegen dieses Urteil.

Das Bundesgericht wies die Beschwerde ab. Es stellte fest, dass die bei Einleitung des Scheidungsverfahrens bestehenden Arbeitgeberbeitragsreserven künftige Beitragszahlungen der Arbeitgebergesellschaft betreffen und nicht vom Arbeitnehmer bereits erworbene Ansprüche aus beruflicher Vorsorge darstellen; sie bleiben daher bei der Berechnung der zu teilenden Austrittsleistung grundsätzlich ausser Betracht (Art. 122 ZGB, Art. 123 Abs. 1 und Abs. 3 ZGB, Art. 207 Abs. 1 ZGB, Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB, Art. 197 Abs. 1 ZGB). Eine gesetzliche Lücke im Vorsorgeausgleich bestehe nicht, da die Reserven den für den Ausgleich relevanten Zeitraum – zwischen Eheschluss und Einleitung des Scheidungsverfahrens – von vornherein nicht betreffen (Art. 122 ZGB). Auch eine Anrechnung hypothetischer Austrittsleistungen komme nicht in Betracht, weil weder behauptet noch dargetan sei, dass die gesetzlich zustehenden Vorsorgeansprüche des Beschwerdegegners geschmälert seien (Art. 2 ZGB). Ferner stelle die Bildung von Beitragsreserven durch die Arbeitgebergesellschaft keine Vermögensentäusserung durch den Arbeitnehmer dar, sodass eine Hinzurechnung nach Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB ausscheide (Art. 197 Abs. 1 ZGB, Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB). Allerdings seien die Beitragsreserven bei der Bewertung der vom Beschwerdegegner gehaltenen Aktien der Arbeitgebergesellschaft im Rahmen der Berechnung der Errungenschaft zu berücksichtigen. Was die Aktienbewertung angeht, so habe das Obergericht zulässigerweise vom Steuerwert ausgehend den Verkehrswert ermittelt und weitere Beweiserhebungen mit antizipierter Beweiswürdigung als unnötig verworfen; die Beschwerdeführerin habe nicht hinreichend dargelegt, dass dabei Willkür vorliege (Art. 106 Abs. 2 BGG). Die Kosten des Verfahrens trägt die unterliegende Partei. Die Entscheidung klärt endgültig, dass Arbeitgeberbeitragsreserven grundsätzlich nicht in den Vorsorgeausgleich eingehen, sondern nur bei der Bewertung des Unternehmensvermögens im Güterrecht Berücksichtigung finden.

Regeste

Art. 122 f., 207 Abs. 1 und Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB; Art. 331 Abs. 3 OR; Ehescheidung; Vorsorgeausgleich und güterrechtliche Auseinandersetzung (Errungenschaftsbeteiligung); Berücksichtigung von Arbeitgeberbeitragsreserven. Bei Einleitung des Scheidungsverfahrens bestehende Arbeitgeberbeitragsreserven betreffen künftige Beitragszahlungen der Arbeitgebergesellschaft und nicht vom Arbeitnehmer bereits erworbene Ansprüche aus beruflicher Vorsorge. Bei der Berechnung der zu teilenden Austrittsleistung bleiben sie grundsätzlich ausser Betracht. Eine Lücke in der Regelung zum Vorsorgeausgleich besteht nicht (E. 4.1). Es sind keine hypothetischen Austrittsleistungen anzurechnen (E. 4.2). In der Bildung von Beitragsreserven durch die Arbeitgebergesellschaft liegt grundsätzlich keine Vermögensentäusserung durch den Arbeitnehmer. Den Beitragsreserven ist bei der Bewertung der vom Arbeitnehmer gehaltenen Aktien der Arbeitgebergesellschaft im Rahmen der Berechnung der Errungenschaft Rechnung zu tragen (E. 5). Regeste Art. 122 s., 207 al. 1 et art. 208 al. 1 ch. 2 CC; art. 331 al. 3 CO; divorce; partage de la prévoyance professionnelle et liquidation du régime matrimonial (participation aux acquêts); prise en considération des réserves de cotisations de l'employeur. Les réserves de cotisations de l'employeur existant au moment de l'ouverture de la procédure de divorce concernent les cotisations futures versées par la société employeuse et non le droit à la prévoyance professionnelle déjà acquis par le salarié. Elles ne sont en principe pas prises en considération dans le calcul de la prestation de libre passage à partager. La réglementation en matière de partage de la prévoyance professionnelle ne présente pas de lacune (consid. 4.1). Aucune prestation de libre passage hypothétique ne doit être prise en compte (E. 4.2). La constitution de réserves de cotisations par la société employeuse ne constitue en principe pas une aliénation de biens d'acquêts par l'employé. Les réserves de cotisations doivent être prises en compte dans l'évaluation des actions détenues par le salarié dans la société employeuse lors du calcul des acquêts (E. 5). Regesto Art. 122 seg., 207 cpv. 1 e art. 208 cpv. 1 n. 2 CC; art. 331 cpv. 3 CO; divorzio; conguaglio della previdenza professionale e liquidazione del regime dei beni (partecipazione agli acquisti); presa in considerazione delle riserve contributive alimentate dal datore di lavoro. Le riserve contributive alimentate dal datore di lavoro esistenti al momento dell'avvio della procedura di divorzio concernono pagamenti futuri di contributi da parte della società datrice di lavoro e non pretese di previdenza professionale già acquisite dal lavoratore. In linea di principio esse non sono prese in considerazione nel calcolo della prestazione di uscita da dividere. La regolamentazione sul conguaglio della previdenza professionale non contiene alcuna lacuna (consid. 4.1). Non vanno conteggiate prestazioni di uscita ipotetiche (consid. 4.2). Con la costituzione di riserve contributive da parte della società datrice di lavoro non vi è in linea di principio alcuna alienazione di beni da parte del lavoratore. Le riserve contributive vanno prese in considerazione nella valutazione delle azioni detenute dal lavoratore nella società datrice di lavoro nel quadro del calcolo degli acquisti (consid. 5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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