Unternehmen beantragt Eintragung grafisch modernisierter Marke „adb“: Weiterbenützungsrecht nach Art. 5 NZSchG greift nicht, da Zeichen nicht identisch mit vorbenütztem, Eintragung nach Art. 6 NZSchG verboten (Art. 6 NZSchG)
- BGE / ATF / DTF
- BGE 145 III 85 · ATF 145 III 85 · DTF 145 III 85
- Datum
- 03.01.2019
- Geschäftsnummer
- BGE 145 III 85
- Ausgang
- Abgewiesen
Tragende Normen
Art. 26 BV Art. 190 BV Art. 2 MSchG Art. 5 NZSchG Art. 6 NZSchG
Zusammenfassung
Die A. SA beantragte beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) die Eintragung einer Wort-/Bildmarke „adb“ (fig.) für Waren und Dienstleistungen der Klassen 9, 35 und 42. Das IGE wies das Gesuch ab, weil das Zeichen das geschützte Sigel „ADB“ der Asian Development Bank übernehme und daher gegen geltendes Recht verstoße. Die A. SA klagte dagegen beim Bundesverwaltungsgericht, das die Beschwerde abwies. Die A. SA legte daraufhin Beschwerde ans Bundesgericht.
Das Bundesgericht wies die Beschwerde der A. SA ab. Es stellte fest, dass das beantragte Zeichen „adb“ die Buchstabenfolge des geschützten Sigels „ADB“ der Asian Development Bank übernimmt, das am 12. Mai 2009 im Bundesblatt veröffentlicht und damit nach Art. 4 NZSchG geschützt wurde. Damit liegt ein Verstoß gegen geltendes Recht im Sinne von Art. 2 lit. d MSchG vor. Die Beschwerdeführerin berief sich auf ein Weiterbenützungsrecht nach Art. 5 NZSchG, da sie das Zeichen „ADB“ seit 1995 in verschiedenen Darstellungsformen verwende. Das Bundesgericht hielt jedoch fest, dass Art. 5 NZSchG ausschließlich die Fortführung der vorherigen Benutzung „in derselben Form“ erlaubt – wie die französische und italienische Fassung mit „le même usage“ bzw. „lo stesso uso“ klarstelle – und nicht die Eintragung einer grafisch neu gestalteten, modernisierten Darstellungsvariante. Da das beantragte Zeichen sich von der vorbenützten Version unterscheidet, steht ihm nach Art. 6 NZSchG die Eintragung als Marke grundsätzlich entgegen. Der öffentliche Schutzzweck der zwischenstaatlichen Kennzeichen überwiegt das private Interesse des Zeicheninhabers; ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Eigentumsgarantie nach Art. 26 BV liegt nicht vor, da die Regelung des NZSchG vom Bundesgesetzgeber bewusst gewählt wurde und vom Bundesgericht gemäß Art. 190 BV als massgebend anzuerkennen ist. Die Beschwerde war daher unbegründet.
Regeste
Art. 5 und Art. 6 des Bundesgesetzes vom 15. Dezember 1961 zum Schutz von Namen und Zeichen der Organisation der Vereinten Nationen und anderer zwischenstaatlicher Organisationen (NZSchG); Weiterbenützungsrecht, Eintragungsverbot. Wer ein nach NZSchG geschütztes Zeichen vor der Veröffentlichung des Kennzeichens der betreffenden zwischenstaatlichen Organisation zu benützen begonnen hat, darf das Zeichen jedenfalls dann nicht in das Markenregister eintragen lassen, wenn es sich von der vorbenützten Version unterscheidet (E. 3.2). Regeste Art. 5 et art. 6 de la loi fédérale du 15 décembre 1961 concernant la protection des noms et emblèmes de l'Organisation des Nations Unies et d'autres organisations intergouvernementales (LPNE); droit de poursuivre l'usage, interdiction d'enregistrement. Celui qui a commencé à faire usage d'un signe protégé selon la LPNE avant que soit publié le signe de l'organisation intergouvernementale concernée ne peut en tout cas pas faire ensuite inscrire le signe dans le registre des marques si celui-ci se distingue de la version utilisée préalablement (consid. 3.2). Regesto Art. 5 e art. 6 della legge federale del 15 dicembre 1961 concernente la protezione dei nomi e degli emblemi dell'Organizzazione delle Nazioni Unite e d'altre organizzazioni intergovernative (LPNE); diritto di proseguire l'uso, divieto di registrazione. Chi ha cominciato a utilizzare un segno protetto secondo la LPNE prima della pubblicazione del contrassegno dell'organizzazione intergovernativa interessata non può poi in nessun caso far registrare il segno nel registro dei marchi, se esso si differenzia dalla versione utilizzata in precedenza (consid. 3.2).
Originalentscheid beim Gericht ↗
Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.
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