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Justizze. Art. 2 MSchG

Bundesgericht

PUMA beantragt Eintragung von Marken mit 'WORLD CUP QATAR 2022': Irreführung über Sponsoring-Beziehung zur WM 2022 führt zur Nichtigkeit (Art. 2 lit. c MSchG); FIFA-Marken 'QATAR 2022' und 'WORLD CUP 2022' fehlen originäre Unterscheidungskraft (Art. 2 lit. a MSchG)

BGE / ATF / DTF
BGE 148 III 257 · ATF 148 III 257 · DTF 148 III 257
Datum
01.01.2022
Geschäftsnummer
BGE 148 III 257
Abteilung
CH_BGE_005
Ausgang
Teilweise gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 2 MSchG Art. 52 MSchG

Zusammenfassung

Die FIFA erhob Klage gegen PUMA SE mit dem Begehren, die von PUMA eingetragenen Marken 'PUMA WORLD CUP QATAR 2022' und 'PUMA WORLD CUP 2022' für nichtig zu erklären, weil sie irreführend seien. PUMA erhob Widerklage gegen die FIFA-Marken 'QATAR 2022' (fig.) und 'WORLD CUP 2022' (fig.), weil ihnen die Unterscheidungskraft fehle. Das Handelsgericht des Kantons Zürich wies sowohl Klage als auch Widerklage ab. Gegen diesen Entscheid legten beide Parteien Beschwerde beim Bundesgericht ein.

Das Bundesgericht hob den Entscheid des Handelsgerichts des Kantons Zürich auf und erklärte sowohl die von PUMA eingetragenen Marken 'PUMA WORLD CUP QATAR 2022' und 'PUMA WORLD CUP 2022' als auch die von der FIFA eingetragenen Marken 'QATAR 2022' (fig.) und 'WORLD CUP 2022' (fig.) für nichtig. Zur Begründung führte das Gericht aus, dass die Verbindung von 'PUMA' mit 'WORLD CUP QATAR 2022' bzw. 'WORLD CUP 2022' bei den angesprochenen Verkehrskreisen die Erwartung einer besonderen Beziehung des Markeninhabers zur von der FIFA veranstalteten Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar wecke. Da PUMA weder offizielle Sponsorin noch Partnerin oder (Mit-)Veranstalterin dieser WM sei, würden diese Erwartungen enttäuscht, sodass die Marken nach Art. 2 lit. c MSchG vom Markenschutz ausgeschlossen seien. Auch das Argument, PUMA unterstütze am Turnier teilnehmende Mannschaften oder Spieler, reiche nicht aus, um die Irreführung zu beseitigen. Ferner stellte das Gericht fest, dass die Zeichen 'QATAR 2022' (fig.) und 'WORLD CUP 2022' (fig.) vom Publikum als Beschreibung der Sportveranstaltung selbst und nicht als Hinweis auf deren Veranstalter oder die Herkunft der damit bezeichneten Produkte verstanden würden. Die grafische Darstellung mit einer stilisierten Null als Fussball verstärke dieses beschreibende Verständnis, verleihe aber keine originäre Unterscheidungskraft. Da die Zeichen zudem bislang gar nicht benutzt worden seien, komme auch eine Verkehrsdurchsetzung nicht in Betracht. Damit fehle es ihnen an der Schutzfähigkeit nach Art. 2 lit. a MSchG. Die Nichtigkeitserklärung erfolgte gestützt auf Art. 52 MSchG. Das Bundesgericht entschied somit zugunsten der Klägerin in Teilen und zugunsten der Beklagten vollumfänglich.

Regeste

a Art. 2 lit. c MSchG; absolute Ausschlussgründe, irreführende Zeichen. Grundsätze zur Beurteilung der markenschutzrechtlichen Irreführungsgefahr bezüglich der geschäftlichen Verhältnisse des Markeninhabers (E. 3.1). Irreführung durch die Zeichen "PUMA WORLD CUP QATAR 2022" und "PUMA WORLD CUP 2022" bejaht, da damit bei den angesprochenen Verkehrskreisen die Erwartung einer besonderen Beziehung des Markeninhabers zur Fussball-Weltmeisterschaft 2022 geweckt wird (E. 3.2 und 3.3). Regeste b Art. 2 lit. a MSchG; Gemeingut, Unterscheidungskraft, Eventmarken. Der Beurteilung der markenrechtlichen Schutzfähigkeit sogenannter Eventmarken sind die allgemeinen Grundsätze gemäss Art. 2 lit. a MSchG zugrunde zu legen (E. 6.2 und 6.3.1). Den beiden hinterlegten Zeichen "QATAR 2022" (fig.) und "WORLD CUP 2022" (fig.) fehlt es an der originären Unterscheidungskraft, da das Publikum diese als Beschreibung der Sportveranstaltung selbst und nicht als Hinweis auf deren Veranstalter bzw. die Herkunft der damit bezeichneten Produkte versteht (E. 6.3.2 und 6.4). Regeste a Art. 2 let. c LPM; motif absolu d'exclusion, signes propres à induire en erreur. Principes pour l'évaluation du risque d'induction en erreur, selon le droit de la protection des marques, en ce qui concerne les relations commerciales du titulaire de la marque (consid. 3.1). Les signes "PUMA WORLD CUP QATAR 2022" et "PUMA WORLD CUP 2022" induisent en erreur, car ils éveillent auprès des milieux intéressés l'attente d'une relation particulière entre le titulaire de la marque et la Coupe du monde de football 2022 (consid. 3.2 et 3.3). Regeste b Art. 2 let. a LPM; domaine public, caractère distinctif, marques d'événements. L'appréciation de la protection des marques dites d'événements doit se fonder sur les principes généraux de l'art. 2 let. a LPM (consid. 6.2 et 6.3.1). Les deux signes déposés "QATAR 2022" (fig.) et "WORLD CUP 2022" (fig.) sont dépourvus d'un caractère distinctif originaire, car le public les comprend comme une description de la manifestation sportive elle-même et non comme une référence à son organisateur ou à l'origine des produits ainsi désignés (consid. 6.3.2 et 6.4). Regesto a Art. 2 lett.c LPM; motivi assoluti di esclusione, segni che possono indurre in errore. Principi per valutare dal profilo del diritto sulla protezione dei marchi il pericolo di indurre in errore con riferimento ai rapporti commerciali del titolare del marchio (consid. 3.1). I segni "PUMA WORLD CUP QATAR 2022" e "PUMA WORLD CUP 2022" inducono in errore, perché suscitano nelle cerchie a cui si indirizzano l'aspettativa di una particolare relazione fra il titolare del marchio e il campionato mondiale di calcio 2022 (consid. 3.2 e 3.3). Regesto b Art. 2 lett. a LPM; dominio pubblico, carattere distintivo, marchi di eventi. La valutazione della possibilità di proteggere dal profilo del diritto dei marchi i cosiddetti marchi di eventi si fonda sui principi generali secondo l'art. 2 lett. a LPM (consid. 6.2 e 6.3.1). Ai due marchi depositati "QATAR 2022" (fig.) e "WORLD CUP 2022" (fig.) manca il carattere distintivo originario, poiché il pubblico li intende quali descrizioni dell'evento sportivo medesimo e non come riferimenti ai suoi organizzatori o all'origine dei prodotti così designati (consid. 6.3.2 e 6.4).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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