Justizze.

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Justizze. Art. 59 ZPO

Bundesgericht

Mieterin klagt nach rechtskräftiger Abweisung ihrer Kündigungsanfechtung auf Schadenersatz wegen vorgeschobenen Eigenbedarfs: materielle Rechtskraft verbietet Neubeurteilung (Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO)

BGE / ATF / DTF
BGE 145 III 143 · ATF 145 III 143 · DTF 145 III 143
Datum
19.02.2019
Geschäftsnummer
4A_563/2017
Abteilung
I. Zivilrechtliche Abteilung
Ausgang
Gutgeheissen

Tragende Normen

Art. 74 BGG Art. 107 BGG Art. 41 OR Art. 97 OR Art. 271 OR Art. 59 ZPO Art. 87 ZPO

Zusammenfassung

Ein Mieter kündigte eine Wohnung am 18. Januar 2013 mit dem Grund Eigenbedarf. Die Mieterin erhob daraufhin beim Mietgericht Zürich eine Anfechtungsklage, die rechtskräftig abgewiesen wurde; das Gericht stellte fest, die Kündigung sei nicht missbräuchlich. Später klagte dieselbe Mieterin erneut – diesmal auf Schadenersatz – mit der Behauptung, der Eigenbedarf sei vorgeschoben gewesen. Der Vermieter wandte ein, die materielle Rechtskraft des ersten Urteils verbiete diese zweite Klage. Die Vorinstanzen wiesen diesen Einwand zurück und sprachen der Mieterin Schadenersatz zu. Der Vermieter legte Beschwerde ans Bundesgericht ein.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Obergerichts Zürich auf und wies die Schadenersatzklage der Mieterin ab. Es stellte fest, dass das Urteil des Mietgerichts vom 23. Oktober 2014, welches die Kündigung ausdrücklich als nicht missbräuchlich bezeichnete, rechtskräftig geworden ist und daher materielle Rechtskraft entfaltet. Diese bindet alle späteren Gerichte an die Feststellung, dass der Eigenbedarf zum Zeitpunkt der Kündigung vom 18. Januar 2013 bestanden hat – eine Frage, die im Schadenersatzprozess erneut gestellt wurde. Da die Mieterin keine Revision des rechtskräftigen Urteils erwirkt hat, war die Klage vor dem Mietgericht gemäss Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO unzulässig. Das Bundesgericht verwies die Sache zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des kantonalen Verfahrens an die Vorinstanz zurück. Die Mieterin muss dem Vermieter für das Bundesgerichtsverfahren Fr. 2'500.-- entschädigen und trägt die Gerichtskosten von Fr. 2'000.--. Dieses Urteil klärt erstmals höchstrichterlich, dass eine Schadenersatzklage wegen vorgeschobenen Eigenbedarfs nach rechtskräftiger Abweisung der Anfechtungsklage mangels materieller Rechtskraft unzulässig ist.

Regeste

Art. 271 f. OR; Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO; Art. 328-333 ZPO; Kündigungsschutz; Rechtskraft; Revision. Wurde im Rahmen der Anfechtung nach Art. 271 f. OR rechtskräftig festgestellt, dass die Kündigung des Vermieters nicht missbräuchlich ist, darf dieselbe Frage nicht neu beurteilt werden, wenn der Mieter später eine Schadenersatzklage erhebt mit der Begründung, das nachträgliche Verhalten des Vermieters zeige, dass der von ihm angegebene Kündigungsgrund (Eigenbedarf) doch vorgeschoben war. Die Rechtskraft (Bindungswirkung) des Entscheids im Anfechtungsverfahren könnte ausschliesslich mittels Revision unter den Voraussetzungen von und im Verfahren nach Art. 328-333 ZPO beseitigt werden (E. 3-5). Regeste Art. 271 s. CO; art. 59 al. 2 let. e CPC; art. 328-333 CPC; protection contre les congés; autorité de la chose jugée; révision. S'il a été constaté avec autorité de la chose jugée, dans le cadre de l'action en annulation régie par les art. 271 s. CO, que le congé signifié par le bailleur n'est pas abusif, cette question ne peut pas être jugée à nouveau lorsque le locataire intente une action en dommages-intérêts pour faire valoir qu'en raison du comportement ultérieur du bailleur, il apparaît que le motif invoqué par celui-ci (besoin propre) était fallacieux. L'autorité de l'arrêt rendu sur l'action en annulation ne pouvait être levée que par la voie de la révision, aux conditions et selon la procédure des art. 328 à 333 CPC (consid. 3-5). Regesto Art. 271 seg. CO; art. 59 cpv. 2 lett. e CPC; art. 328-333 CPC; protezione dalla disdetta; autorità di cosa giudicata; revisione. Se nell'ambito di una contestazione secondo l'art. 271 seg. CO è stato accertato con autorità di cosa giudicata che la disdetta data dal locatore non è abusiva, la medesima questione non può essere nuovamente giudicata quando, più tardi, il conduttore inoltra un'azione di risarcimento danni, prevalendosi del comportamento successivo del locatore che dimostrerebbe che il motivo della disdetta da questi indicato (fabbisogno personale) era nondimeno pretestuoso. L'autorità di cosa giudicata (l'effetto vincolante) della decisione nella procedura di contestazione potrebbe unicamente essere tolta con una revisione alle condizioni e nella procedura previste dagli art. 328-333 CPC (consid. 3-5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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