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Justizze. Art. 229 ZPO

Bundesgericht

Beschwerdeführerin rügt Verletzung des Aktenschlusses: Vorinstanz berücksichtigte nach Instruktionsverhandlung eingereichte Beweismittel ohne Prüfung nach Art. 229 Abs. 1 ZPO – Bundesgericht hebt Urteil auf und verweist zurück

BGE / ATF / DTF
BGE 144 III 67 · ATF 144 III 67 · DTF 144 III 67
Datum
24.11.2017
Geschäftsnummer
BGE 144 III 67
Ausgang
Rückweisung

Tragende Normen

Art. 150 ZPO Art. 153 ZPO Art. 226 ZPO Art. 229 ZPO

Zusammenfassung

In einem Architekturstreit erhob die Beklagte Beschwerde in Zivilsachen beim Bundesgericht gegen ein Urteil des Kantonsgerichts Luzern. Streitpunkt war, ob das Bezirksgericht Willisau zulässigerweise neue Beweismittel berücksichtigen durfte, die die Klägerin erst nach einer Instruktionsverhandlung im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels eingereicht hatte. Die Beschwerdeführerin machte geltend, der Aktenschluss sei bereits nach der Instruktionsverhandlung eingetreten und die neuen Beweismittel seien daher nur noch unter den strengen Voraussetzungen des Novenrechts zulässig gewesen.

Das Bundesgericht hob das Urteil des Kantonsgerichts Luzern auf und verwies die Sache zur neuerlichen Beurteilung an die Vorinstanz. Es stellte fest, dass die Vorladung zur Instruktionsverhandlung klar signalisierte, dass diese als zweite und letzte unbeschränkte Gelegenheit zum Vorbringen neuer Beweismittel dienen sollte – gemäss Art. 229 ZPO. Gleichzeitig verbot die ZPO eine zeitliche Auftrennung zwischen Einreichen neuer Beweismittel und Vorbringen der damit zu beweisenden Tatsachenbehauptungen (Art. 229 ZPO), was im vorliegenden Fall durch die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels nach der Instruktionsverhandlung geschehen war. Die Vorinstanz hatte zudem versäumt, zu prüfen, ob die im zweiten Schriftenwechsel eingereichten Beweismittel die Voraussetzungen des eingeschränkten Novenrechts nach Art. 229 Abs. 1 ZPO erfüllten. Dieser Verstoß gegen Art. 229 ZPO, Art. 229 Abs. 1 ZPO, Art. 150 Abs. 1 ZPO, Art. 153 ZPO, Art. 226 Abs. 2 ZPO und Art. 226 Abs. 3 ZPO führte zur Aufhebung. Das Bundesgericht betonte, dass die Parteien nur zweimal unbeschränkt Tatsachen und Beweismittel vorbringen dürfen – ein Grundsatz, der für einen berechenbaren Prozessablauf zentral ist. Die Entscheidung klärt die systematische Verknüpfung von Aktenschluss, Instruktionsverhandlung und Novenrecht und stellt klar, dass eine bloße Entgegennahme von Urkunden ohne Möglichkeit zur substantiierten Tatsachenbehauptung unzulässig ist.

Regeste

Art. 229 ZPO; Zeitpunkt des Aktenschlusses. Recht der Parteien, sich zweimal unbeschränkt zu äussern; Grundsätze. Eine (zeitliche) Auftrennung von Einreichen neuer Beweismittel und Vorbringen neuer Tatsachen ist unzulässig (E. 2). Regeste Art. 229 CPC; moment de la clôture de la phase de l'allégation. Droit des parties de s'exprimer deux fois de manière illimitée; principes. Une séparation (dans le temps) entre la production de moyens de preuve nouveaux et l'allégation de faits nouveaux est inadmissible (consid. 2). Regesto Art. 229 CPC; momento della fine della fase allegatoria. Diritto delle parti di esprimersi due volte senza limiti; principi. Una separazione (temporale) fra la produzione di nuovi mezzi di prova e l'adduzione di nuovi fatti è inammissibile (consid. 2).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.

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