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Justizze. Art. 58 SVG

Bundesgericht

Fahrschule verlangt Ersatz für Schäden an ihrem Fahrzeug nach Unfall während Führerprüfung: Staatshaftung des Kantons verneint, da Kanton nicht als Halter im Sinne von Art. 58 SVG gilt (Art. 75 KV/AG)

BGE / ATF / DTF
BGE 144 II 281 · ATF 144 II 281 · DTF 144 II 281
Datum
15.06.2018
Geschäftsnummer
2C_94/2018
Abteilung
II. Öffentlich-rechtliche Abteilung
Ausgang
Abgewiesen

Tragende Normen

Art. 85 BGG Art. 105 BGG Art. 5 BV Art. 9 BV Art. 49 BV Art. 75 KV/AG Art. 61 OR Art. 15 SVG Art. 15b SVG Art. 22 SVG Art. 35 SVG Art. 58 SVG Art. 59 SVG Art. 63 SVG Art. 71 SVG Art. 73 SVG Art. 9 VRV Art. 27 VRV Art. 41a VRV Art. 23 VVV Art. 22 VZV

Zusammenfassung

Die A.________ GmbH, eine Fahrschule, erhob Klage gegen den Kanton Aargau mit dem Antrag, dieser solle ihr Fr. 1'946.75 nebst Zinsen für Schäden am Fahrzeug und an einer Signaltafel ersetzen, die während einer praktischen Führerprüfung entstanden waren. Der Prüfungsexperte des Kantons hatte während der Fahrt versucht, eine Kollision mit einer Signaltafel zu verhindern, konnte dies aber nicht mehr rechtzeitig tun. Die Vorinstanz wies die Klage ab, weil nicht nachgewiesen sei, dass der Experte pflichtwidrig eine Handlung unterlassen habe, welche den Schaden hätte abwenden können. Die Fahrschule erhob daraufhin Beschwerde ans Bundesgericht.

Das Bundesgericht verwirft die Beschwerde. Es stellt fest, dass die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten zulässig ist, weil die Frage der Haftung bei Unfällen während Führerprüfungen von grundsätzlicher Bedeutung ist: Es handelt sich um wiederkehrende Situationen, bei denen regelmäßig private Fahrzeuge von Fahrschulen verwendet werden, und die Klärung der Haftungsgrundlage ist für die betroffenen Unternehmen entscheidend. Dennoch verneint das Bundesgericht die Haftung des Kantons. Die Vorinstanz hat den Sachverhalt nicht willkürlich gewürdigt; sie hat die widersprüchlichen Aussagen der Beteiligten sorgfältig geprüft und die Aussage des mitfahrenden Fahrlehrers in Ausbildung nicht allein wegen dessen Bekanntschaft mit dem Kandidaten geringer gewichtet, sondern auch aufgrund von Widersprüchlichkeiten in seinen Angaben. Entscheidend ist jedoch, dass der Kanton nicht als Halter im Sinne von Art. 58 SVG anzusehen ist: Das Fahrzeug wurde ihm nicht zur freien Verfügung gestellt, sondern ausschliesslich für die Dauer der Prüfungsfahrt zur Begleitung des Kandidaten zur Verfügung gestellt; der Betrieb erfolgte nicht auf Rechnung und Gefahr des Kantons, sondern zum Nutzen des Kandidaten oder der Fahrschule. Auch Art. 71 SVG ist nicht anwendbar, weil der Kanton weder Unternehmer im Motorfahrzeuggewerbe ist noch das Fahrzeug zu Aufbewahrung, Reparatur oder ähnlichen Zwecken übergeben wurde. Eine richterliche Lückenfüllung ist nicht geboten, weil die gesetzliche Regelung, wonach in dieser Konstellation keine Haftung besteht, nicht sachlich unhaltbar ist; der Grundsatz "casum sentit dominus" gilt weiterhin, und der Schaden am Fahrzeug wäre selbst bei einer Halterhaftung nicht entschädigungsfähig. Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.-- trägt die unterliegende Beschwerdeführerin. Diese Entscheidung ist bemerkenswert, weil sie klärt, dass die bloße Durchführung einer staatlichen Prüfungshandlung mit einem privaten Fahrzeug nicht automatisch eine Halterstellung des Staates im Sinne des SVG begründet.

Regeste

Keine Haftung des Staates, wenn ein Fahrschüler an der Führerprüfung mit dem Auto der Fahrschule einen Schaden am Prüfungsfahrzeug und an einem Strassensignal verursacht, dem Prüfungsexperten aber nicht nachgewiesen werden kann, dass dieser pflichtwidrig eine Unterlassung begangen hat, welche den eingetretenen Schaden abgewendet hätte. Zulässigkeit der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten betreffend Staatshaftung; Verhältnis zur Beschwerde in Zivilsachen (E. 1). Keine willkürliche Verneinung der Staatshaftung nach kantonalem Recht (E. 3). Keine Haftung des Kantons nach Art. 58 SVG für Schäden am Prüfungsfahrzeug (Art. 59 Abs. 4 lit. a SVG; E. 4.2) sowie für Schäden am Strassensignal, da er nicht Halter des Fahrzeugs ist (E. 4.3). Keine Haftung des Kantons als Unternehmer nach Art. 71 SVG (E. 4.4). Keine Haftung aus Lückenfüllung (E. 4.5). Regeste Pas de responsabilité de l'Etat lorsqu'un élève conducteur, au cours de l'examen de conduite, avec le véhicule de l'école de conduite, provoque un dommage au véhicule servant aux examens, ainsi qu'à un signal routier, mais qu'il ne peut être démontré que l'expert aux examens, en violation de ses devoirs, a omis d'accomplir un acte qui aurait pu éviter le dommage en cause. Recevabilité d'un recours en matière de droit public dans un cas de responsabilité de l'Etat; rapport avec le recours en matière civile (consid. 1). Pas de négation arbitraire de la responsabilité de l'Etat d'après le droit cantonal (consid. 3). Pas de responsabilité du canton selon l'art. 58 LCR pour des dommages sur le véhicule servant aux examens (art. 59 al. 4 let. a LCR; consid. 4.2), ainsi que pour des dommages à un signal routier, car celui-ci n'est pas détenteur dudit véhicule (consid. 4.3). Pas de responsabilité du canton en tant qu'entreprise selon l'art. 71 LCR (consid. 4.4). Pas de responsabilité issue du comblement d'une lacune (consid. 4.5). Regesto Nessuna responsabilità dello Stato quando, nel corso dell'esame di guida, un allievo conducente causa con il veicolo della scuola guida un danno al veicolo utilizzato per gli esami nonché un segnale stradale, ma non può essere dimostrato che il perito d'esame, violando i propri doveri, abbia omesso di compiere un atto che avrebbe permesso di evitare il danno in questione. Ammissibilità del ricorso in materia di diritto pubblico in caso di responsabilità dello Stato; relazione con il ricorso in materia civile (consid. 1). La responsabilità dello Stato non è stata arbitrariamente negata in base al diritto cantonale (consid. 3). Non vi è responsabilità del Cantone ai sensi dell'art. 58 LCStr per i danni al veicolo utilizzato per gli esami (art. 59 cpv. 4 lett. a LCStr; consid. 4.2) e a un segnale stradale poiché non è il detentore del veicolo in questione (consid. 4.3). Il Cantone non può essere tenuto responsabile in quanto azienda ai sensi dell'art. 71 LCStr (consid. 4.4) né in seguito alla colmatura di una lacuna (consid. 4.5).

Originalentscheid beim Gericht ↗

Zusammenfassung, Ausgang und tragende Normen sind maschinell ermittelt und können Fehler enthalten. Massgebend ist der Originalentscheid. Keine Rechtsberatung.